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Das Geheimnis des Glücks

Hanspeter Schmutz Wer glücklich sein will, wird am besten Christ oder engagiert sich anderweitig religiös. Das sagt – in Bezug auf die Christen – nicht nur die Bergpredigt1, sondern auch der bekannte Glücksforscher Bruno S. Frey in einem Kommentar zu einer Umfrage, die der Bund unter der Schweizer Bevölkerung durchgeführt hat. Trotz aller Unkenrufe scheint auch die Ehe ein Glücksfall zu sein – sogar für die Gesellschaft.

Die Ergebnisse der Umfrage über den Glückszustand der Schweizer zeichnen bei den über 12’000 Befragten ab 16 Jahren das Bild eines glücklichen Volkes. Auf einer Skala von 0 (gar nicht zufrieden) bis 10 (vollumfänglich zufrieden) reihen sich 72,3% bei 8 und höher ein! Diese Einschätzung hängt v.a. mit der Beurteilung der näheren Lebens-
umstände zusammen. «Am glücklichsten sind die Schweizer mit dem Zusammenleben. 86,1% zeigen sich damit sehr zufrieden (Stufe 8 und höher)2». Mit den Finanzen können sich aber nur noch etwas mehr als die Hälfte (55,1%) zufrieden geben und mit der vorhandenen Freizeit ist nur noch eine Minderheit zufrieden (47,7%).
Unterschiede zeigen sich vor allem dann, wenn man die Bevölkerung nach verschiedenen Merkmalen aufschlüsselt. «Besonders zufrieden sind die Schweizer mit 16 und 17 Jahren. Danach werden sie aber unglücklicher und fühlen sich erst aufs Alter hin wieder zufriedener.» Bruno Frey kommentiert das u.a. so: «In der Regel machen Kinder ihre Eltern erst später so richtig glücklich – wenn sie erwachsen sind.» Und zu den über 50-Jährigen meint er: «Mit zunehmendem Alter haben sie auch weniger Erwartungen, werden genüg-
samer und damit zufriedener. Man könnte von Altersweisheit sprechen.»
In seinen Tipps zum Glücklichwerden rät der Glücksforscher zu heiraten, andern zu helfen und zu spenden, sich selbständig zu machen und – wie erwähnt – zur Kirche zu gehen. Den Glückswert des kirchlichen Engagements begründet er so: «Religiöse Menschen sind zufriedener. Der Glaube gibt ihnen Halt. Kommt hinzu, dass sie beim Gang in die Kirche, die Moschee oder die Synagoge Gleichgesinnte treffen. Solche Kontakte helfen beim Glücklichsein.»
Die Umfrage und der Kommentar von Bruno Frey sind allerdings nicht immer deckungsgleich mit der Bergpredigt. So macht Geld laut der Umfrage glücklich. Glückselig sind hier also nicht die Armen, sondern die Vielverdienenden. Die obersten 20% sind mit einem Wert von 82% deutlich zufriedener als das ärmste Fünftel – hier sind nur noch (aber immerhin!) 62% sehr zufrieden. Die Zufriedenheit der Reichen gilt in fast jeder Hinsicht – nur nicht in Bezug auf die zu knappe Freizeit. Deshalb unser Tipp an die Reichen unter uns: Weniger arbeiten, mehr spenden und aus Überzeugung zur Kirche gehen. Das würde alle etwas glücklicher machen.

Obwohl die Ehe das persönliche Glück fördern könnte, verliert sie – auch in den USA – zunehmend an Rückhalt. Da hilft auch die dortige Diskussion um die «Schwulenehe» und die damit verbundene Umdeutung dieser Institution nicht weiter. Laut einer neuen Studie des Pew Research Centers ist «derzeit einer von fünf erwachsenen Amerikanern weder verheiratet noch geschieden3». Die Ökonomin Isabel Sawhill glaubt deshalb, dass die Ehe in Amerika verschwindet. Das aber wäre – auch ökonomisch gesehen – eine schlechte Entwicklung. «Denn die Ehe ist nicht nur beruhigend vertraut, sie schafft auch Wohlstand – für die eigene wie die nächste Generation.» Gemäss US-Statistik ziehen verheiratete Paare «die gesünderen und erfolgreicheren Kinder auf als Unverheiratete und Alleinstehende. Nur eines von acht Kindern mit verheirateten Eltern lebt unterhalb der Armutsgrenze – bei Alleinerziehenden sind es fünf von zehn Kindern. Wer in einer Ehefamilie aufwächst, wird weniger häufig straffällig, im Teenageralter schwanger, hat seltener Asthma, ist besser in der Schule und verdient als Erwachsener mehr.» Isabel Sawhill kommt deshalb zum Schluss, «dass die Ehe gut für Kinder ist».
Die Ehe mag mit vielen übertriebenen Erwartungen und unerfüllbaren Sehnsüchten verbunden sein. Offensichtlich fördert sie aber nicht nur das persönliche Glück, sondern auch eine gesunde Gesellschaft.

1   Die Seligpreisungen von Matthäus 5 werden z.B. in der Übersetzung «Hoffnung für alle» jeweils eingeleitet mit «Glücklich sind ...».
2  «Der Bund» vom 12.11.14 (ebenso die folgenden Zitate)
3  «Der Bund» vom 10. März 2014 (ebenso die folgenden Zitate)


Hanspeter Schmutz ist Publizist und Leiter des Instituts INSIST. 

hanspeter.schmutz@STOP-SPAM.insist.ch

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