Transformation

Vom Gemeinderating zum Gemeindebarometer

Hanspeter Schmutz Das werteorientierte Gemeinderating (siehe Magazin 4/11) konnte in einer Beta-Version fertiggestellt werden. Sie wurde von vier Gemeindepräsidenten aus unterschiedlich grossen Gemeinden getestet. 

 

Die Reaktionen haben gezeigt, dass es eine gewisse Zurückhaltung gibt, wenn es darum geht, die Ergebnisse aus den 92 Indikatoren für eine werteorientierte Gemeindeentwicklung in Form eines Klassements an die Öffentlichkeit zu bringen. Da die Inspiration für eine werteorientierte Gemeindeentwicklung im Vordergrund steht – und nicht der Wettbewerb – wurde das WDRS-Gemeinderating zu einem WDRS-Gemeindebarometer weiterentwickelt. 

 

Das Mass der Werteorientierung

Mit dem WDRS-Gemeindebarometer können nicht nur der Gemeindepräsident, sondern alle Einwohnerinnen und Einwohner den Stand der Gemeinde in Sachen Werteorientierung messen. Der Kommentar zu den Indikatoren hilft zu erkennen, welche Massnahmen ergriffen werden können, wenn das Barometer allzu «schlechtes Wetter» anzeigt. Und der Countdown eines werteorientierten Entwicklungsprozesses illustriert, wie man z.B. vorgehen könnte, wenn die Gemeinde einen bewussten Prozess in Richtung Werteorientierung einschlagen möchte. 

Damit dies gelingen kann, ist das Gespräch zwischen dem Gemeinderat und der Bevölkerung von entscheidender Bedeutung. Ein solcher Prozess wird idealerweise vom Gemeinderat geleitet. In einer späteren Phase kann dann ein «Verein für die werteorientierte Dorfentwicklung» – mit bewusster Unterstützung durch die Behörden – die Umsetzung an die Hand nehmen.

 

Reaktionen auf die Beta-Version

Die vorliegende Beta-Version ist bei den befragten Gemeindepräsidenten auf ein wohlwollendes Echo gestossen. Der Präsident einer grossen Berner Gemeinde schrieb: «Die Texte und auch der Fragebogen sind für mich überaus wertvoll und inspirierend, und ich habe mich an einiges erinnert, das ich an einem Kurs mit dir und Herrn Sieghartsleitner vor Jahren bereits einmal gehört habe.» Grosse Gemeinden, so hat sich gezeigt, sind herausgefordert, mit ihren Gemeindeparlamenten klarzukommen. Diese vertreten zwar die Bevölkerung, sind aber manchmal stärker partei- als werteorientiert ausgerichtet. Auf der andern Seite stand der Präsident einer kleinen Aargauer Gemeinde. Hier ist der Kontakt zur Bevölkerung enger. Trotzdem: Gerade kleine Gemeinden sind (allenfalls in Zusammenarbeit mit grösseren) besonders auf eine bewusste werteorientierte Entwicklung angewiesen. Das Thema sei «grundsätzlich interessant, aber konkret für unsere kleine Gemeinde anspruchsvoll», schrieb der Gemeindepräsident dazu.

Der Präsident einer mittleren Aargauer Gemeinde betonte die Wichtigkeit einer Einführung in die Prinzipien der werteorientierten Gemeindeentwicklung, damit die Moti-
vation für weitere Schritte aufgebaut werden könne.

Der Präsident einer Thurgauer Gemeinde empfand die 92 Indikatoren als hilfreich und aussagekräftig. Seiner Meinung nach machen sie deutlich, wo der Hebel angesetzt werden sollte. 

 

Ohne Leitbild keine Werteorientierung

Entscheidend ist die Frage nach dem Leitbild, das haben die Rückmeldungen gezeigt. Ohne diese grund-
legende Klärung der Werte und des Weges in eine werteorientierte Zukunft bleibt die Entwicklung einer Gemeinde ein Spielball der gerade aktuellen Probleme oder der gegebenen Machtverhältnisse. Die Auseinandersetzung mit den 92 Indikatoren gibt Anregungen, die es möglich machen, zumindest mal gedanklich aus diesen Sachzwängen auszubrechen.

Die Veröffentlichung des WDRS-
Gemeindebarometers ist für das
1. Quartal 2012 vorgesehen. Parallel dazu soll auch die neue Website www.dorfentwicklung.ch vorbereitet und aufgeschaltet werden. Sie wird allen, die sich in die Thematik der werteorientierten Dorf-, Regional- und Stadtentwicklung (WDRS) vertiefen wollen, Impulse und erste Hilfen für die Umsetzung geben. 

 

Hanspeter Schmutz ist Publizist und Leiter des Instituts INSIST.

hanspeter.schmutz@STOP-SPAM.insist.ch 

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