Die Bibel übersetzen

Die Bibel in die Kultur von Papua Neuguinea übersetzen

Bettina Jans-Troxler Was für Papua-Neuguinea gilt, ist auch für uns und unsere Mitmenschen gültig: Die Bibel will in die Kultur von bestimmten Menschen hinein reden. Das geht nicht ohne Übersetzungsarbeit. So gesehen sind wir alle Bibel-Übersetzer.

 

Das letzte Buch der Bibel heisst Offenbarung. Theologisch gesehen ist die Bibel als Ganzes eine Offenbarung Gottes. Doch Hand aufs Herz – wann haben Sie beim Lesen der Bibel zum letzten Mal eine Offenbarung gehabt?

 

Das richtige Wort finden

In unseren Breiten- und Längengraden haben wir wahrscheinlich bereits als Kind mindestens so viel vom christlichen Glauben mitbekommen, dass wir die Bibel mit einem gewissen Vorwissen lesen und eher selten grosse Überraschungen erleben. Das war ganz anders beim Volk der Folopa in Papua-Neuguinea. Als Neil und Carol Moore 1973 in einem der abgelegenen Dörfer im dichten Urwald ihre jahrzehntelange Übersetzungsarbeit begannen, gab es zwar eine «Kirche» und eine Hand voll Christen im Dorf. Der bisherige Missionar stammte aus dem eigenen Volk. Er konnte den christlichen Glauben seinen Leuten aber nicht im Detail erklären – ihm fehlten schlicht die geeigneten Wörter dafür. 

Darum war die Übersetzung des 1. Buches Mose und des Neuen Testamentes für die mitbeteiligten Folopa so spannend wie für uns das Lesen eines neuen, guten Krimis. Entsprechend wurden die Bodensitzplätze im so genannten Bibelhaus knapp, da so viele beim Übersetzen dabeisein wollten.

Auf der Suche nach der Übersetzung von Begriffen wie «Lösegeld», «Beten» oder «Ursprung», die für das Evangelium entscheidend sind, kamen spezielle Eigenheiten der Kultur zum Vorschein. Amüsant ist die Episode zur Übersetzung von Lukas 11,9-13. Warum soll ein Vater seinem Kind keine Schlange anstelle von Fischen geben, fragten sich die Folopa, wo doch Schlangen viel mehr Fleisch bieten und viel schmackhafter sind als Fische? 

 

Den Zusammenhang zeigen

Im Buch «Gib mir die richtigen Worte1» erzählt Neil Anderson von seinen Erfahrungen mit der Bibel im Laufe der vielen Sprach-, Lern- und Übersetzungsjahre, und wie er sie mit den Augen und der Sprache der Folopa selber neu erkennen konnte. Die Einheimischen empfanden beispielsweise die Qualen der Auspeitschung von
Jesus sehr tief mit; sie kannten diese Praxis noch aus der Zeit, als ihr Stamm in ständige Kämpfe mit anderen Stämmen verwickelt war. Bei allem zunehmenden Respekt und der wachsenden Zuneigung für Jesus – zu verstehen, warum dieser gekommen war, um genau diese Qual zu erleiden, war für die Folopa eine grosse Herausforderung.

 

Anders leben

Die Bibel lieferte den Folopa auch tiefgreifende Antworten auf offene Fragen, die über Jahrhunderte unbeantwortet geblieben waren. Sie entfaltete das Potenzial, ihre Kultur zu verändern, z.B. in der Wahrnehmung der Frau. Das grösste Potenzial wurde sichtbar, wenn Einheimische begannen, wirklich so zu leben, wie es in diesem Buch stand. Das zu tun, was Gott will, hiess in manchen Fällen, nicht länger nach den Gebräuchen des Volkes zu handeln und damit die ganze Sippe vor den Kopf zu stossen. 

An diesem Punkt spürte ich die Notwendigkeit, die Bibel auch immer wieder in unsere Kultur zu übersetzen und zu sehen, wo Gott möchte, dass wir anders handeln, als es die Mehrheit tut. Ich wünsche mir, dass wir die Bibel lesen können, als ob es das erste Mal wäre. Mit der Erwartung, dass uns der gelesene Text Neues aufzeigt und die Bibel unser Handeln in Frage stellen wird.

Das vorliegende Buch kann unsere Sicht der Bibel auffrischen und uns helfen, bekannte biblische Begriffe neu zu überdenken. Die Begeisterung der Folopa für die Bibel wirkt ansteckend.  

 

1 Anderson, Neil und Moore, Hyatt. «Gib mir die richtigen Worte. Das Abenteuer der Bibelübersetzung.» Holzgerlingen, SCM Hänssler Verlag, 2002. Paperback, 272 Seiten. CHF 9.–. Bezug bei Wycliffe Schweiz, www.wycliffe.ch; englische Originalausgabe: «In Search of the Source».

Zusätzliche Informationen:

Buch von Carol Anderson online auf http://www.folopa.com

Bilder und Video der Übergabe des Neuen Testaments an die Folopa am
18. Januar 2007: http://www.deloach.info/Ministry_Photo_Albums.html

 

Bettina Jans-Troxler ist Jugendarbeiterin beim Evangelischen Gemeinschaftswerk EGW und Heilpädagogin.

bettinatr@STOP-SPAM.sunrise.ch

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