Gott begegnen

Warum wir nicht an Karfreitag vorbei kommen

Hanspeter Schmutz Wer Gott begegnen will, kommt nicht an Karfreitag vorbei. Für das Christwerden ist entscheidend, was ca. im Jahre 30 n. Chr. an einem Kreuz ausserhalb der Stadt Jerusalem geschehen ist1. Hier, vor diesem Kreuz, beginnt die Begegnung mit Gott.

 

Wer das Geschehen von Karfreitag verstehen will, muss aber vorerst auf der Zeitachse zurück an den Anfang gehen.

Der Gott des Lebens

Der dreieine2 Gott ist der Schöpfer allen Lebens3. Sicher, meine Eltern haben biologisch gesehen bei meiner Entstehung mitgewirkt; geschaffen wurde ich aber nicht durch sie, sondern letztlich durch den Schöpfer. Als sein Geschöpf spiegle ich typische Charakterzüge meines Schöpfers. Etwa die Möglichkeit zur Freiheit, den Gerechtigkeitssinn, die Kreativität und die Fähigkeit zu lieben. Dies gilt unabhängig davon, ob ich an Gott glaube oder nicht. 

Gott liebt mich als sein Geschöpf, und er sehnt sich danach, dass ich seine Liebe beantworte. Echte Liebe kann aber nicht erzwungen werden: Ich kann mich für oder gegen Gott entscheiden. Es ist offensichtlich, dass ich – wie auch die übrige Menschheit – nicht in einer Liebesbeziehung zu Gott stehe. Meine Antwort heisst oft «Nein» oder «Du bist mir egal». Diesen Vorgang nennt die Bibel «Sünde4». In der Folge öffnet sich ein Graben zwischen mir und der Liebe Gottes5.

Mein «Nein» bzw. meine Gleichgültigkeit äussert sich in einer dreifachen Sünde6

1. Von nun an laufe ich in die falsche Richtung. Weil Gott das Leben an sich ist, laufe ich vom Leben weg und damit langfristig in den Tod

2. Gleichzeitig kehre ich Gott den Rücken zu, ich lehne mich – bewusst oder unbewusst – gegen ihn auf. Zwischen uns entsteht zunehmend eine Mauer der Trennung und Entfremdung. 

3. Auf diesem verkehrten Weg tue und erlebe ich immer wieder falsche Dinge und erleide oder lade so Schuld auf mich. 

So lebe ich «ungerecht7», d.h. nicht auf Gott ausgerichtet, vor mich hin und werde zunehmend von den Folgen der Sünde geprägt: Schuld, Trennung und Tod.

 

Der Gerechte stirbt als Ungerechter

Weil Gott seine Geschöpfe liebt, sucht er nach Wegen, um diese ungute Entwicklung zu stoppen. Wie löst Gott das Problem der Sünde?

1. Er könnte beide Augen verschliessen oder einfach wegsehen, ganz nach dem Motto: «Ist doch alles halb so schlimm.» Wenn Gott aber die Sünde nicht ernst nimmt, verzichtet er auf eine wegweisende Ethik8

2. Er könnte die Folgen der Sünde abmildern oder wegnehmen. So aber hätte der Mensch keine Kriterien mehr, um das Böse zu erkennen.

3. Er könnte den Menschen zum Guten zwingen. Damit aber gäbe es keine Freiheit mehr und Gott würde die freiwillige Liebe seiner Geschöpfe zu ihm verunmöglichen.

Gott findet eine verrückte (Er)Lösung, auf die nur er selber kommen konnte. Er kommt in seinem Sohn Jesus Christus ganz persönlich in Raum und Zeit. Jesus lebt als Mensch und Gottes Sohn zugleich mitten unter uns. Zeit seines Lebens lässt er sich nichts zuschulden kommen, er sagt nie «Nein» zu seinem Vater und lebt völlig ausgerichtet auf ihn. Damit ist er der einzige ganz Gerechte, der je gelebt hat.

Und das Unerhörte geschieht: Jesus übernimmt als Gerechter die Folgen meiner dreifachen Sünde. 

1. Ausgerechnet er wird beschuldigt, sich als Gott aufzuspielen und ihn zu lästern – also genau das, was ich – zugespitzt gesagt – immer wieder tue. Er wehrt sich nicht gegen diesen falschen Vorwurf und nimmt bewusst meine (und jede weitere menschliche) Schuld auf sich.

2. Ausgerechnet er wird als Ungerechter verurteilt und ans Kreuz genagelt. Er muss erleben, dass Gott sich angesichts der Sünde, die auf ihm liegt, von ihm distanziert. Jesus erleidet und übernimmt so meine Trennung von Gott.

3. Schliesslich stirbt er unter der Last meiner Sünde und der Sünde aller Menschen, die vor ihm gelebt haben und nach ihm leben werden. Er erleidet die letzte Folge der Sünde – den Tod.

Damit ist die Sünde samt ihren Folgen grundsätzlich ein für allemal getilgt. Der Weg zu Gott ist frei. Echte Vergebung ist möglich.

 

Jesus bietet seine Gerechtigkeit an

Gott, der Schöpfer und Vater, bestätigt dieses Geschehen von Karfreitag am Ostermorgen9. Im Morgengrauen holt er seinen Sohn aus dem Grab und später – an Auffahrt10 – zurück in den Himmel. 

Seither kommt Jesus jedem Menschen – auch mir – entgegen und bietet seine (Er)Lösung an: seine Gerechtigkeit, die er für mich erworben hat. Ich brauche nur nach dem Rettungsring zu greifen.

Mir bleiben nun zwei Möglichkeiten:

1. Ich kann weiter versuchen, mich durch gutes Verhalten selber zu retten und ein besserer Mensch zu werden. Dabei werde ich immer wieder erleben, dass ich in das alte Verhalten zurückfalle und es nie schaffe, ein wirklich gerechter Mensch zu sein.

2. Oder ich kann mich von Jesus zum Kreuz ziehen lassen. Hier entfaltet die (Er)Lösung von Karfreitag ihre Wirkung, hier tritt die Vergebung meiner Sünde sofort in Kraft, wenn ich sie für mich persönlich in Anspruch nehme.

Dies kann z.B. in den folgenden drei Schritten geschehen:

1. Ich wende mich in einem schlichten Gebet an Jesus. Statt meine Sünde weiter zu leugnen, gestehe ich sie ein und benenne, was mir bewusst ist. 

2. Jetzt bitte ich Jesus im Vertrauen auf das, was er an Karfreitag für mich getan hat, um seine Vergebung. 

3. Nun unterstelle ich mein Leben dem Schutz von Jesus und lade ihn ein, mein Leben neu zu prägen, sodass es immer mehr so wird, wie er es haben möchte.

 

Jesus macht es möglich, als Gerechter zu leben

Wenn ich Jesus als gerechten Herrn in mein Leben einlade, macht er mich unter Berufung auf das Geschehen von Karfreitag rein und gerecht. Nun kann ich umkehren und ihm nachfolgen – in Richtung (ewiges) Leben. Der Heilige Geist gibt mir die Kraft und die nötige Wegweisung dazu. 

Wenn ich auf dem Weg der Nachfolge «ungerecht» handle, kann ich immer wieder die Vergebung von
Jesus für mich beanspruchen. Ich gerate nicht mehr
auf die «andere Seite», ausser wenn ich das unbedingt will. 

Mit der Zeit wird mein Lebensstil immer mehr von der Gerechtigkeit Jesu geprägt. Schliesslich kann ich am Ende meines irdischen Lebens als «Gerechter» von der diesseitigen in die ewige, liebevolle Gemeinschaft mit dem dreieinen Gott übertreten. 

 

1 Z.B. beschrieben in Johannes 18 und 19

2 Der Gott der Christen ist eine Einheit aus Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Alle drei «Entfaltungen» Gottes kommen schon bei der Schöpfung zum Zuge (1. Mose 1,1.2 und Kolosser 1,16).

3 Die biblischen Schöpfungsaussagen betonen die Tatsache der Schöpfung, ohne im naturwissenschaftlichen Sinne in die Details zu gehen. Für den Glauben entscheidend ist die Tatsache der Schöpfung; die naturwissenschaftlichen Details verändern sich mit dem aktuellen Stand der Wissenschaften. 

4 «Sünde» ist sprachgeschichtlich verwandt mit «Sund», einem (Meeres-)Graben. 

5 Das illustriert auch die «Vertreibung» aus dem Paradies (1. Mose 3,24).

6 Diese drei Aspekte der «Sünde» werden im Hebräischen ausgedrückt mit «chatha» (Zielverfehlung), «pascha» (Auflehnung) und «awah» (Schuld).

7 (Un)Gerechtigkeit ist nicht primär ein moralischer, sondern vorerst ein Richtungsbegriff: sachgerecht z.B. heisst «ausgerichtet auf die Sache»; dem entsprechend meint «ungerecht»: falsch ausgerichtet.

8 «Ethik» ist hier die Lehre von Gut und Böse.

9 Z.B. beschrieben in Johannes 20

10 beschrieben in Apostelgeschichte 1,1-11

11 Z.B. das «Unser Vater» (u.a. in Matthäus 6, 9-13) oder das Buch der 

Psalmen

12 Joh. 7,17

Was hilft mir unterwegs?

Das Leben eines Christen ist ein Weg in Gemeinschaft mit Gott und mit Menschen. Unterwegs auf diesem Glaubensweg helfen die Glaubensvitamine G 1 bis G 5.

 

G 1: Gebet 

Es ist nicht entscheidend, wie lang oder kurz ich bete; wichtiger ist, dass ich es ehrlich, regelmässig und nicht nur nach dem Lustprinzip tue. Gerade wenn es mir schlecht geht, möchte Jesus mit mir reden. Wenn ich nicht mehr mit Gott rede, ist die Beziehung gestört.
Als Einstiegshilfe gibt es in der Bibel viele Muster-Gebete11

 

G 2: Gottes Wort 

Das Leben Jesu ist uns über die Bibel vermittelt worden. An Jesus glauben heisst auch wissen, was er gesagt und getan hat. Nur so kann ich seinem Vorbild nacheifern. Fragen, die beim Lesen auftauchen, sind wichtig und
sollen ruhig gestellt werden, bis eine befriedigende Antwort gefunden werden kann. Allerdings ist zu beachten, dass der Glaube immer mit offenen Fragen verbunden bleibt.

 

G 3: Gemeinschaft 

Die christliche Gemeinde ist der «Leib Christi»: Jesus führt mich mit andern Christen zusammen. Hier erfahre ich Korrektur und Ermutigung und kann lernen, meine Gaben für andere einzubringen.

 

G 4: Gehorsam 

Jesus lieben ist mehr als ein Gefühl, es bedeutet schlicht, ihn und seine Worte ernst zu nehmen. Dementsprechend definiert Jesus eine liebevolle Beziehung zu ihm als Gehorsam ihm gegenüber und fordert Skeptiker zum «Tatbeweis» auf12

Bei nagenden Zweifeln ist es gut, zur Klärung einen erfahrenen Christen beizuziehen, ebenso bei drängenden Fragen.

 

G 5: Gib weiter 

Die Beziehung zu Jesus ist etwas sehr Intimes. Seine gute Botschaft ist aber so wichtig, dass sie auch andere hören sollten. Am lautesten spricht dabei das Leben. Der Glaube darf und soll aber hie und da auch bewusst mit Worten erklärt werden. 

Das hilft mit, dass auch andere eine Begegnung mit Gott erleben können.

 

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