Christsein an der UNI

Ein Semester im Leben von Dorothee Weber

Dorothee Weber Erleichtert schliesse ich meinen Laptop – die letzte Hausarbeit vom Frühlingssemester ist fertig! Nun habe ich fast vier Wochen, um mich aufs kommende Herbstsemester vorzubereiten. 

 

Einerseits freue ich mich darauf, wieder im Unialltag zu sein, andererseits wird es natürlich wieder sehr anstrengend. Die vierzehn Semesterwochen sind immer vollgepackt mit Vorträgen und Texten, die es zu lesen gilt, Prüfungsvorbereitungen, Gruppenarbeiten und so weiter. Die Zeit fliegt nur so dahin, und schnell werde ich gestresst. Ich rase von einer Veranstaltung zur nächsten, klemme mir zwischendurch irgendetwas mehr oder weniger Nahrhaftes zwischen die Zähne, und versuche, Uni, Job und Jugendgruppenleitung unter einen Hut zu bringen. 

 

Stille

Da fehlt mir oft die Zeit, mich auf Gott und meine Mitmenschen zu konzentrieren. Am Abend falle ich müde ins Bett. Morgens mache ich zwar Stille Zeit, erlebe aber immer wieder, dass diese Zeit alles andere als still ist. Denn statt still zu sein versuche ich, die lange Liste von Aufgaben, die ich heute erledigen sollte, gedanklich irgendwie auf die Reihe zu kriegen.

 

Gemeinschaft

Den Sommer habe ich sehr genossen. Das Wertvollste an dieser Zeit ausserhalb der Universität war für mich die häufige Gemeinschaft mit anderen Christen. In diesen Kreisen ist Gott ganz selbstverständlich in den Gesprächen, im Gebet vor den Mahlzeiten und auch überall sonst im Alltag dabei. Da geht es nicht nur um soziale oder materielle Dinge, sondern immer auch um geistliche Fragen. Im Allerwichtigsten sind wir uns einig, und ich brauche nicht ständig meine Werte und meine Weltanschauung innerlich und äusserlich zu verteidigen.

 

Auseinandersetzungen

Meine Mitstudierenden reagieren grösstenteils freundlich oder neugierig, wenn sie entdecken, dass ich Christ bin. Ich werde von ihnen nicht ausgegrenzt. Aber die humanistische Weltanschauung, die fehlende Gottesfurcht, die Tatsache, dass die meisten Studierenden und Dozenten ihrer Intelligenz, dem Wohlstand und den äusseren Sicherheiten vertrauen und so den Eindruck erhalten, dass sie Gott nicht brauchen – das ist es, wogegen ich während des Semesters innerlich ankämpfe und was mich geistlich so erschöpft. Es geschieht deshalb schnell, dass ich mich mit kleinen, schleichenden Kompromissen gedanklich an die an der Universität herrschende Weltanschauung anpasse, statt mich an der Bibel zu orientieren.

Im Blick auf das kommende Semester bin ich dankbar, dass ich an der Universität als Christ nicht allein sein werde. Die Bibelgruppe für Studierende (BGS) trifft sich jede Woche, und auch in meinem Institut gibt es Christen. Ich nehme mir vor, alles in meiner Kraft Stehende zu tun, um nicht vom Zeitdruck, Stress und vom säkular geprägten Umfeld überwältigt zu werden. Doch wie kann ich meinen Alltag mit Weisheit bewältigen? Und das alles auch noch mit der christlichen Freude und Gelassenheit, die mir mein Glaube schenken sollte?

 

Ausrichtung

Ich stosse immer wieder auf Gottes Antwort in Matthäus 6,33: «Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.» Ich soll mich nicht darum sorgen, wie ich den Alltag und die Zukunft bewältigen kann. Meine Aufgabe ist es, meine Augen auf Gott zu richten, seine Gerechtigkeit auf dieser Erde zu suchen, sein Königreich zu begehren. Gott wird sich um mich kümmern. Er weiss viel besser als ich, was ich brauche und was ich am besten tun soll. Wenn ich mich auf Gott ausrichte, wird er mir die Antworten auf meine Fragen und die Lösungen für meine Probleme geben, wenn ich sie brauche. Seine Antwort wird viel besser sein als alles, was ich mit meiner Intelligenz und meinen materiellen Ressourcen je selber hätte hervorbringen können.

Daran erinnere ich mich immer wieder, und deshalb freue ich mich aufs kommende Semester! 

 

Dorothee Weber studiert an der Universität Bern im 9. Semester und arbeitet als Hilfsassistentin in der linguistischen Abteilung der Anglistik. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Jugendarbeit der Pfingstgemeinde Brugg.

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