Gesellschaft

Wohlfahrt – Friede – Zukunft

Fritz Imhof Eine gesunde Wirtschaft, gerechte soziale Verhältnisse und beides kombiniert mit der Schonung von Umwelt und Ressourcen. So müssten die Ziele einer Gesellschaft lauten, die zukunftsorientiert denkt.

 

Für alle drei Ziele lassen sich in Politik und Gesellschaft Anwälte finden. Doch in der Praxis dominiert die gezielte und kräftige Lobbyarbeit, und die ist meistens einseitig auf das (wirtschaftliche) Interesse der Auftraggeber ausgerichtet.

 

Gefährdetes Gleichgewicht

Dass die Wirtschaft gedeihen und immer wachsen muss, ist schon fast ein Mantra von Exponenten in Politik und Wirtschaft. Eine Wirtschaft, die nicht mehr wachse, führe zu Stagnation und Rückschritt und habe somit negative Folgen für die gesamte Gesellschaft. Dieses Bekenntnis bleibt meist unwidersprochen, obwohl es von namhaften Ökonomen hinterfragt wird.

In der Ökologie hat sich in den vergangenen Jahren vieles getan, nachdem die Gefahren des viel zu hohen Ausstosses von CO2 – das Schwinden der Ozonschicht und der Klimawandel – weithin erkannt worden sind. Doch noch immer wehren sich grosse Länder und Volkswirtschaften gegen die Verpflichtung, wirksame Massnahmen umzusetzen, allen voran die USA und China.

Ohne menschenfreundliches Klima gibt es aber keine Zukunft – und ohne sozialen Frieden keinen Wohlstand. Auch diese Erkenntnis ist theo-retisch breit anerkannt. Wenn Gemeinwesen und Staaten unter Druck kommen, ist es aber meist die Unterschicht, die als erstes wirtschaftlich und sozial unter den Einschnitten zu leiden hat, während die sehr gut Verdienenden und Besitzer grosser Vermögen geschont werden. Dies zeigt sich deutlich an den Sparmassnahmen der südeuropäischen Staaten, die wegen der Finanzkrise unter Druck geraten sind.

 

Bausteine einer gesunden Gesellschaft

Wie muss somit eine Gesellschaft aufgebaut sein, in der ein gesundes Gleichgewicht der drei Bereiche besteht? Die folgenden Gleichungen können meines Erachtens als weitgehend gesichert gelten:

Eine gesunde und nach ethischen Prinzipien funktionierende Wirtschaft fördert den sozialen Frieden und schafft Wohlstand für viele.

Die Sorge zur Schöpfung und die Schonung der Ressourcen erfordert und ermöglicht neue Ideen und technische Lösungen, welche sich positiv auf die Entwicklung der Wirtschaft auswirken.

Ein gutes soziales Klima schafft Bedingungen dafür, dass eine maximale Anzahl auch benachteiligter Menschen den Anschluss ans Wirtschaftsleben findet.

Eine Politik, die auf die Nachhaltigkeit von Entscheidungen im wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Bereich achtet, ist zukunftsträchtig und damit eine gute Politik.

Für den Staat käme es somit darauf an, allen drei Bereichen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Traditionell stehen die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund des politischen Alltags, während zum Beispiel familienpolitische Anliegen hinten anstehen müssen. Politisch aktive Christen engagieren sich daher oft in diesem Bereich, weil gesunde Familien für eine nachhaltige Ökonomie die Ressource schlechthin sind. Zudem können in diesem überschaubaren Rahmen Wertehaltungen gepflegt werden, die der Schonung der Schöpfung, einer gedeihlichen Wirtschaft und dem sozialen Frieden dienen.

 

Lösungsansätze

Auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft stellen sich entscheidende Fragen.

Für die Wirtschaft: Welche sozialen, ökonomischen und ökologischen Fortschritte wären möglich, wenn sich die Konzerne – anstelle von guten Quartalsabschlüssen – von Massnahmen mit langfristiger Wirkung bezüglich Energie, Verkehr und Umgang mit Mitarbeitenden leiten liessen?

Für Staat und Politik: Welche Auswirkungen hätte es auf Familien und Individuen, wenn der Staat sich nicht in erster Linie als Diener der Wirtschaft sehen würde, sondern seine Entscheide in Verkehrsfragen, Bildung und Gesellschaftspolitik an den Interessen der Familien und der kommenden Generation ausrichten würde?

Für das Bildungswesen: Was könnte sich langfristig ändern, wenn die Bildungsinstitutionen, insbesondere die Universitäten, sich nicht auf die blosse Vermittlung von Wissenschaft und der Aneignung entsprechender Fähigkeiten konzentrieren, sondern jeden Bereich auf die tragenden Werte und ihre Umsetzung überprüfen würden1?

 

1 Markus Müller spricht in diesem Zusammenhang von der Herzensuniversität

 

Fritz Imhof ist Co-Redaktor beim Magazin INSIST und Chefredaktor bei LIVENET.

fritz.imhof@STOP-SPAM.insist.ch 

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