Anleitung

Testen Sie Ihre Nachhaltigkeit

Thomas Hanimann Bei einem Entscheid zu mehr Nachhaltigkeit gibt es eine Schwierigkeit: Nachhaltigkeit ist keine absolute, sondern eine relative Grösse. Sie ist sozusagen die Mässigung – die Mitte zwischen Extremen – die schon der griechische Philosoph Aristoteles als eine der Tugenden beschrieben hat.

 

Der folgende Text über die Praxis der Nachhaltigkeit weiss um Paradoxe und Widersprüche, die sich in der Nachhaltigkeitsdebatte immer stellen. Er bleibt darum bescheiden und beschränkt sich auf eine kleine Anleitung, eine von vielen Möglichkeiten, wie Sie Ihre Nachhaltigkeitspraxis bestimmen und überprüfen können. Die Anleitung ist nicht in Stein gemeisselt. Probieren Sie einfach aus. Spielen Sie.

 

Drei Bereiche einbeziehen

Es gibt mindestens drei Bereiche, in denen Ihr Leben nachhaltig sein sollte. Der erste und gängigste Bereich ist der Umgang mit den (natürlichen) Ressourcen. Das zweite Thema ist die relationale Nachhaltigkeit, also die Gestaltung der Beziehungen zu ihren Mitmenschen. Der dritte Bereich hat etwas mit dem Gleichgewicht im eigenen Leben zu tun. Dazu gehören emotionale und psychische Faktoren sowie die spirituellen Komponenten – die persönliche Gottesbeziehung.

 

Entscheidungen bewusst fällen

Nachhaltigkeit verlangt nach bewussten Entscheidungen. Was auf dem Frühstücktisch steht, wie Sie mit Ihren Arbeitskollegen umgehen, wie Sie die Freizeit verbringen, welchen Gottesdienst Sie besuchen, wen Sie heiraten, wann Sie beten ... Wie können Sie schon beim Entscheiden überprüfen, ob Ihr jetziges Handeln auch in einer ungewissen Zukunft Bestand haben wird?

 

Die Perspektive wechseln

Dazu schlage ich Ihnen aus vielen Methoden zwei praktische Tests vor, die Sie vor jeder wichtigen Entscheidung recht einfach durchführen können.

 

Test 1: Wechseln Sie die Zeitperspektive 

Versetzen Sie sich in eine Zukunftszeit, zum Beispiel ins Jahr 2030, oder in die Zeit, in der Ihre Kinder so alt sein werden, wie Sie jetzt sind. Oder wählen Sie eine Vergangenheit, z.B. die Jugendjahre Ihrer Grosseltern. Über-legen Sie, was von Ihrem Entscheid (oder den Folgen daraus) bleiben wird oder, beim Vergangenheitstest, geblieben wäre.

Mit solchen Zukunftsprojektionen werden beispielsweise in der Schweiz Planungen im Bereich des Öffentlichen Verkehrs gemacht. Auch die Gesundheitspolitik in Japan nutzt diesen Wechsel der Zeitperspektive, indem aus dem Ziel, zukünftige Lasten zu verringern, umfassende Massnahmen für die aktuelle Gesundheits- und Präventionsgesetzgebung abgeleitet werden. Im persönlichen Bereich ist natürlich die Berufs- und Studienwahl ein Beispiel: Würde es nicht Sinn machen, junge Menschen bei ihrer Wahl auch mehr darauf aufmerksam zu machen, dass die Richtung, die sie einschlagen, nicht nur Einfluss auf spätere Verdienst- und Karrieremöglichkeiten hat? Viel wichtiger ist doch, dass der gesellschaftliche Beitrag, den sie einmal leisten können, von ihrer Wahl abhängt.

 

Test 2: Wechseln Sie die Personenperspektive

Versetzen Sie sich in eine andere Person, am besten in eine Ihnen bekannte Person, die etwas mit der Sache zu tun haben könnte. Wie würde dieser Mensch Ihr Handeln beurteilen? Welchen Nachhaltigkeitswert müsste Ihr Handeln aus der Sicht dieser Person haben? Wäre die Person zufrieden mit Ihrem Entscheid?

Ein Insulaner, dessen Land durch die Klimaerwärmung allmählich im Meer versinkt, kann über die Energieverschwendung in Industrie- und Schwellenländern nicht glücklich sein. Um bei Entscheiden auch andere Standpunkte mit einzubeziehen, hilft mir eine einfache Formel: Zeitung lesen und beten. Beim Lesen der Zeitung – oder noch besser von verschiedenen Zeitungen – können wir andere Standpunkte entdecken. Das Beten über die Entscheidungen ist dann ein kreativer Prozess, bei dem oft auch neue Ideen und Verhaltensweisen in Sicht kommen.

 

Mut zur Entscheidung

Nach diesen zwei Tests können Sie mutiger entscheiden. Sie haben Ihr Bestes getan. Denken Sie dabei an Aristoteles, die Tugend der Mässigung. Wenn Sie als gläubiger Mensch entscheiden wollen, ist es gut, Ihren Entschluss bewusst im Gebet vor Gott zu bringen und auf ihn zu
hören.

Zum Schluss bleibt mir eigentlich nur noch zu wünschen, dass diese kurze Anleitung richtig nachhaltig auf Sie wirkt. Erfolgsmeldungen und andere Erfahrungen nehme ich gerne entgegen. 

 

Thomas Hanimann ist Medienbeauftragter der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA). 

thomas.hanimann@STOP-SPAM.insist.ch  

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