Beispiele

Den Entwicklungskreislauf in Gang bringen

Hanspeter Schmutz Unsere Welt braucht — gerade in der Flüchtlingsthematik — ein Denken und Handeln in entwicklungsfördernden Kreisläufen. Einzelmassnahmen sollten nicht gegeneinander ausgespielt, sondern sinnvoll vernetzt werden.

Wir haben Beispiele herausgegriffen, die diesen Ansatz modellhaft aufzeigen.

Entwicklung im Ursprungsland
Die Alternative Bank Schweiz (ABS) und Oikocredit haben kürzlich das Oikocredit-Förderkonto lanciert. Laut dem Pressecommuniqué handelt es sich dabei schweizweit um das erste reguläre Sparkonto, mit dem Schweizer Bankkundinnen und -kunden einen direkten sozial-ökologischen Nutzen in Entwicklungsländern stiften können. Sparerinnen und Sparer zahlen bei der ABS Geld auf das Oikocredit-Förderkonto ein. Wie bei jedem anderen Konto garantiert die Bank die Sicherheit der Guthaben. Im Rahmen der Partnerschaft vergibt die ABS ein Darlehen in der Höhe der angelegten Gelder an Oikocredit International mit Sitz in den Niederlanden. Die sozial orientierte Investmentgenossenschaft finanziert damit Partnerorganisationen in über 70 Entwicklungsländern. So werden vor Ort Kleinkredite an wirtschaftlich aktive Menschen ermöglicht, erneuerbare Energien gefördert oder Finanzierungen an Kleinbauerngenossenschaften geleistet, die zum Beispiel Fair-Trade-Lebensmittel für ihren eigenen Markt oder den Export in die Schweiz produzieren.
Auf Nachfrage bestätigte Silvio Krauss, Geschäftsführer von Oikocredit deutsche Schweiz, dass dabei keine Partner ausgeschlossen werden, die den Menschen vor Ort helfen – «und als Initiative des Ökumenischen Weltkirchenrates selbstredend sowieso keine Partner mit christlichem bzw. kirchlichem Hintergrund.»
Auskunft: Alternative Bank Schweiz, www.abs.ch

Der Weg in die Schweiz
Laut idea Spektrum vom 2.11.16 machte anfangs Februar 2015 eine ägyptische Schulklasse einen Klassenausflug. Einige der Teenager erlaubten sich unterwegs einen humorigen Sketch, der vom Lehrer mit seinem Handy gefilmt wurde. Die Videosequenz gelangte an die Öffentlichkeit. Die vier sechzehnjährigen koptischen Christen wurden in der Folge wegen Beleidigung des Islams zur Maximalstrafe von fünf Jahren verurteilt. Nach ihrer Flucht in die Türkei genehmigte das Staatssekretariat für Migration (SEM) zwecks Prüfung der Asylanträge ihre unkomplizierte Einreise in die Schweiz. Hier wurde anfangs September 2016 schliesslich ein idealer Betreuungsort gefunden.

Entwicklung in der Schweiz

Zu den besten Integrationshelfern in der Schweiz gehören die 370 christlichen Migrationsgemeinden in der Schweiz. Eine kürzliche Studie des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institutes (SPI) zeigt, dass mehr als 100 der untersuchten Gemeinden seit der Jahrtausendwende gegründet worden sind. Die meisten Migrationsgemeinden sind evangelisch, haben aber wenige Mitglieder. Die grössten finden sich im katholischen Raum und profitieren von den Strukturen der Mutterkirche. Laut der Studie umfassen sie mehrere tausend Mitglieder. Diese Gemeinden fördern nicht nur die eigenen Mitglieder sondern evangelisieren auch die Schweiz. Und bringen auch die oft «zu angepassten» und «kaum lebendigen» einheimischen Kirchen in Bewegung. Christen, die sich für die Unterstützung von Migranten kompetent machen wollen, können sich seit kurzem auch in der Schweiz zum «Integrationsbegleiter» ausbilden lassen1. Und für Menschen, die Flüchtlingen praktisch helfen wollen, leistet die Schweizerische Evangelische Allianz niederschwellige Unterstützung2.
www.interculturel.info; 2 www.flüchtlingen-helfen.ch

Der Weg zurück
Am wenigsten entwickelt ist das Anliegen, ausgebildete und neu motivierte Flüchtlinge für den Weg zurück zu motivieren – so weit dies die Umstände dort überhaupt möglich machen. Der Bund hat Rücknahme-Abkommen mit einzelnen Staaten getroffen. Er schickt Flüchtlinge – allerdings bereits in einer frühen Phase – zurück und leistet Hilfe zum Aufbau einer neuen Existenz. Christliche Initiativen für die Wiederaufbauhilfe nach einer Ausbildungszeit in der Schweiz fehlen nach unserer Kenntnis. Hoffnungszeichen gibt es aber innerhalb der betroffenen Länder. So wollten 140 muslimische Flüchtlinge aus dem irakischen Falludscha, die innerhalb des Landes eine Zuflucht und zum christlichen Glauben gefunden hatten, nach der «Befreiung» ihrer Heimatstadt mehrheitlich zurückkehren. Ihre Motivation: «Wir wurden gerettet; jetzt gibt Gott uns die Chance, andere zu retten1!»

1  Livenet vom 18.8.16

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