Christsein im Beruf

Ein Montag im Leben von Dan Schürch

Thomas Hanimann Einen Wecker habe ich nicht. Punkt 6 Uhr weckt mich meine Frau. Dann mache ich meine Morgenandacht mit der Bibel – in der Badewanne. 

 

Eine halbe Stunde meditieren und beten in der Wanne gehört für mich zu jedem Tagesanfang. «Du kannst doch nicht nackt vor Jesus kommen», sagte mir einmal ein Kollege, ein guter Katholik. Ich habe darüber nachgedacht und bin seither überzeugt: Genau das gehört zu meinem Leben – nackt vor unserem Gott zu sein.

 

Ruhe und Gespräche

Um 7 Uhr gehe ich aus dem Haus. Während der halbstündigen Zugfahrt lese ich die Zeitung, höre Musik oder eine Predigt. Am Morgen bin ich wortkarg, in mich gekehrt.

Im Büro bearbeite ich zuerst meine E-Mails. Den ganzen Vormittag sind dann Besprechungen mit meiner Geschäftspartnerin und den 14 Mitarbeitenden angesagt, eine Art Workshop: Jeder präsentiert seine Vorschläge und Entwürfe. Wir sprechen darüber und entwerfen gemeinsam neue Ideen. Wir sind ein kreatives Team.

Mittagspause mache ich entweder allein, mit einem Kunden oder Mitarbeitenden. Ein Gespräch «unter vier Augen» ist wertvoll, besonders wenn ein Mitarbeiter plötzlich sein Herz  auftut. Manchmal gibt es auch Konflikte. Da versuche ich, schlichtend einzugreifen. Offenen Streit mag ich nicht. Ich denke, dass ich Konflikte manchmal etwas offensiver angehen sollte.

Der Nachmittag verläuft ähnlich wie der Vormittag. Dazu kommen Gespräche mit Bauherren. Damit ich wenigstens zeitweise ungestört arbeiten kann, muss ich dafür ein bis zwei Stunden im gemeinsamen Terminkalender blockieren.

Am Abend mache ich oft Kundenbesuche. Der Mittwochabend ist aber für meine Frau und unsere drei Kinder reserviert. Zweimal wöchentlich habe ich eine Sitzung in einer evangelischen Freikirche, in der ich eine Leitungsfunktion wahrnehme. Manchmal schaue ich im Fern-sehen noch 10vor10, lese etwas und um 23.00 Uhr bin ich am Einschlafen.

 

Die Firma

Die Firma habe ich mit meiner Geschäftspartnerin vor fünf Jahren gegründet. Das war für mich ein wichtiger Glaubensschritt. Vorher habe ich drei Optionen, wie es beruflich weitergehen könnte, einem Dutzend meiner besten Freunde als Gebetsanliegen vorgelegt. Bald wurde der Plan der Firmengründung bestätigt. Er hat sich auch nachher als der richtige Weg herausgestellt.

 

Vertrauen

Das Verhältnis von Arbeit, Gemeinde und Familie sehe ich heute entspannt. Früher stresste es mich, weil ich nicht allen Ansprüchen gerecht werden konnte. Heute bin ich überzeugt, dass ich in allen Bereichen Gott vertrauen soll, der ja auch die Zeit schenkt. 

Ein Erlebnis hat mir geholfen, diese neue Sicht zu entwickeln. Vor ein paar Jahren hatten wir einen grösseren Konflikt in unserer Gemeinde. Er belastete mich stark, zeitlich und emotional. Kaum war dieser Konflikt einigermassen gelöst, musste meine Geschäftspartnerin wegen Schwangerschaftskomplikationen ins Spital. In dieser Situation nahm meine Frau die Kinder zur Seite und sagte ihnen: «Jetzt seht ihr den Papi drei Wochen nicht mehr.» Damit konnte sie mich entlasten. Genauso wichtig war dann ihre nächste Botschaft: «Jetzt sind die drei Wochen vorbei.» So bewährte sich unsere Partnerschaft in diesen kritischen Momenten. Mit einem schlechten Gewissen hätte ich weder mir noch der Familie einen Gefallen getan.

 

Gott

Bei der Firmengründung sprach ich mit meiner Geschäftspartnerin über ein paar «fixe Regeln», eine Art «10 Gebote», die wir einhalten wollten. Ich wünschte, dass wir am Sonntag nicht arbeiten sollten. Sie wünschte, dass in unserem Geschäft nur Macs stehen. Die beiden Regeln sind uns heute noch «heilig». Nach der Geschäftsgründung hatten wir eine finanziell schwierige Zeit. Einmal waren gerade noch 200 Franken in der Firmenkasse. Auch als Familie hatten wir wenig zum Leben. Heute ist unser Geschäft erfolgreich. Dafür danke ich Gott. Aber der geschäftliche Erfolg ist niemals alles. Ich bin mir bewusst, dass für unser Büro auch schlechtere Zeiten kommen könnten. Davon soll aber mein Glaube nicht abhängig sein. Gott ist da, ob ich ihn spüre oder nicht. 

 

schuerch@STOP-SPAM.duplex-architekten.ch 


Thomas Hanimann ist Medienbeauftragter der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA). 

thomas.hanimann@STOP-SPAM.insist.ch  

To top