Literatur

Wenn man doch nur etwas tun könnte ...

Dorothea Gebauer Mehr oder weniger gute Ausreden schützen uns vor dem Druck, endlich handeln zu müssen. Im Folgenden deshalb zur Entlastung ein traurig-lustiger Katalog der faulen Ausreden, die nicht nur an Stammtischen, sondern auch in Kirchen gehört werden können.

 

Die Überforderungsmasche

«Wo anfangen? Die Not ist einfach zu gross.»«Es nimmt mich einfach viel zu sehr mit, wenn ich mich engagiere.» «Ich kann die Bilder schon nicht mehr sehen. So schlimm!» «Es wäre doch nur ein Tropfen auf den heissen Stein.»

 

Die fromme Masche

«Ich habe vom Herrn direkt keinen Auftrag bekommen. Und ich möchte doch nur tun, was er will.» «Ich würde furchtbar gern, aber ich spüre, dass es grad nicht dran ist.»«Meine Gaben liegen eher im seelsorgerlichen Bereich.»«Wenn Gott will, dann kann er alles im Nu ändern.» «Ganz klar, wir leben in der Endzeit!» «Der Mensch denkt, Gott lenkt.» «Ich muss es mir erst noch von Gott zeigen lassen.»

 

Die bürgerliche Masche

«Mein Platz ist in der Familie.»«Wir überweisen jeden Monat jede Menge Geld.» «Dort gibt es genügend Rohstoffe, aber mit dieser Mentalität kommt man halt auch nicht weiter.» «Das Thema ist nicht so meins. Ich möchte erst nachdenken, wofür ich mich engagieren möchte.»


Die «man müsste» – Masche

«Wir müssten alle irgendwie mehr tun.»«Man müsste denen da oben sagen, dass es so nicht geht.» «Man müsste einfach mehr Zeit haben.»

 

Die Opfermasche

«Ich habe einfach keine Zeit, so sehr ich auch wollte.» «Das ist alles, einfach alles ganz, ganz schrecklich. Diese armen Menschen!» «Ich wollte eigentlich schon immer was tun, aber es sollte wohl nicht sein.»«Meine Gemeinde ermutigt mich überhaupt nicht dazu und macht eh nichts.» «Mein Job fordert einfach alles von mir. Es tut mir leid.» «Wenn man doch nur etwas tun könnte!»


Dorothea Gebauer ist freie Kulturjournalistin 

dorothea.gebauer@STOP-SPAM.insist.ch 

To top