Musik

Blues im Club, am Open Air und im Knast

Jean-Daniel von Lerber Es ist ein warmer Septemberabend an der Expo 02. Auf der Bühne der Arteplage Biel läuft das Festival «mission possible».

Das zahlreich erschienene Publikum ist gespannt auf die Highlights des Abends: die Bryn Haworth Band aus London und die keltisch-irische Band IONA.

Ein Spitzenmusiker
Bryn Haworth eröffnet den Abend mit seiner 6-köpfigen Band: Tex Comer am Bass, Henri Spinetti an den Drums, Jeff Hamer am Keyboard und Bryn selber mit Gitarre und Gesang. Für den druckvollen Sound sorgen Steve Gregory am Sax und Raul d’Oliviera am Flügelhorn. Die fast 3000 Zuhörer sind schnell begeistert vom groovig-bluesigen Sound. Mit unglaublicher Präzision und einem selten gehörten «laid back Feel» hämmert der Ex-Clapton Drummer Spinetti den Takt. Jeff, langjähriger Weggefährte von Kim Wilde, trifft die Tasten genau so, dass er die Melodien nicht «zukleistert», während Tex Comer ein stabiles Fundament brummt. Die virtuosen und peppigen Bläserarrangements von Steve, der mit Van Morrison getourt hat und Raul, dem ehemaligen musikalischen Leiter der Elton John Band, setzen den i-Punkt des fetzigen Konzertes. Rhythm‘ and Blues vom Feinsten. Dazu kommt, dass Bryn’s Phrasing – der Textfluss zur Melodie – so perfekt ist, wie man es selten hört.

Ein Geheimtipp

Schon nach 10 Minuten kommt ein begeisterter Herr aufgeregt auf mich zu: «Wie kommt es, dass ein so begnadeter Musiker bei uns nicht bekannt ist? Wo kann ich seine CDs kaufen?»
So geht es Bryn seit Beginn seiner Karriere als Gitarrist und Sänger. Er gilt als «Musicians Musician» – als Geheimtipp unter Kennern, der nie grosse Popularität erlangt hat.
Seine ersten Bands in den Sechziger Jahren, «Fleur de Lys» und «Wolfgang» feierten zwar Achtungserfolge und seine ersten Soloalben bei Island («Let the Days go by» und «Sunny Side of the Street») stiessen auf wohlwollende Presseechos. Er war oft auf Tour und hat Konzerte für grosse Namen eröffnet: Traffic, Bad Company, Gallaghar & Lyle und Fairport Convention.
Das exzellente Slidespiel wurde zu seinem Markenzeichen. So wurde er als Studiomusiker für Alben von Chris de Burgh, Joan Armatrading, Cliff Richard und Gerry Rafferty gebucht.
Seine Diskographie ist unterdessen auf 14 Soloalben angewachsen. Das aktuellste Album, «Rebel Man», ist im Frühjahr 2015 erschienen, und zwar im Eigenverlag «Bella Music».
Seit sich 1974 Bryn und seine Frau Sally in einer Zeltevangelisation bekehrt haben, ist sein ursprüngliches Streben nach Ruhm anderen Werten gewichen. Die Erfahrung, Jesus begegnet zu sein, bleibt bis heute der rote Faden allen Schaffens, ob im Studio, live oder privat.

Musik im Knast

Bryn Haworth hat noch einen ganz anderen, überraschenden Fokus: Seit 1990 hat er zusammen mit seiner Frau Sally damit begonnen, Gefängnisse zu besuchen. Regelmässig. Er ist da aufgetreten und hat nach musikalischen Insassen Ausschau gehalten. Einigen von ihnen konnte er Instrumente besorgen, anderen Musikunterricht erteilen und schliesslich war er Mitmusiker einer ganzen Reihe von «Knast-Bands», die im Laufe der Jahre entstanden sind. Die meisten dieser Bandmusiker hatten glücklicherweise «langjährige Perspektiven»…
Der eigens zur Unterstützung der Gefängnisarbeit gegründete «Music in Ministry Trust» ermöglichte es weiter, dass bereits zwei seiner Alben («Time Out» und «Rebel Man») kostenlos in den Gefängnissen über die Kanäle der Seelsorger verteilt werden konnten. So kamen weit über 2000 CDs in die Hände Inhaftierter. Manch einer von ihnen hat, ermutigt und berührt von der Musik und der treuen Präsenz von Bryn, einen Neuanfang mit Christus gewagt.

Ein Held
Heute stehen über 20 Gefängnisse auf der regelmässigen Besuchsliste von Bryn und Sally! Das machen die beiden ganz ohne Publizität, treu und mit viel Herzblut – seit 25 Jahren!
Bryn ist einer meiner Helden. Bescheiden, brillant, voller Gottvertrauen. Dies auch in schwierigen Zeiten, als Sally eine Krebsdiagnose erhielt. Gott sei Dank konnte Sally behandelt und geheilt werden.

www.brynhaworth.com

 

Jean-Daniel von Lerber ist seit 30 Jahren Kulturagent; er leitet PROFILE Productions in Richterswil ZH.

jean@STOP-SPAM.profile-productions.ch 

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