Transformation

Globale Werte der Entwicklung

Hanspeter Schmutz Der vom Institut INSIST vertretene WDRS-Ansatz wurde von der oberösterreichischen Gemeinde Steinbach an der Steyr inspiriert. Die SPES-Akademie Schlierbach arbeitet seit Jahrzehnten nach den Prinzipien dieses «Steinbacher Weges» und erzielt damit gute Ergebnisse — vor allem in der Entwicklung des ländlichen Raumes. Steinbach erhielt zur Zeit des Bürgermeisters Karl Sieghartsleitner sogar Besuch aus Japan.

Reto Steiner, Professor für öffentliches Management an der Uni Bern, bezeichnete den Ansatz des WDRS-Gemeindebarometers1, der eine Einschätzung der eigenen politischen Gemeinde in Sachen Werteorientierung ermöglicht, als «best practice» der Gemeindeentwicklung. Wir beschränken uns im Folgenden auf die Werte des WDRS-Ansatzes2 und testen ihre globale Anwendbarkeit.

Gemeinschaft

Die Werte eines Staates werden in der Verfassung festgelegt. Es geht dabei nicht um das reibungslose Funktionieren eines Königshauses oder die Gewinnmaximierung für wirtschaftliche Eliten, sondern um das Zusammenleben einer Gemeinschaft von ganz unterschiedlichen Menschen. Je gemischter die Gesellschaft zusammengesetzt ist, desto wichtiger ist die Definition gemeinsamer Werte.
Im Verlaufe der Geschichte hat sich gezeigt, dass sich dafür christlich begründete Werte (wie sie im WDRS-Ansatz vertreten werden) hervorragend eignen. Sie erleichtern das Zusammenleben von – auch religiös – unterschiedlichen Menschen.

Wahrheit und Liebe

Wahrheit heisst hier einmal Transparenz und Überprüfbarkeit staatlicher Entscheide sowie das Fördern von Medien als Korrektiv, von Medien also, die nicht Lügen verbreiten sondern überprüfbare Fakten. Die sozialen Netzwerke im Internet sollten hier schleunigst ihre Hausaufgaben machen, bevor weitere Populisten an die Macht kommen.
Ein Staat kann nicht lieben, aber er kann Strukturen fördern, die Zwischenmenschlichkeit erleichtern. Da-zu gehört die gute Erreichbarkeit von sozialer und gesundheitlicher Hilfe für alle. Der Staat kann und soll auch die Freiwilligenarbeit in diesen Bereichen fördern, statt – wie etwa in der Schweiz – christliche Hilfswerke, Jugendorganisationen und Institutionen als «zu wenig neutral» zu diffamieren.

Gerechtigkeit und Gleichheit

Dass es zwischen den und innerhalb der Staaten ein Gerechtigkeitsproblem gibt, ist eine Binsenwahrheit. Dies hängt direkt zusammen mit der ungleichen Behandlung der einzelnen Bürgerinnen und Bürger oder der Partner in zwischenstaatlichen Beziehungen. Gleichheit meint dabei primär Chancen-Gleichheit – und
damit das Unterstützen der Benachteiligten. Dies geschieht etwa durch kompensierende Bildung, das Schaffen von Arbeitsplätzen und durch faire Wirtschaftsbeziehungen. Die Konzernverantwortungsinitiative3 der ehemaligen «Erklärung von Bern» ist ein anregendes Modell, das zeigt, wie hiesige Standards global gefördert werden können, verbunden mit einer fairen Entwicklung des Weltsüdens.

Leben und Freiheit
Militärische, soziale und ökologische Ungleichgewichte führen zu mehr oder weniger harten Auseinandersetzungen. Sie zerstören und hindern die Entfaltung der Lebensqualität. Alle drei Faktoren sind Auslöser der Migrationsproblematik. Durch die globale Vernetzung sind wir Teil dieser Problematik. Deshalb heisst der Einsatz für das Leben mehr als die Ablehnung der Abtreibung oder der Sterbehilfe. Viel entscheidender ist das, was dazwischen geschieht.
Die genannten Werte müssen einklagbar festgeschrieben werden. Daneben soll aber bei deren Umsetzung möglichst viel Freiheit gewährt werden. Richtige Anreize sind besser als Verbote – nicht nur im ökologischen Bereich. Dazu gehört auch das Delegieren von Entscheiden dorthin, wo sie ihre Wirkung entfalten – das Subsidiaritätsprinzip. Deshalb sind auch globale Strukturen so auszugestalten, dass sie die lokale Verantwortung an der Basis fördern statt hindern. Als Anregung eignet sich dabei u.a. auch das föderalistische und direktdemokratische Modell der Schweiz.
Wenn wir die sieben WDRS-Grundwerte auf ihre globale Tauglichkeit testen, zeigt sich rasch, dass sie in einer demokratischen, dezentralen und partizipativen Staatsorganisation am besten umgesetzt werden können. Wobei auch die Schweiz noch dazulernen kann.


www.dorfentwicklung.ch
2  dito
www.publiceye.ch

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