Film

Zeig mir dein Leben

Andy Schindler-Walch «Captain Philipps», «Diana», «Lincoln» und «Die Eiserne Lady»: Fiktionale Verfilmungen von wahren Lebensgeschichten sind im Trend. Dieses Jahr kommt mit «Noah» auch das Leben einer biblischen Person auf die Kinoleinwand.


Die alte Frau mit Kopftuch steht unsicher vor der Kasse eines Lebensmittelladens. Als sie von einem jungen Mann angerempelt wird, weiss sie nicht, wie sie reagieren soll. Sichtlich verwirrt verlässt sie den Laden. Ihr Name: Margaret Thatcher, ehemalige Premierministerin von Grossbritannien, nun erkrankt an Alzheimer. Diese Szene aus dem Film «Die Eiserne Lady», grossartig gespielt von Meryl Streep, hat sich so nie zugetragen. Doch sie wirkt glaubhaft und viele Zuschauerinnen und Zuschauer können sich mit der Frau in dieser Situation identifizieren.

 

Vorbilder
«Biopic» – so heissen die fiktionalen filmischen Darstellungen der Geschichten von Menschen, die wirklich leben oder gelebt haben. Ob «Die Eiserne Lady», «Lincoln», «Jobs» oder «Diana», um nur einige zu nennen: Biopic-Filme sind momentan enorm im Trend. Nichts interessiert uns so sehr, als etwas über das Leben von anderen Menschen zu erfahren. Sind diese Menschen zudem berühmt oder haben etwas Besonderes erlebt oder getan, ist das Interesse an ihnen noch grösser. Gerade Menschen mit Ecken und Kanten oder Begabungen und Fehlern stossen auf grosses Interesse. Daraus lassen sich spannende Filme machen, aus denen Zuschauerinnen und Zuschauer Bezüge für ihr eigenes Leben ableiten können.
Es erstaunt darum nicht, dass beispielsweise der Film «Ziemlich beste Freunde» («Intouchables») so ein Erfolg wurde. Die wahre Geschichte des Pflegers Driss (Omar Sy) und des fast vollständig gelähmten Philippe (Francois Cluzet) berührte viele Menschen und zeigte, dass es trotz schwerer Behinderung möglich ist, ein erfülltes Leben zu führen. Dies zu sehen, machte vielen Menschen Mut und gab ihnen Hoffnung. In die gleiche Kategorie gehören auch Heldengeschichten wie «Lincoln» (Daniel Day-Lewis), wo ein amerikanischer Präsident für die Abschaffung der Sklaverei kämpft, oder «Captain Philipps» (Tom Hanks), wo der Kapitän eines Containerschiffes, das auf See mit Piraten konfrontiert wird, seine Mannschaft zu retten versucht.
«Die Idole leben wieder auf» – so titelte im letzten September die «NZZ am Sonntag» einen Artikel, der auf die in der letzten Zeit ausgestrahlten und schon angekündigten Biopic-Filme über Persönlichkeiten anspielte. Biopic-Filme, so die Zeitung, wecken eine grosse Schaulust. Bei diesen Filmen sieht das Publikum nämlich genau hin, ob der Darsteller oder die Darstellerin dem Original ähnlich sieht und die schauspielerische Leistung überzeugend ist.

 

Stimmige Ausschmückungen
Wichtig ist, dass die Geschichten in Biopic-Filmen stimmig erzählt werden. Als Stilmittel werden darum auch fiktionale Szenen verwendet, wenn sie dazu dienen können, die Person oder eine Situation anschaulicher zu machen. Mit Spannung kann man darum einem Film entgegensehen, der vom Leben einer biblischen Person erzählt. So soll im April 2014 mit «Noah» ein Film auf die Leinwand kommen, der mit den Oscar-Preisträgern Russell Crowe und Anthony Hopkins besetzt ist. Die Produktionskosten für diesen Film belaufen sich auf 130 Millionen US-Dollar.
Was bedeutet dies für Christen? Biopic-Filme bieten ihnen eine gute Möglichkeit, mit Menschen ins Gespräch über den Glauben zu kommen. Gerade Filme, in denen biografische Brüche vorkommen oder Entscheidungen von Menschen für etwas Gutes oder Schlechtes gezeigt werden, geben viel Anregung, um über den Inhalt zu diskutieren und nachzudenken.

 

Andy Schindler-Walch ist Filmspezialist; er bespricht Filme in mehreren Zeitschriften und für Radio Life Channel.
andy.schindler@STOP-SPAM.bluewin.ch

To top