Medien

Von Gutenberg zu Twitter

Fritz Imhof Die Kommunikationstechnik hat ungeahnte Entwicklungen durchgemacht. Wer sich im heutigen Dschungel der Kommunikationsmittel auskennt und weiss, wie man sie brauchen kann, ist fähig, das Evangelium dort weiterzugeben, wo sich die Menschen die täglichen Info-Häppchen holen. 

 

Es war einmal eine Zeit, da gab es nur Printmedien – das Buch und die Zeitung. Mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg erhielten die gedruckten Medien mächtig Einfluss – und den fürchteten die Mächtigen schon damals. Das gedruckte Buch der Bibel und Traktate über den richtigen Glauben veränderten die Welt des Mittelalters. 

 

Echt und direkt

Noch mehr Einfluss erhielten die Medien, als im 20. Jahrhundert die elektronischen Medien – Radio und Fernsehen – aufkamen und ohne zeitliche Verzögerungen Nachrichten und Botschaften an die Völker und Gesellschaften vermittelten. Gegenüber den gedruckten Medien wirkten sie echter und direkter. Und sie wurden damit auch einflussreicher. 

Was war das für ein Gefühl, mitzuerleben, wie vor über 40 Jahren der erste Mensch seinen Fuss auf den Mond setzte! Das bewegte Bild und die Übermittlung des Geschehens ohne Zeitverzögerung machten den Zuschauer zum Beteiligten am historischen Ereignis.

 

Mehr Möglichkeiten, weniger Kontrolle 

In unseren Breiten waren die elektronischen Medien anfangs staatlich reguliert. Das sorgte für eine minimale Qualität und Glaubwürdigkeit – trotz aller Nähe zum Geschehen und den immer stärker werdenden kommerziellen Interessen. Auch gedruckte Medien konnten es sich nicht leisten, nachweisbare Falschmeldungen zu bringen. Sie mussten zudem permanent Rücksicht auf den Persönlichkeitsschutz der erwähnten Menschen nehmen. Einen ersten Riss erhielt dieses Bemühen mit dem Aufkommen privater Radio- und Fernsehstationen, einen zweiten mit den immer stärker kommerzialisierten Massenblättern. 

Der Drang, noch näher beim Geschehen zu sein und es nach Möglichkeit sogar zu beeinflussen, beflügelte die Schöpfer des Internets. Nun wurde es jedem möglich, Publizist zu sein. Im Internet konnte man sich leichter der Kontrolle von Behörden und Regierungen entziehen. Daraus ergaben sich ganz neue Chancen für die Verbreitung der christlichen Botschaft. Gerade die Möglichkeit, interaktiv zu kommunizieren, erschloss neue Wege, sich über Glauben zu informieren und sich dafür – oder dagegen – zu entscheiden. 

 

Von der kontrollierten Medien-landschaft zum Mediendschungel

Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke wie Facebook wurde die private Kommunikation mit dem Vermitteln von Nachrichten vermengt. Die Geschwindigkeit der Entstehung und ihre rasche Ausbreitung überforderte selbst Organisationen, die unterdessen aufs Internet gesetzt hatten. Die neuen Möglichkeiten machten eine Kontrolle und Überprüfung von Inhalten so gut wie unmöglich. 

Die neuen Medien entziehen sich selbst der Kontrolle totalitärer Staaten und lassen autoritäre Regimes erzittern. Von unseren Politikern hören wir permanent das Mantra, dass man schlechte Inhalte im Web, welche besonders Kinder und Jugendliche gefährden oder ausbeuten, nicht verhindern könne. Es liege an den Eltern, die Kinder so zu erziehen, dass sie mit dem Web und seinen negativen Seiten umgehen könnten. Fürchten sich die Politiker davor, Kriterien für die Unterscheidung von Gut und Böse zu definieren?

 

Chance für das Evangelium

Christen, die sich im Dschungel der heutigen Medienwelt kundig machen, haben einen Vorsprung. Zwar sind beim Weitergeben des Evangeliums nicht alle traditionellen Mittel der Kommunikation überholt. Selbst die Massenevangelisation feiert in den USA und auf andern Kontinenten eine Auferstehung. Wer aber den modernen Menschen und seine Bedürfnisse versteht und kompetent ist, ihn überall dort anzusprechen, wo er sich informiert und kommuniziert, ist als Evangelist auf der Höhe der Zeit. Heute gilt es, alle Kanäle zu nutzen: über Fernsehen, Radio, Zeitung, Internet, Facebook und Twitter – und immer wieder auch ganz direkt von Mensch zu Mensch.

 

Fritz Imhof  ist Chefredaktor bei Livenet und Co-Redaktor des Magazins INSIST.

fritz.imhof@STOP-SPAM.insist.ch 

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