Film

Ich bestimme mein Programm selbst

Andy Schindler-Walch Das Fernsehprogramm wird immer individueller gestaltet und genutzt. Die persönliche Auswahl steht im Vordergrund. Individualität zeigt sich neu auch im Kino, was für Christen eine Chance ist.

Als der betagte deutsche TV-Showmaster und Schauspieler Joachim Fuchsberger im September 2014 starb, wurde in den Medien anlässlich seines Todes an eine vergangene Fernsehzeit erinnert. Mit Fuchsberger starb einer der letzten TV-Showmaster, der mit seinen Sendungen die Familie noch vor dem Fernsehbildschirm versammeln konnte. Solche «Familien»-Sendungen waren Garant für einen unterhaltsamen gemeinsamen Fernsehabend. So erreichte in der Schweiz der TV-Showmaster Kurt Felix mit seiner Fernsehshow «Teleboy» im September 1975 mehr als zwei Millionen Zuschauer, was bis heute der höchste je in der Schweiz gemessene Wert geblieben ist.

Wer sucht, der findet

Neben der breitgefächerten Unterhaltung lag ein wesentlicher Grund für diesen Erfolg an der geringen Auswahl an Fernsehsendern und -programmen. Heute kann der Zuschauer aus Hunderten von Fernsehkanälen auswählen. Für viele Zielgruppen gibt es einen eigenen Spartenkanal, auch für die Anhänger des christlichen Glaubens. Zudem gibt es auf dem Markt eine Vielzahl an DVDs und Blu-rays zu kaufen, die genau das zeigen, was gesucht ist.
Beim Fernsehen kommt das «Zapping», das beliebige Wechseln von einem Programm zum nächsten, immer mehr aus der Mode. Der Trend geht zum «Choosing», das heisst, Inhalte werden von den Zuschauern aus dem Angebot bewusst ausgewählt und konsumiert. Dabei steht momentan ein Unternehmen im Vordergrund.
Es mag Zufall sein, doch sieben Tage nach dem Tod von Joachim Fuchsberger, dem Garanten für den traditionellen Fernsehkonsum, startete im September 2014 auch das Angebot von Netflix in Deutschland und in der Schweiz. Das weltweit tätige Unternehmen bietet eine grosse Auswahl von Filmen und Serien an. Es sorgt dafür, dass sich Zuschauer, die zu Abonnenten werden, Filme und Serien dank dem Video-on-Demand-Angebot direkt und ohne Zeitverzögerung via Streaming anschauen können. Jeder kann sich also zu Hause dank Internet sein eigenes Fernsehprogramm zusammenstellen, und es dann zur passenden Zeit konsumieren.
Netflix ist nicht der einzige Anbieter auf dem Markt. Durch sein grosses Angebot könnte er aber den Trend zur Individualität beim Medien-
konsum beschleunigen. Denn Filme und Serien werden heute immer mehr über PC, Laptop, Tablet oder Smartphone abgerufen. Gemäss
dem «Media Use Index 2014» von Young&Rubicam Switzerland streamt heute schon jeder Zweite in der Schweiz, der das Internet nutzt, mehrmals in der Woche Inhalte von Fernsehprogrammen.

 

Den Kinofilm wählen
Der Trend zum individuellen Programm hört aber nicht beim Fernsehen auf, sondern setzt sich im Kino fort. Und hier besteht für Christen eine Chance.
In der Schweiz ist es seit kurzer Zeit möglich, über die Internetplattform «gokino.ch1» nach Wunsch einen Spielfilm auszusuchen, der momentan nicht im Kino läuft, und dessen Vorführung in einem Kino zu buchen.
«Cinema-on-demand» heisst dieses neue Angebot, das bereits in einigen Schweizer Kinos, vor allem in Zürich, abrufbar ist. Den gewählten Spielfilm kann man dann zusammen mit anderen zu Randzeiten im Kino sehen. Es braucht dazu allerdings eine gewisse Anzahl Kinobesucher. Solche Vorführungen sind öffentlich. Bei einzelnen Kinos besteht auch die Möglichkeit, den ganzen Saal für eine private Vorführung zu buchen.
Christen oder christliche Gemeinden könnten also einen geeigneten Film auswählen, buchen und zusammen mit Freunden anschauen, um sie so mit dem christlichen Glauben oder mit christlichen Werten in Berührung zu bringen. So wird es mög-
lich, nach einem gemeinsamen Film-
erlebnis miteinander ins Gespräch zu kommen.

1  Weitere Infos und Bedingungen unter:
www.gokino.ch

 

Andy Schindler-Walch ist Filmspezialist; er bespricht Filme in mehreren Zeitschriften und für Radio Life Channel.
andy.schindler@STOP-SPAM.bluewin.ch

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