Politik

Vertrauensarbeitszeit

Markus Meury

 

Zahlreiche Umfragen bestätigen, dass der Stress bei der Arbeit, aber auch der Stress an den Abenden bzw. am
Wochenende in den letzten zwanzig Jahren stark zugenommen hat. Hinzu kommt die von vielen Arbeitgebern erwartete ständige Verfügbarkeit der Angestellten per
e-Mail und Handy.

In der Finanzbranche ist es heute gar üblich, auch ausserhalb des Kaders Überstunden mit einem (unsicheren) Bonus zum Vornherein abzugelten. Diese Praxis ist rechtlich kaum haltbar, wird von den Bankangestellten aber hingenommen. Damit steigt der Druck auf die Angestellten anderer Branchen.

Die Bankiervereinigung ist der Meinung, Arbeit und Freizeit liessen sich heute nicht mehr trennen. Der Lohn werde für das Erreichen von Zielen bezahlt, nicht fürs «Absitzen» von Stunden. Sie verlangt die Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes durch die «Vertrauensarbeitszeit». Danach sollten die Angestellten selber bestimmen können, wann sie arbeiten, solange sie die gesetzten Ziele
erfüllen.

Die Vertrauensarbeitszeit kombiniert mit dem «Erreichen von Zielen» ermöglicht dem Arbeitgeber, so viel ins Pflichtenheft hineinzupacken, wie er will. Diejenigen Angestellten, die nicht genügend rasch arbeiten können, bezahlen ihr Unvermögen mit ihrer Freizeit und ihrem Familienleben.

Durch die gesteigerte Erreichbarkeit und die Instant-Kultur – alles muss sofort erledigt werden – sind zahlreiche Angestellte fast rund um die Uhr auf Pikett. Schleichend steht nicht nur die Arbeitszeit, sondern das ganze Leben im umfassenden Dienst für die Arbeitgeber. Auf diese Weise bekommt die Rendite des Kapitals immer mehr Vorrang gegenüber der Lebensqualität der Angestellten. 

Arbeit und Privatleben lassen sich auch heute noch problemlos trennen, wenn die Politik das will. Dies ist gerade wegen des zunehmenden Stresses dringend nötig. Die Psychologie bestätigt, dass ein zwischenzeitliches «Abschalten» für die Gesundheit entscheidend ist. Eine Aufweichung des Arbeitsgesetzes in Richtung Vertrauensarbeitszeit wäre ein Dammbruch mit schwerwiegenden Folgen.

 

Markus Meury ist Soziologe und Mitglied des Leitungsausschusses von «ChristNet». 

markusmeury@STOP-SPAM.gmx.ch

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Politik

Christus bekennen

Daniel Beutler    

 

Die deutsche Theologin Eta Linnemann hat durch ihr Glaubenszeugnis die akademische Welt erschüttert. Als sie eines Morgens vor ihre Studenten trat und sagte, man solle ihre bisherigen Publikationen vernichten – sie sei letzte Nacht dem lebendigen Christus begegnet – schrieb sie Kirchengeschichte. Nur noch ein kleiner Teil des Lebenswerks von Linnemann ist der Öffentlichkeit zugänglich. Das liegt wohl daran, dass die offiziellen theologischen Instanzen den Namen Linnemann wohl lieber unter den Teppich kehren würden. 

Nach dem Studium an renommierten deutschen Universitäten promovierte Linnemann summa cum laude. Sie wurde einige Jahre später habilitiert und in der Folge Mitglied in angesehenen Fachgesellschaften. Umso mehr Aufsehen erregte sie daher mit ihrem Bekehrungserlebnis und der klaren Distanzierung von der historisch-kritischen Bibelauslegung. 

Die Jünger Jesu waren mehrheitlich einfache Leute – Fischer, Zöllner und Handwerker. Nur wenige «Gelehrte» teilten seine herausfordernde Lehre oder folgten ihm gar nach. Die teils massiven Angriffe der Lesben- und Schwulenlobby gegen christliche Professoren in Deutschland und die Anfeindungen gegen bekennende Lehrer in der Schweiz zeigen, dass christusgläubige Akademiker – aber auch Politiker – noch heute herausgefordert sind. Stehen sie dabei mehr in Gefahr, sich der Lächerlichkeit preiszugeben, als der gläubige Polizist oder Bauarbeiter, wenn sie Jesus Christus als ihren Herrn bekennen und nicht nur von «christlichen Werten» reden? 

Nicht alle Studenten Linnemanns haben ihre Abkehr vom «breiten Weg» verstanden, aber für einige dürfte ihr Handeln ein nachhaltiger Impuls zur inneren Umkehr gewesen sein. Wir brauchen daher mehr Akademiker und Politiker, die – wie Eta Linnemann – bereit sind, authentische Zeugen Jesu Christi zu sein.

 

Dr. Daniel Beutler-Hohenberger ist Hausarzt und Publizist sowie Mitglied der Redaktion des «EDU-Standpunkt».

dan.beutler@STOP-SPAM.hin.ch

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