Spiritualität

Die Bibel als nährendes Wort

Ruth Michel Die Bibel ist Nahrung für den Alltag. Im Folgenden gibt die Autorin einige Tipps für die Nahrungsaufnahme.

 

Übung 1: 

«Versuchungen» im Umgang mit Hunger

Ich lese langsam und laut und lasse dabei die Worte aus Lukas 4,1-4 / Matthäus 4 auf mich wirken1:

Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 

Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 

Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben2: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.» 

  • Erfüllt sein vom Heiligen Geist hindert nicht, dass es mich «hungert» ...
  • Erfüllt sein vom Heiligen Geist hindert nicht, dass ich auch Mangel leide. Und heisst nicht, dass all meine Bedürfnisse und Sehnsüchte gestillt würden ...
  • Erfüllt sein vom Heiligen Geist hindert nicht, dass die tiefe Sehnsucht nach geistlichen Erfahrungen lange ungestillt bleibt ...
  • Wenn ich «hungrig und durstig nach ...» bin, dann bin ich anfälliger für «Versuchungen» ...
  • Versuchungen geben mir die Möglichkeit, zu scheiden zwischen den eigenen menschlichen Wünschen und den leisen Anregungen des Heiligen Geistes ... 

 

Jesus Christus, Du nahmst auf Dich den Hunger, damit wir satt würden.

Ich versuche, mit Gott über meine «Versuchlichkeiten» und meine «Hungerbewältigungs-Strategien» zu reden: dankend, lobend, bittend, klagend, zweifelnd, fragend, ringend, vertrauend.

 

Übung 2: 

«Jesus, der Hüter meiner Seele»

Ich lese langsam und laut, mit Stimme, immer wieder, und lasse die Worte aus 1. Petrus 2,25 auf mich wirken:

Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber jetzt habt ihr euch hingewandt zu dem Hirten und Hüter eurer Seelen3

  • Ich lausche dem Klang der Worte ...
  • Was steigt in mir auf bei diesem Bild ...?
  • Wo regt sich Zustimmung / Widerspruch ...?
  • Ich – heimkehren ... 
  • Wo / bei wem bin ich zutiefst daheim ...?
  • Bei wem suche ich meine letzte Zugehörigkeit und Geborgenheit ...?

  Jesus Christus, Hüter und Hirt meiner Seele ...

 

Hirten-Aufgabe

  • In Gefahren beschützen und bewahren ... 
  • Mich von Versuchungen (vgl. Übung 1) abwenden, indem ich mich hinwende zu Jesus Christus ...
  • Mich hinwenden zu Jesus Christus – erneut, immer wieder, ein erstes Mal ...
  • Ich versuche1 mit Gott – wenn es mir möglich ist mit Jesus Christus – zu reden über das, was sich in dieser Meditationszeit in mir geregt hat: dankend, lobend, bittend, klagend, zweifelnd, fragend, ringend, vertrauend.

 

Übung 3: 

«Wer weiss schon, was Brot ist»4?

Weiss es der Satte, der mehr hat, als er essen kann?

Weiss es der Verwöhnte, der Brot gegen Kuchen tauscht?

Weiss es der Hungernde, der die Mülltonnen der Reichen durchsucht?

 

Was ist Brot wirklich?

Brot heisst alles, was Menschen zum Leben brauchen.

Brot sind Vater und Mutter.

Brot sind Brüder und Schwestern.

Brot sind die Freunde. 

Brot ist Nehmen und Geben, 

die Arbeit des Tages

und der Schlaf der Nacht.

Brot können wir auch einander sein.

Unser Wort – Brot für jedermann.

Unser Lachen – Brot für Bekannte und Unbekannte.

 

Unsere Tat – wer braucht sie brot-nötig?

Denn sein Gebilde sind wir, 

erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, zu denen uns Gott zum Voraus bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollten5

 

Sind wir wirklich Brot?

Es gab einen

der ganz Brot war

für den Hunger der Menschen.

Sein Wort 

ist immer noch Brot für jeden Tag. 

Er selber ist 

das Brot des Lebens. 

Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. ... Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit6.  

Jesus Christus, Du bist das Brot, das in sich Leben hat und deshalb Leben vermitteln kann.

 

1  Vgl. Meditationsanregung zu Lk 4 in Karin Johne: «Die Kraft des Glaubens, Meditationen zum Lukasevangelium.» ISBN 3-7867-8332-2, S. 51f.

2  5 Mose 8,3

3  Zürcher Übersetzung

4  Joh 6 nach Wilhelm Willms / Ruth Maria 

Michel

5  Eph 2,10

6  aus Joh 6

 

Ruth Maria Michel leitet als VBG-Mitarbeiterin das Ressort «Spiritualität und geistliche Begleitung».

ruth.michel@STOP-SPAM.evbg.ch

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