Film

Gott ist im US-Kino nicht länger tot

Daniel Gerber Hollywood-Filme mit christlichen Bezügen sorgten bereits früher für Furore an den Kino-Kassen, namentlich «Ben Hur» und «The Passion». Erstmals sorgen nun aber ausgesprochen christliche Produktionen für Erfolge an den Kino-Kassen. Das Genre nennt sich «Faith Based».

Zwischen den grössten Kino-Kisten aus der kalifornischen Traumfabrik und den bisher prägenden «Faith-Based»-Produktionen liegt aber finanziell gesehen nach wie vor eine Gebirgskette in den Dimensionen des Himalayas. Die Budgets schränken die glaubensbezogenen Filme massiv ein.

Verständliche Dialoge und wenig Geld
Drehorte und eine Aufnahmetechnik wie bei «Herr der Ringe», «James Bond» oder «Jurassic World» liegen derzeit ebenso ausser Reichweite wie die aufwendige Ausstattung bei «Troja» und «Fluch der Karibik» oder die Animationen und Effekte von «Avatar» – mit einem Einspielergebnis von 2,788 Milliarden US-Dollar der bislang erfolgreichste Film überhaupt – oder «Transformers».
Keinen Grund zur Kritik gibt dagegen die Tatsache, dass in einem der glaubensbasierten Streifen ein gläubiger Christ einem lange rebellisch abweisenden Weggefährten das Evangelium erklärt – so gut, dass es auch der Kinobesucher versteht – und der Weggefährte dann den Glauben annimmt. Platte oder schwülstige Dialoge gibt es schliesslich in jedem Film. Manches Leinwand-Spektakel kommt sogar mit Ultra-Kurz-Dialogen aus, wie das folgende cineastische Highlight: «Das ist ein blaues Licht!» – «Und was tut das?» – «Es leuchtet blau»! So gesehen in «Rambo 3».

Gott ist nicht tot
Zuletzt zeigten sich die Faith-Based-Filme – zumindest in den USA – im Aufwind. Allen voran der Überraschungserfolg «God’s not dead» (2014) von der christlichen Produk-
tionsstätte «Pure Flix Entertainment». Die Handlung in aller Kürze: Ein atheistischer Philosophie-Professor fordert von seinen Schülern, dass sie in grossen Lettern auf ein Blatt «Gott ist tot» notieren und ihm dieses unterschrieben zurückgeben, sonst würden sie den Kurs nicht bestehen. Ein Student verweigert dies und begründet, dass er eine solche Handlung nicht mit seinem Glauben vereinbaren könne. Der Professor gibt ihm in den folgenden Wochen dreimal 20 Minuten Zeit, um zu belegen, dass Gott nicht tot ist. Gelinge ihm dies, könne er weiterstudieren. «God’s not dead» lässt sich durchaus sehen, auch der spannende Showdown. Das mit einem Budget von zwei Millionen gedrehte Werk spielte an den Kino-Kassen rund 63 Millionen Dollar ein – und damit gleich viel wie die einzelnen Streifen der «Transporter»-Reihe! Zusammen mit den DVD-Verkäufen ergaben sich Einnahmen von insgesamt 110 Millionen. Mit Kevin Sorbo spielte der langjährige Darsteller aus der Serie «Hercules» eine der Hauptrollen.
Ebenfalls ein Erfolg war der erste Teil der «Left Behind»-Reihe (2014) mit dem Hollywood-A-Promi Nicolas Cage in einer Nebenrolle als Pilot. Sein Bruder Mark Cage ist Pastor;
er hatte ihm die Teilnahme nahegelegt.
Ein Hobbit weist auf Gott hin
Der soeben in den USA angelaufene Film «Woodlawn» (2015), ebenfalls von «Pure Flix», erzählt eine wahre Geschichte aus dem Jahr 1973.
Als die Regierung damals die Ras-sentrennung aufhob, setzte der Trainer der High-School-Football-Mannschaft von Woodlawn zwei afro-
amerikanische Sportler ein. Bald brannten in der Stadt Kreuze, und es gab Unruhen. Auch innerhalb des Teams liessen sich die Wogen zunächst nicht glätten, bis Aussenseiter Hank – gespielt von «Herr-der-Ringe»-Hobbit Sean Astin – erzählte, dass er vor kurzer Zeit Hoffnung und Liebe bei einem christlichen Treffen gefunden habe und es einen besseren Weg gebe. Das löste eine spirituelle Wende aus, die fast alle Mitspieler, Trainer, Schüler und zahlreiche Einwohner erfasste. Schon nach einem Monat spielte dieser Streifen mehr als 13 Millionen ein1.
Sogar bereits bei 70 Millionen2 liegt der im August an den Start gegangene Streifen «War Room» aus dem Hause «TriStar Pictures». Das ist mehr als «Australia» mit Nicole Kidman und Hugh Jackman oder «Kill Bill Vol. 1» und «Kill Bill Vol. 2» mit Uma Thurman in der gesamten Laufzeit.
Man darf somit gespannt sein auf die nächsten «Faith-Based»-Produktionen. Geplant sind etwa «God’s not dead 2» (im April 2016). Und natürlich auf ihre Aufnahme in unseren Breitengraden.

Bezugsquellen: «God’s not dead» ist als «Gott ist nicht tot» erhältlich z.B. bei Amazon, Weltbild; Gleiches gilt für diverse Faith-Based-Filme. «Left Behind» z.B.: www.weltbild.ch/artikel/film/left-behind_19695357-1

1    Stand: November 2015
2    Stand: November 2015


Daniel Gerber ist freier Journalist. Er berichtet unter anderem für livenet.ch über den christlichen Glauben, bei Open Doors über die verfolgte Kirche und für die Berner Zeitung und Blick über Eishockey.

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