Transformation

Ein Dorf, ein Saal und ein paar Christen 

Marianne Meister In Worb mit seinen 11'000 Einwohnern gibt es seit Jahrzehnten etliche Landes- und Freikirchen. Vor gut zehn Jahren sagten sich einige Christen, dass die Zeit für das gemeinsame Beten gekommen sei. Sie starteten ein monatliches Dorfgebet. Warum nicht – neben dem Beten – auch gemeinsame Gottesdienste feiern? fragten sich mit der Zeit ein paar Leitungspersonen aus verschiedenen Gemeinden. 

 

Nach längerem Abklären und Prüfen feierten das Evangelische Gemeinschaftswerk (EGW) und die BewegungPlus im Mai 2002 den ersten Gottesdienst im Bärensaal, dem kurz zuvor neu eröffneten Worber Dorfsaal. Das regelmässige Zusammentreffen eines Teils des «Leibes Christi» vor Ort hat in Worb die Transformation des Dorfes beflügelt. Marianne Meister, die Autorin dieses Beitrages, gehört zu den Pionierinnen dieser «Christentreffen».

 

Das Dorf im Blick

Unsere Vision war von Anfang an, dass es bei einem Gottesdienst in einem öffentlichen Gebäude nicht mehr um die einzelnen Gemeinden gehen sollte, sondern um die Christen des ganzen Dorfes. Wenn wir in diesem Rahmen zusammenkommen, um Gott zu loben, ihm zu danken und miteinander zu beten, dann würde nach unserer Überzeugung diese Einheit von Christen nicht ohne Reaktion bleiben, sondern ein Zeichen im Dorf setzen. Die übereinstimmende Leidenschaft sollte die Menschen verschiedener Glaubens-traditionen unter einem gemeinsamen Ziel zusammenführen: Gott anbeten, seine Botschaft hören und dem Dorf dienen. 

Wir haben seither gute Wege gefunden, um einladende Gottesdienste in einem schlichten, aber ansprechenden Rahmen zu gestalten. Die Kinder erleben jeweils ihr eigenes attraktives Programm. Wir bestimmen jeweils Jahresthemen, die wir dann in den Gottesdiensten vertiefen. Zum Beispiel «Wir Worber Christen und unser Dorf» oder «Was die Menschen im Dorf beschäftigt». In diesen Gottesdiensten machten wir Interviews mit Verantwortungsträgern oder Leitungspersonen von innovativen Projekten (z.B. Begleitetes Wohnen Worb), wir beteten für Lehrkräfte und Schulen und segneten leitende Politiker. Wir luden eine bunte Vielfalt von Referenten ein und lernten so spannende Projekte mit Jugendlichen, aber auch verschiedene Werke kennen. Dazu gehörten die Stiftung Wendepunkt, die Sozialfirma GEWA, die Job Factory oder das Ausländerprojekt HOPE, um nur einige zu nennen. Uns wurde Gottes Anliegen für die Benachteiligten und die damit verbundene Herausforderung für die christliche Gemeinde neu bewusst. Wir erfuhren viel über Themen wie Politik, Dorfentwicklung, gerechten Handel, Armutsbekämpfung sowie Frauen- und Kinderhandel.

Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Menschen auch aus anderen Freikirchen und aus der Landeskirche, um mit uns zu feiern. Seit 2011 trägt und arbeitet die Evangelisch-Methodistische Kirche verbindlich mit. Es war und ist unser grosser Wunsch, dass Gemeindemitglieder auch Bekannte aus dem Dorf zu diesem Gottesdienst einladen können. Tatsächlich haben immer wieder kirchenferne Menschen den Weg in die Bärensaal-Gottesdienste gefunden, wir wünschen uns aber, dass dies noch vermehrt geschieht. 

 

Die Einheit zieht Kreise

Wir haben in dieser Zeit auch Unerwartetes erlebt! So ist durch verschiedene Impulse von Referenten das «recy-worb», ein Beschäftigungsprogramm für Langzeiterwerbslose und Menschen mit Sozialhilfe entstanden. Auch haben das Verständnis und Interesse an der Kommunalpolitik zugenommen. Wir glauben, dass unter anderem durch die Einheit der Christen vor Ort vor vier Jahren überraschend ein neuer Gemeindepräsident gewählt wurde, der bekannt ist als überzeugter Christ. Heute können wir feststellen, dass die Bärensaalgottesdienste zusammen mit dem Dorfgebet und unserm vielseitigen Engagement das geistliche Klima im Dorf positiv verändert haben.

In diesem Jahr feiern wir das 10-Jahre-Jubiläum der Bärensaal-Gottesdienste! Für das verantwortliche Team wie auch die Gemeindeleitungen bedeutet das Weiterfahren eine echte Herausforderung. Wir wollen uns von Gott immer wieder zeigen lassen, was er reden und wirken will, welche Bedürfnisse bestehen, was aktuell und wichtig ist. Zudem hoffen wir, dass auch die Landeskirchen bald bereit sein werden, mit uns im Bärensaal Gottesdienst zu feiern! Und wir erwarten, dass Gottes Geschichte mit uns und unserem Dorf noch viele weitere und neue Kreise ziehen wird.

 

Marianne Meister arbeitete als Pflegefachfrau, Heimleiterin und Sozial-Diakonische Mitarbeiterin. 

Sie gehört zur Leitung des EGW Worb.

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