Musik

Let it shine ...!

Jean-Daniel von Lerber Es gibt Lieder, die sind einfach nicht tot zu kriegen. Immer wieder tauchen sie auf, werden neu arrangiert und interpretiert. Die Stile, die Instrumentierung und der Rhythmus wechseln, der Song selber aber bleibt. Dazu kommt, dass alle die Melodie mitsummen können. Solche Lieder schlummern tief im kulturellen Bewusstsein der Zuhörer. 

 

Eines dieser Lieder ist «This little light of mine». Simpel, eingängig und ausdrucksstark. Es hat alle Voraussetzungen, um noch lange weiterzuleben ...

 

Ein Ohrwurm gibt keine Ruhe

«This little light of mine» wurde von Harry Dixon Loes (1895-1965) komponiert, ungefähr um 1920. Loes studierte im Moody Bible Institute in Chicago. Inspiriert haben ihn die Texte aus Matthäus 5,14-16 und Lukas 11,33, wo Jesus vom Licht und seiner Wirkung spricht. In den 50er Jahren wurde der Song eine Hymne der Civil Rights Bewegung. Er gehörte bald zum Stammrepertoire aller Gospel- und Folk-Formationen.

Zur Erinnerung an dieser Stelle der Text des Liedes. Das Mitsummen beim Lesen ist durchaus erwünscht.

Refr.: This little light of mine/I'm gonna let it shine. This little light of mine/I'm gonna let it shine. This little light of mine/I'm gonna let it shine. Let it shine/Let it shine/Let it shine, oh yeah!

V1: Everywhere I go/I'm gonna let it shine. Everywhere I go/I'm gonna let it shine. Everywhere I go/I'm gonna let it shine. Let it shine/Let it shine/Let it shine.

V2: Hide it under a bushel. Oh no!/I'm going to let it shine. Hide it under a bushel. Oh no!/I'm going to let it shine. Hide it under a bushel. Oh no!/I'm going to let it shine. Let it shine/All the time/Let it shine/Oh yeah!

V3: Jesus gave it to me/I'm gonna let it shine. Jesus gave it to me/I'm gonna let it shine. Jesus gave it to me/I'm gonna let it shine. Let it shine/Let it shine/Let it shine.

V4: Don't let the Devil «fooh!» it out/I'm going to let it shine. Don't let the Devil «fooh!» it out/I'm going to let it shine. Don't let the Devil «fooh!» it out/I'm going to let it shine. Let it shine/All the time/Let it shine/Oh yeah!

Eben habe ich auf YouTube die Version von Bruce Springsteen in Turin (2006) angeschaut. Und dann jene von LZ7 aus Manchester, mit der sie den Sprung in die UK Charts schafften. Sogar in US Serien wie «Glee» oder «Criminal Minds» war dieses Lied im Laufe der 2011er Folgen zu hören. 90 Jahre nach seiner Komposition!

 

Die Wirkungen dieses Lichtes

Was hat es denn auf sich mit diesem Licht? Ja, wir wissen es, Christus ist gemeint – das Licht der Welt. Aber genügt das Wissen? Viel spannender ist es doch, über die Auswirkungen dieses Lichtes nachzudenken. 

Johannes schreibt in seinem Brief
(1 Johannes 1,7): 

«Wenn wir jedoch im Licht leben, so wie Gott im Licht ist, sind wir miteinander verbunden, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.»

Wie lesen und verstehen wir das? Im Licht leben bedeutet, offen zu leben, ohne Geheimnisse. Das führe zur Verbundenheit miteinander, sagt der Text. Wen sehen wir vor unserem inneren Auge, wenn wir das Wort «miteinander» lesen? In der Regel wohl Christen. 

Kürzlich habe ich einen Text von John Fischer gelesen, er ist Musiker und Autor. Seine Worte liessen mir diesen Bibelvers im wahrsten Sinne des Wortes «in einem völlig neuen Licht» erscheinen. Er hat den Text so übertragen:

«Wenn wir hinaustreten in das offenbarende Licht Christi (er ist dieses Licht in Person), führt das zu einer engen Verbindung mit allen Sündern in unserer Umgebung, denn jetzt werden unsere Schwächen und Fehler gemeinsam offenbar und mit dem Blut Jesu, des Gottessohns, gereinigt, welcher fortfährt, uns immer aufs neue zu reinigen, wenn wir sündigen.»

Die Volx-Bibel – eine Übersetzung ins Alltagsdeutsch der Strasse – kommt dieser Auslegung recht nah:

«Wenn wir aber so leben, dass Gottes Licht überall bei uns reinleuchten kann, dann sind wir auch ganz eng miteinander verbunden. Weil Jesus für uns verblutet ist, werden wir durch dieses Blut von unseren Fehlern und Sünden sauber gemacht.»

Das aufdeckende, offenbarende Licht ist also die Brücke zu den Menschen, die uns umgeben. Und zwar zu allen Menschen. Ich glaube, besser zu verstehen, weshalb «This little light» ein Dauerbrenner ist. Ob Bruce Spring-
steen, LZ7 oder wer auch immer – keiner will auf dieses kleine, verbindende Licht verzichten. Deshalb: «Let it shine, let it shine, let it shine – yeah!»

 

Jean-Daniel von Lerber ist seit 30 Jahren Kulturagent; er leitet PROFILE Productions in Richterswil ZH.

jean@STOP-SPAM.profile-productions.ch

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