Film

«Das Wunder von Hudson» ist zum Gleichnis geworden

Daniel Gerber Die Bilder rauben einem den Atem, wenn sich der Airbus A320 in New Yorks Häuserschluchten senkt. Gnadenlos verfliessen die Sekunden, während die Crew des antriebslosen Jets mit äusserster Dringlichkeit nach einem Notlandeplatz sucht. Mit «Sully» ist die wahre Geschichte der Landung dieses Jets auf dem Hudson-River verfilmt worden. Der Held, Pilot Chesley «Sully» Sullenberger, hat Wurzeln in Wynigen im Schweizer Emmental.

Der Film «Sully» ist benannt nach dem Spitznamen des Piloten. Die Bilder rauben einem den Atem. Denn bei diesem Tiefflug mitten durch die pulsierende Grossstadt New York gibt es keinen Schub, mit dem sich die Maschine wieder den Wolken entgegenarbeiten könnte. Die Triebwerke sind ausgefallen, die Maschine befindet sich im Gleitflug und mit diesem lässt sich das Stadtende nicht erreichen – ein Plan B existiert nicht.

Keiner bleibt zurück
Tom Hanks, der Chesley Sullenberger mimt, behält die Übersicht, als er merkt, dass die beiden Triebwerke seines Jets wegen der Kollision mit einem Vogelschwarm ausgefallen sind. Im Tiefflug rast die Maschine über New York. In dramatischen Bildern wird gezeigt, wie sich der Flieger der «US Airways» immer tiefer hinein in die Häuserschluchten senkt. Dann kommt Tom Hanks der rettende Gedanke: der Hudson River!
Tatsächlich gelingt die spektakuläre Notwasserung. Die 155 Passagiere überleben unverletzt. Um sicherzugehen, dass niemand zurückbleibt, geht Sullenberger zweimal durch die sinkende Maschine und verlässt sie als letzter – die Presse feiert ihn als «Der Held von Hudson» und das Ereignis als «Das Wunder von Hudson».

Gott half mit
«Sully»-Drehbuchautor Todd Komarnicki zeigt sich tief inspiriert von Sullenberger. «Das Zentrum meiner Existenz ist der Glaube, durch ihn bin ich am Leben.» Deshalb bete er während des ganzen Tages: «Ich bete bevor ich schreibe, und ich bete während ich schreibe. Beides gehört für mich zusammen.»
Das «Wunder von Hudson» wurde mit einem Staraufgebot inszeniert. Als Regisseur tritt Clint Eastwood in Erscheinung. An der Seite von Tom Hanks arbeitet als Co-Pilot Aaron Eckhart («The Dark Knight», «London has fallen»), der Jeff Skiles mimt.
Todd Komarnicki spricht im Blick auf die Story von einem perfekten Beispiel dafür, wie Gott Menschen nutzt. «Gott arbeitet fortwährend in unseren Leben. Meistens merken wir nicht, dass seine Hand da ist. So kam er beispielsweise nicht ins Cockpit, um den Flieger selbst zu landen. Das tat Sully gemeinsam mit dem Co-Piloten.»

Wurzeln im Emmental
Pilot Sullenberger blickt auf Wurzeln im Emmental zurück, unweit von Burgdorf. Seine Vorfahren waren 1737 nach Amerika ausgewandert. Als Chesley Sullenberger rund zwei Jahre später in Interlaken (BE) am «Swiss Economic Forum» weilte, bescherten ihm die Behörden in Wynigen einen Empfang und zeigten ihm die Welt seiner Vorfahren.
Sullenbergers Grossvater war Farmer in Texas. «Als Knabe habe ich oft angepackt», erinnert er sich.
Von seinen Schweizer Wurzeln erfuhr er erst nach den Geschehnissen eingangs 2009. Ein Brief habe ihm vor Augen geführt, wie mit der Rettung der 155 Passagiere viele Generationen gerettet wurden. «Diese Geschichte hat hier angefangen», sagte er während seiner Ansprache in Wynigen. Ein wundersamer Weg!

Drei Allegorien für den Alltag
Hinter dem nun verfilmten Geschehen verbergen sich mehrere Allegorien. Auch im geistlichen Leben ergeben sich manchmal – sinnbildlich gesprochen – Turbulenzen, wenn «Vogelschwärme» die Triebwerke lahmlegen. Mit Gottes Hilfe braucht dies aber nicht das Ende zu sein. Wenn nötig kann durch eine Notlandung ein Neuanfang geschehen.
Ein weiteres Beispiel gibt Sully, wenn er zuletzt zweimal durch die Reihen geht, damit wirklich niemand ums Leben kommt. So handelt auch Gott: «Denn er will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen1.»
Regisseur Todd Komarnicki wünscht sich, dass die Kinobesucher hinterher überlegen, welches ihr «Sully-Moment» ist, denn überall gelte es, andern Menschen zu helfen: «Überall gibt es Notfälle. Obdachlose, Flüchtlinge, überall um uns herum sind Menschen, die leiden.»

 

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Daniel Gerber ist freier Journalist. Er berichtet unter anderem für livenet.ch über den christlichen Glauben, bei Open Doors über die verfolgte Kirche und für die Berner Zeitung und Blick über Eishockey.

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