Christsein als Unternehmen

«Mein Tagewerk soll von Gott durchdrungen sein»

Interview: Fritz Imhof Werner Hässig leitet ein Ingenieurbüro und ehrenamtlich auch die Arbeitsgemeinschaft «Klima und Umwelt» der Schweizerischen Evangelischen Allianz. Wir wollten von ihm wissen, wie er ganz persönlich die Spannung zwischen Sonntagschristentum, persönlicher Spiritualität und praktiziertem Glauben im geschäftlichen Alltag bewältigt. 

 

Magazin INSIST: Werner Hässig, was bedeutet für Sie «Glaube am Montag»?

Werner Hässig: Das Gleiche wie Glaube am Dienstag. Jeden Tag versuche ich so oft wie möglich an Gott zu denken und möglichst einige Momente des Gebets zu haben.

 

Wie bereiten Sie sich auf einen Arbeitstag vor?

Ich höre noch im Bett liegend die Morgennachrichten. Danach esse ich mit meinem 16-jährigen Sohn das Frühstück. Zu Beginn lese ich uns die Tageslosungen vor, und dann frage ich meinen Sohn, was bei ihm bevorsteht. Anschliessend bete ich und segne ihn ganz bewusst und auch den Rest meiner Familie. Das Tageswerk soll von Gott durchdrungen sein. Nach dem Frühstück mache ich 15 Liegestützen und Rumpfbeugen und danke Gott für meinen Körper. Nun lese ich (meistens) einen fortlaufenden Bibeltext und versuche, darin Gottes Stimme für mich zu hören. Um 07.30 Uhr mache ich mich mit dem Velo auf den Weg ins Büro.

 

Wissen Ihre Mitarbeitenden, dass Sie Christ sind? Wie wirkt sich das auf den Arbeitsalltag aus?

Ich leite ein eigenes Ingenieurbüro mit insgesamt acht Mitarbeitenden. Bei jeder Anstellung erläutere ich unser Leitbild, welches auf biblischen Grundsätzen basiert. Dann sage ich jeweils, dass ich kein Glaubensbekenntnis erwarte, aber dass meine christliche Prägung zu akzeptieren ist. Im «Daily Business» versuchen wir, immer den Menschen zu sehen. Anstand, Wertschätzung, Ehrlichkeit, Korrektheit und auch Fröhlichkeit möchten wir ganz bewusst leben.

 

Wie wirkt sich Ihr Glaube auf Ihren Umgang mit den Mitarbeitenden aus?

Ich sehe alle Menschen als genauso geliebte Geschöpfe wie mich und versuche, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und auch ihre Fehler zu verzeihen. Wenn ich selbst in enger Beziehung mit unserem Gott lebe, gelingt mir dies deutlich besser.

 

Hat Ihr Glaube auch Einfluss auf Ihre Entscheidungen im Berufsalltag?

Das hoffe ich doch! Als ich mich vor sechs Jahren selbstständig machte, wollte ich eigentlich alleine bleiben. Gott wies mich aber an, Mitarbeiter anzustellen. Er ist mein eigentlicher Auftraggeber.

 

Haben Sie eine Möglichkeit, sich mit Christen in Ihrem Arbeitsumfeld zum Gebet und/oder zum Austausch zu treffen?

Ja, am Montagmorgen vor Arbeitsbeginn treffen wir uns für eine kurze Gebetszeit im Büro. Meist mein leitender Mitarbeiter und ich. Wir danken für die Aufträge und segnen ganz bewusst unsere Kunden, Mitarbeitenden und Geschäftspartner. Einmal im Monat ist die ganze Belegschaft zum Mittagessen bei uns zu Hause eingeladen. Da nehme ich mir die Freiheit, Gott bewusst für das Essen zu danken.

 

Können sich Christen im Arbeitsumfeld gegenseitig stärken? Welche Erfahrungen machen Sie hier?

Wenn Christen zusammenarbeiten, ist das wirklich eine grosse Chance. Es lohnt sich, einander darauf anzusprechen und z.B. einander zu segnen. Gemeinsam zu beten, ist eine echte Stärkung. Man darf aber nicht zu viel erwarten. Wir sind alle Menschen mit Grenzen. Ich versuche, möglichst alle so zu nehmen, wie sie sind.

 

Kontakt: haessig@STOP-SPAM.sustech.ch; www.sustech.ch 
Werner Hässig ist Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Klima,
Energie und Umwelt der Schweizerischen Evangelischen Allianz (AKU), www.sea-aku.ch und Mitglied der Pfingstgemeinde Uster.


Der diplomierte Energieberater Dr. sc. techn. dipl. Masch. Ing. ETH Werner Hässig ist Inhaber und Leiter eines Ingenieurbüros in Uster, das spezialisiert ist auf nachhaltige Gebäudetechnik, insbesondere auf MINERGIE-P – sogenannte Passivhäuser. Er engagiert sich zusammen mit seiner Familie für ein nachhaltiges Christsein, das sich möglichst umfassend auch im Lebensstil zeigt.

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