Spiritualität

Grundhaltungen für die Spiritualität am Montag

Ruth Maria Michel Dies ist eine praktische Anregung, um mein Beziehungsgeflecht und das Mass meiner Ver-Bindlichkeiten mit Gott zusammen zu betrachten und Schlüsse zu ziehen: Wo will ich in welchem Masse verbindlich leben? Wo unverbindlich bleiben? 

Worum es geht

 

Ich nehme mir 3-10 mal eine halbe Stunde Zeit und lege ein grosses Blatt Papier, einen Bleistift und Farbstifte bereit.

Nichts raubt so sehr die innere Ruhe und Kraft als ungeordnete, nicht bereinigte Beziehungen. In den nächsten Tagen lasse ich mich deshalb in meiner «Stillen Zeit» dazu einladen, meine Beziehungen, die ich pflege – oder auch nicht pflege – anzuschauen.

 

Übung «Beziehungs-Weisen»

  • Auf dem Blatt zeichne ich in der Mitte einen Kreis und schreibe meinen Namen hinein.
  • Anschliessend notiere ich mit Bleistift um meinen Kreis herum Namen von einzelnen Menschen oder Gruppen, mit denen ich in Beziehung bin. 
  • Diejenigen, die mir näher stehen, notiere ich näher bei meinem Namen, die anderen Namen schreibe ich weiter entfernt auf das Blatt.
  • Je nachdem, wie die Beziehung geartet ist, kann ich sie mit Symbolen charakterisieren. Z.B. mit einem Blitz, wenn sie eher konfliktbeladen, mit einer dicken Linie, wenn die Beziehung eng oder mit einer gestrichelten Linie, wenn sie eher locker ist usw. ...

Ich betrachte das Geflecht meiner Beziehungen 

  • Was fällt mir auf?
  • Wie geht es mir dabei?
  • Welche Beziehungen / Ver-Bindungen sind bereichernd, auferbauend, kraftspendend ...?
  • Welche Beziehungen / Ver-Bindungen sind herausfordernd, lassen mich jedoch reifen ...?
  • Welche Beziehungen sind konfliktbeladen, Kraft raubend ...?
  • Verteilt über mehre Tage / Stunden lese ich die einzelnen Namen / Personengruppen laut – vielleicht schreibe ich Gedanken dazu:Was fällt mir zu dieser Beziehung ein?
  • Welches Gefühl habe ich, wenn ich an diese Person / Gruppe denke?
  • Stimmen jeweils Nähe / Distanz? Wie (zeitlich / psychisch / geistlich) intensiv ist die Beziehung?
  • Was können wir einander schenken?
  • Was wünsche ich mir für diese Beziehung?
  • Ich versuche, verteilt über mehrere Tage, mit Gott zu reden über jede Beziehung zu jeder Person / Personengruppe: dankend, bittend, klagend, fragend, segnend ...
  • Höre ich von IHM her etwas? 
  • Ist eine klar deklarierte Veränderung in dieser Beziehung nötig? – Vertiefen, verbindlicher gestalten, lockern, bereinigen, abbrechen ...
  • Ich beende jeweils die Zeit, indem ich die Menschen, mit denen ich in Ver-Bindung lebe, segne (=«gut rede» über sie, ihnen «das Gute von Gott her wünsche»).

 

Zusatzübung

  • Ich vergegenwärtige mir Menschen, mit denen ich gelebt habe bzw. lebe und prüfe, wer «etwas gegen mich hat» und gegen wen ich etwas habe ...Meine Bitten, Klagen, meinen Ärger ... und auch meinen Dank trage ich vor Gott. In mein Gebet nehme ich die Menschen hinein, mit denen ich es besonders schwer habe.
  • Will ich diese Beziehungen Jesus Christus hinhalten und Versöhnung erbitten, einen ersten Schritt der Versöhnung tun ...? Oft ist Versöhnung ein Weg, der Geduld braucht. Deshalb: Nicht zu schnell Gefühle der Wut, des Grolls beiseite schieben. Diese Gefühle zuerst einmal wahrnehmen, wahr sein lassen, annehmen und sie dann Jesus Christus hinhalten. Oft hilft es, diese Gefühle einmal einem Menschen gegenüber auszusprechen, z.B. im Begleit- oder Beichtgespräch. Dann Schritte der Versöhnung tun: Beichte. Evtl. dem betreffenden Menschen gegenüber ein Zeichen geben / Wiedergutmachung anbieten ...
  • Was bewegt mich am Schluss dieser Gebetszeit? Ich bete mit Psalm 103,2: «Lobe den Herrn meine Seele, ... der dir all deine Schuld vergibt und alle deine Gebrechen heilt.»
  • Kann ich diese Gebetszeit beenden, indem ich die Menschen, mit denen ich es schwer habe, segne? Im Segnen bekenne ich meinen Verzicht auf Rache. Ich gebe mein «Rechthaben» und meine Verletzungen, meine Wunden an Jesus Christus ab. Spüre ich Widerstand? Ist es noch zu früh? Oft ist es eine Hilfe, dies zusammen mit einem Menschen meines Vertrauens zu tun (evtl. im Begleitgespräch).

 

Ruth Maria Michel leitet als VBG-Mitarbeiterin das Ressort «Spiritualität und geistliche Begleitung». 

ruth.michel@STOP-SPAM.insist.ch 

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