Politik

Ein Tisch als Zeugnis für die Welt

Philipp Hadorn

 

Die Festtage haben es jeweils in sich: Weihnachten ist für Christen ein Freudenfest. Der enge Familienbegriff wird gesprengt. Oft treffen sich ein Dutzend und mehr Leute mit oder ohne besinnliche Feier zu einem feinen Essen. Nicht selten folgen dann noch ein paar Silvester- und Neujahrs-Menüs vom Feinsten. Und im Januar überbieten sich die Zeitschriften dann mit Abspecktipps. Andere Menschen entscheiden sich fürs «Containern» oder «Dumpstern». Dabei suchen sie nach Essbarem in den Abfallcontainern von Supermärkten und Restaurants. Rund ein Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel gehen zwischen Feld und Teller verloren. Pro Person landen bei uns täglich 320 Gramm einwandfreie Lebensmittel im Abfall. Mit dem «Mülltauchen» protestieren diese Menschen gegen die Nahrungsmittelverschwendung. Das mag radikal erscheinen, aber es löst wichtige Debatten aus. Debatten, die es schon in der Bibel gab, etwa über den Fleischverzehr. Die Kirchenväter sprachen dazu Klartext: «(…) Eine mässige Lebensweise macht (den Körper) gesünder und stärker und schneidet dem Übel die Wurzel ab. Die Dünste der Fleischspeisen verdunkeln das Licht des Geistes», lehrte der Erzbischof Basilius im 4. Jahrhundert. «Der Gebrauch des Weines hat mit dem Fleischessen nach der Sintflut angefangen...», mahnte Hieronymus von Bethlehem. Das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und gegen den Nährwertverlust ist nicht selten der Grund für die «persönliche Ernährungswende» der neuen «Vegetarier». Und das Meiden alkoholischer Getränke wird als Widerstand gegen eine Gesellschaft gesehen, welche die Sucht fördert und Süchtige verurteilt. Mich macht zudem der Vorwurf an die Bewohner von Sodom1 nachdenklich, «Brot in Fülle» zu haben, aber «Arme und Elende» zu vergessen. Darum motiviert mich die Lebensweise von Daniel2, verbunden mit meinem Vertrauen in den Schöpfer3, zu einem genussvollen Leben – ohne Fleisch und Wein. So werde unser Tisch zum Zeugnis Christi, meinte Basilius. Aus meiner Sicht: zu Recht!

 

1 Hesekiel 16,49

2 Daniel 1, 8-16

3 1 Mose 1,29

 

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch  

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Politik

Alpsegen

Erich von Siebenthal

 

Jeden Tag einen gedeckten Tisch zu haben, das ist keine Selbstverständlichkeit. Und als Biobauer und Grossvater in einer Generationengemeinschaft Nahrungsmittel zu produzieren, ist eine anspruchsvolle, schöne Aufgabe. Unsere Hauptprodukte sind Fleisch, Milch, und Käse.
Als Bergbauer erlebe ich die Jahreszeiten besonders eindrücklich. Wenn im Frühling die Wiesen erwachen, wenn sich der Bergfrühling in seiner Pracht entfaltet und wir das Vieh auf die Hochalp zügeln dürfen, dann schlägt auch das Herz des Grossvaters höher. Meine Frau Maria und ich geniessen diese Zeit besonders. Die Zeit des Herbstes bedeutet für uns, dass wir das Vieh dann wieder zu Tal treiben und sich die Kühe aufs Kalbern vorbereiten. Das kann aber auch früher geschehen. So grasten vor einiger Zeit einige unserer Kühe etwa zwei Kilometer vom Stall weg auf der Alpweide. Ein Nachbar entdeckte im Gras drei frische Kälber. Die Mutterkuh war gerade daran, sie mit der Zunge sauber zu machen. Meine Frau und der Sohn konnten sie mit der «Viehbenne» dann nach Hause nehmen: drei Kälber, die gesund und ohne menschliche Hilfe zur Welt gekommen waren. Ein Wunder! Bis im November bekamen sie drei Mal am Tag den Schoppen. Unterdessen sind sie gross und stark geworden. Dass sie Drillinge sind, sieht man heute nicht mehr.
Nahrungsmittel zu produzieren, das ist mehr als Arbeit. Die Abhängigkeit von der Natur, das Gedeihen von Pflanzen und Tieren, das alles ist ein Geschenk von unserem Schöpfer. Der Mensch kann einiges beitragen, aber bei weitem nicht alles, und das ist auch gut so. Nur auf einem gut gepflegten und bewirtschafteten Boden gedeihen gesunde Nahrungsmittel. Es ist unsere Aufgabe, alles daranzusetzen, dass diese Grundlagen erhalten bleiben. Damit auch in Zukunft möglichst viele Menschen einen gedeckten Tisch bekommen.

 

Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

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