Transformation

Kleine Schritte zur werteorientierten Veränderung

Hanspeter Schmutz «Die Vision kann nicht gross genug und die Schritte der Umsetzung sollten möglichst klein sein.» Diesen Satz hat mir Karl Sieghartsleitner, der ehemalige Bürgermeister von Steinbach an der Steyr, sozusagen ins Strategieheft geschrieben.

Was das heissen kann, zeigen die folgenden Beispiele von Leuten, die sich als Teil des WDRS-Netzwerkes1 verstehen und im Blick auf eine werteorientierte Dorf-, Regional- und Stadtentwicklung (WDRS) kleine Schritte gewagt haben.

Eine Kommission für Werteorientierung
Da ist der Gemeindeschreiber aus einer kleineren bernischen Gemeinde. Er beschäftigt sich schon länger mit der werteorientierten Gemeindeentwicklung. Immer wieder hat er seine politische Behörde auf dieses Thema angesprochen. Als das Institut INSIST dann anfangs 2014 zu einer Studienreise nach Oberösterreich einlädt, lässt er sich diese Reise – quasi als Weiterbildung – vom Gemeinderat verschreiben. Bei den Begegnungen mit den Pionieren der werteorientierten Gemeindeentwicklung rund um Steinbach und Schlierbach2 macht er sich eifrig Notizen. Er rapportiert «seinem» Gemeinderat die Ergebnisse der Reise und löst damit etwas aus. In einem Mail fasst er das so zusammen: «Es freut mich, dass bei uns in der Gemeinde dieses Thema, wenn auch in kleinen Schritten, sehr grossen Anklang findet. So konnten wir bereits mit allen Gemeinderats-Mitgliedern die zweite Klausurtagung zu diesem Thema durchführen. Und gestern Abend hat der Gemeinderat beschlossen, in diesem Zusammenhang neu eine ‹Dorf-Werte- und Kulturkommission› zu bilden.»  

Die Landschaft und das Stadtquartier entwickeln
Der Landschaftsplaner Benjamin Bucher ist der jüngste Teilnehmer dieser Reise. Schon während seines Studiums an der Hochschule für Technik in Rapperswil ist er auf den WDRS-Gemeindebarometer gestossen. Spontan schreibt er eine individuelle Vertiefungsarbeit, in der er den WDRS-Gemeindebarometer mit weiteren Indikatoren «zur Qualität und Entwicklung von Siedlung und Landschaft» ergänzt. Sie werden prompt in die definitive Version3 des WDRS-Gemeindebarometers einbezogen. Auf der Studienreise nach Österreich lässt er sich weiter inspirieren.
Neben der Landschaftsplanung beschäftigt ihn nämlich auch die Stadtentwicklung. Zusammen mit einer Gruppe aus seiner Kirchgemeinde ist er seit September 2013 daran, ein niederschwelliges Kirchencafé aufzubauen, das für die multikulturelle Bevölkerung zum Begegnungsort in seinem Quartier in Zürich-Hirzenbach werden soll4. Das Café soll im April 2015 eröffnet werden und lässt sich schon jetzt sehen5!

Ein werteorientierter Leitbild-Prozess
Und da gibt es auch noch die Gemeindepräsidentin einer kleineren Gemeinde im Schweizer Mittelland. Schon länger verfolgt sie die Tätigkeiten des WDRS-Netzwerkes. Als sich der Gemeinderat mit der Entwicklung eines Leitbildes beschäftigt, bringt sie den Gedanken ein, dies in einem werteorientierten, von der Bevölkerung getragenen Prozess zu tun. Sie bittet den INSIST-
Geschäftsleiter, dafür ein Konzept zu entwerfen und das Ergebnis an einer Gemeinderatssitzung zu präsentieren. Der Vorschlag wird mit kritischem Wohlwollen aufgenommen. Der Gemeinderat überlegt sich nun, einen solchen Prozess – allenfalls mit Unterstützung des Instituts INSIST – in Angriff zu nehmen.

Über gute Ideen reden
Christen (und andere Leute), die Schritte in Richtung einer werteorientierten Gemeindeentwicklung tun wollen, fühlen sich mit ihrem Anliegen oft allein. Deshalb ist es wichtig, dass sie sich mit Gleichgesinnten vernetzen. So können Sie ihre guten Ideen und Umsetzungen mit andern teilen. Für beides gibt es das WDRS-Netzwerk. Seine Früchte zeigen sich in einem halbjährlichen Newsletter und in Impulstagungen.
Die nächste WDRS-Impulstagung findet am 28. März 2015 in Wilen TG (bei Wil)6 statt. Sie widmet sich den kleinen Schritten auf dem Weg zu einer werteorientierten Veränderung des Dorfes oder des Quartiers. Ein wichtiger Teil wird das Austauschen über werteorientierte Projekte sein, Dinge, die sich im Alltag von politischen Gemeinden bewährt haben. Eingeladen sind nebst Kommunalpolitikern interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie kirchlich Engagierte, die ihre Werte auch im Dorf bzw. Quartier wirkungsvoll einbringen wollen.

1 Anmeldung für den Newsletter auf: www.dorfentwicklung.ch
2 siehe auch unsern Beitrag im Magazin INSIST 2/14, S. 34
www.dorfentwicklung.ch
www.coffee-deeds.ch
www.dienstagsmail.ch/index.php?id=846&webview=1
6  siehe unsern Hinweis auf S. 42 und die Ausschreibung auf www.insist.ch bzw. www.dorfentwicklung.ch


Hanspeter Schmutz ist Publizist und Leiter des Instituts INSIST

hanspeter.schmutz@STOP-SPAM.insist.ch  

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