Nachhaltige Veranstaltungen

Was bleibt nach dem PraiseCamp?

Bettina Jans-Troxler Heute sind Grossanlässe bei christlichen Jugendlichen im Trend. Die 4000 Plätze fürs fünfte PraiseCamp über Neujahr waren bereits am 1. November ausgebucht. Dennoch stellt sich die Frage, wie nachhaltig solche Grossanlässe sind. Eine Antwort kann der Blick auf das letzte PraiseCamp vor zwei Jahren geben. 

 

4000 Jugendliche und ihre Gruppenleiter nahmen vom 27. Dezember 2010 bis 1. Januar 2011 am PraiseCamp 2010 auf dem St. Galler OLMA-Gelände teil. Zum prall gefüllten Programm gehörten Bibelstudium, Kleingruppendiskussionen, abendfüllende Plenumsessions, Regiotracks, Einsätze in der Stadt und ein spezielles Sylvesterprogramm. Organisiert wurde der Anlass von Campus für Christus, vom Bund Evangelischer Jungscharen (BESJ), dem Bibellesebund, von Jugend mit einer Mission (JMEM), der Jugendallianz und anderen Jugendbewegungen.

 

Eingebettet in die Jugendarbeit vor Ort ...

Das Organisationsteam hatte bei der Vorbereitung nicht nur diesen Anlass im Blick, es wollte das Camp ganz bewusst in die örtliche Jugendarbeit einbetten. Tatsächlich meldete sich der grösste Teil der Teilnehmer als Gruppe an, zusammen mit den Jugend- oder Teeniegruppenleitern. Nur 200 Personen kamen als Einzelpersonen und wurden in zusammengewürfelte Gruppen eingeteilt. 

Damit erlebten die Jugendlichen das Camp als Gruppe und konnten die gemeinsamen Erfahrungen und das Thema nach dem Anlass an ihrem Herkunftsort auch als Gruppe weiterverfolgen. Während des Camps fanden zudem sogenannte Regiotracks statt: Hier trafen sich die Gruppen regional und erlebten in dieser Zusammensetzung ein gemeinsames Programm. In einigen Regionen konnte so die Vernetzung gefördert werden, während dies in anderen nur mässig gelang.

 

... mit Anregungen für die Zeit danach

Als zweite Säule der Nacharbeit wurden diverse Materialien für die Zeit nach dem Camp zur Verfügung gestellt. Als Einzelperson konnte man mit einer Bibellesehilfe nach dem Camp 28 Tage lang die Bibel lesen. Dazu gab es Unterlagen, um das Gelesene einmal pro Woche in einem Jugendgruppenabend zu vertiefen. Eine Zeitschrift (Teensmag-Spezial) wurde an der Tagung abgegeben und auf der PraiseCamp-Website wurden «gute Taten» veröffentlicht – als Anregung für die eigene Umsetzung.

Als drittes Standbein wurde am PraiseCamp 2010 die «ReLOVEutiontour» (neu «WowGodDays») ins Leben gerufen. Ein Team von Campus Generation hilft dabei Jugendgruppen, in einer Region eine mehrtägige Jugendevangelisation mit intensiver Vor- und Nacharbeit in den beteiligten Gemeinden durchzuführen. Bis jetzt haben drei solche Touren stattgefunden, mehrere weitere sind in Planung.

 

Der Nachhaltigkeitstest

Auch wenn einiges zur Verfügung gestellt wird, liege die Verantwortung für das Weiterleben des Camp-Themas in den Händen der Jugendarbeit vor Ort, sagt Markus Giger vom Bibellesebund, der innerhalb des PraiseCamp-Teams für die Nachhaltigkeit zuständig ist. Was genau weiterläuft, sei nicht so einfach zu überprüfen. Hinweise gäben aber zum Beispiel 1500 nachbestellte Bibellesehilfen, zahlreiche aus dem Internet heruntergeladene Programmentwürfe und verschiedenste Feedbacks. So sei von vielen Entscheidungen für ein Leben mit Gott berichtet worden. Einzelne Teile des Nacharbeits-Puzzles hätten sich im Rückblick als überladen erwiesen: so etwa das Internetprojekt mit den guten Taten. 

Aus einzelnen Jugendgruppen ist mir selber berichtet worden, dass die Nacharbeits-Angebote nur mässig genutzt worden seien, weil sie nicht ins Programm passten oder nicht eingeplant worden waren. Dafür sei aber zum Beispiel auf der Ebene der regionalen Zusammenarbeit viel ins Rollen gekommen.

Laut Markus Giger ist die Einbettung in dauerhafte Beziehungen entscheidend dafür, ob (Jugend-)Anlässe eine langfristige Wirkung haben. Nicht der Grossanlass solle im Zentrum stehen, sondern die Unterstützung der Jugendarbeit vor Ort und der Jugendlichen im alltäglichen Leben bzw. ihrem persönlichen Umfeld. 

Wenn das geschieht, so meine Beobachtung, kann das
Leben Einzelner geprägt werden; vielleicht können sogar ganze Gemeinden von jungen Menschen mitgerissen werden in eine Revolution der Liebe.  ◗

 

Bettina Jans-Troxler ist Jugendabeiterin beim Evangelischen Gemeinschaftswerk (EGW) und Heilpädagogin.

bettina.jans-troxler@STOP-SPAM.insist.ch 

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