Politik

Nachhaltig berührt

Philipp Hadorn

 

Fragen der sozialen Gerechtigkeit und nach dem richtigen Umgang mit der Schöpfung bewegten mich schon als Mittelschüler. Es tat gut, als 11-Jähriger weit weg vom Elternhaus eigene Gedanken zu entwickeln und Inspirationen durch Mitschülerinnen, Teilnehmende in der Bibelgruppe sowie Aktivisten verschiedener sozialer und politischer Richtungen zu erhalten.

Weshalb nur hörte ich in meiner damaligen Freikirche so wenig zu diesen Themen? Die Bibel schien mir in diesem Zusammenhang voller Aussagen zu sein. Sie waren zwar nicht immer einfach zu verstehen. Während das Gleichnis vom «barmherzigen Samariter»1 oberflächlich gesehen noch einfach zu verstehen war, schien mir die Auslegung des «Reichen Jünglings»2 einiges schwieriger zu sein. Aber das galt ja auch für Tod und Auferstehung Christi, Abendmahl und Taufe, Vergebung, Verdammnis und Gnade. Dazu hörte ich viel in der Gemeinde und verinnerlichte diese Glaubensfakten. 

Ein «New Life»-Sommereinsatz der gleichnamigen Bibelschule brachte mich wenige Jahre später auf den Berner Münsterplatz. Hier war das Weitergeben des Evangeliums angesagt. Theater, Lieder und Erlebnisberichte ermöglichten Kontakte zu den dort weilenden «Drögelern und Dealern». Es gab gute Gespräche. Ich lernte Lebensentwürfe kennen, die mir bisher völlig fremd waren. Scheitern, Krankheit und existenzielle Nöte wurden mir vor Augen geführt. Einige Randständige wagten mit Hilfe des Glaubens an Jesus und mit einer aktiven Betreuung von Christen einen Neuanfang. Einzelne wurden gesund, andere wieder rückfällig, wenige starben.

Auch diese Erlebnisse haben mich geprägt. Selbst war ich zwar nie direkt betroffen, aber Betroffene waren zu Freunden geworden. Mein Herz wurde berührt von Betroffenen und von Christus. Das hatte nachhaltige Folgen – bis heute!

 

1  Lk 10,30-37

2 Lk 18,18-27

 

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch  

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Politik

Nachhaltige Familienbetriebe

Erich von Siebenthal

 

Die wichtigen Leistungen der Landwirtschaft wie die Versorgung der Bevölkerung mit Qualitätsprodukten, die Pflege der Landschaft und die dezentrale Besiedelung werden seit Jahrzehnten zum Teil vom Staat abgegolten. Seit den 60-er Jahren ist man aber nicht mehr bereit, den Preis zu bezahlen, den landwirtschaftliche Produkte eigentlich wert wären.

Dass die Landwirtschaft sehr wichtig ist, darin war man sich in der Agrardebatte für die Jahre 2014–2017 einig. Diesmal wurden neue Kriterien für die Abgeltung diskutiert. Die Linken verlangten mehr Ökologie und weniger Produktion, während die Rechten die Produktion von heute erhalten wollten.

Mich beschäftigt besonders, dass der Vorschlag des Bundesrates und auch das Resultat des Nationalrates die kleinen und mittleren Betriebe fallen lässt. Betriebe mit bis zu 20 Hektaren Land werden es in Zukunft schwer haben. Solche Betriebe sind in topografisch anspruchsvollen Regionen mit erschwerten Lagen im ganzen Land anzutreffen. Hier bewirtschaften Familien den Boden mit viel Einsatz. Kinder, die in diesem Umfeld aufwachsen dürfen, ziehen daraus einen grossen Gewinn.

Bis heute war es die Stärke der Landwirtschaft, dass man jede Betriebsgrösse am Leben liess. Verwaltung, Bundesrat und Politik behaupten nicht, dass man die kleineren Betriebe nicht mehr haben wolle. Aber wenn man ihnen die nötige Unterstützung entzieht, werden sie nicht überleben können.

Ich hoffe deshalb, dass die nötigen Korrekturen zugunsten dieser Betriebsgrössen im Ständerat noch angebracht werden. Denn wenn es wieder einmal eng werden sollte mit unsern Nahrungsmitteln, werden wir auf jede gepflegte Fläche angewiesen sein.

Wir haben von Gott, unserem Schöpfer, den Auftrag erhalten, unsern Boden zu bewirtschaften. Wenn dies etwas weniger intensiv als bisher geschehen soll, ist das zu akzeptieren. Das wichtigste aber ist, dass unser Boden gepflegt wird und damit der zunehmenden Verwaldung Einhalt geboten werden kann. Nur so kann dieses Wissen auch an die nächste Generation weitergegeben werden.

 

Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

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