Politik

Ein radikales «Leben in Fülle»

Philipp Hadorn

 

Seit «Fukushima» ist auch für Bürgerliche klar, was Linke und Umweltorganisationen schon seit Jahrzehnten predigten: Atomenergie ist ein Risiko, das eine Gesellschaft nicht tragen kann. Das Parlament bestätigte den Ausstieg aus der Atomenergie in alter und neuer Zusammensetzung klar.

24 Branchenverbände sagen heute Ja zur neuen Energiestrategie des Bundes, und nicht wenige Unternehmungen verlangen einen schnelleren Ausstieg. Zusammen mit den Umweltverbänden und der traditionellen Anti-AKW-Bewegung, zu der ich mich seit 1978 zähle, haben innovative Branchenverbände ein «Manifest der Wirtschaft – Macher der Energiewende» publiziert. Einzelne reaktionäre Kräfte blasen allerdings immer noch zum Gegenangriff, verunsichern zaudernde Bürgerliche und lamentieren etwas von längst widerlegten Energielücken.

Seit den 60-er Jahren wurde die Anti-AKW- und Friedensbewegung nicht nur an den traditionellen Ostermärschen von Christen aktiv mitgeprägt; heute sind unsere klar auf Christus hinweisenden Plakate weitgehend aus den Demonstrationszügen verschwunden. Schade!

Christen haben das Vorrecht, den Schöpfer persönlich erfahren und erleben zu dürfen. Besinnen wir uns doch gerade heute wieder auf unseren biblischen Grundauftrag zurück: unsern Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Geistliche Erneuerung wirkt sich unmittelbar in unserem Alltag aus, sie beeinflusst unsere Gewohnheiten und führt unweigerlich zu politischem Bekennen und Handeln. 

Haben wir etwas verpasst oder verschlafen? Gottes Gnade ist bereit. Jetzt ist für Christen ein «Wake up» dran, gefolgt von einem «Get ready»! Dies beinhaltet mehr als einige berauschende Konferenztage: Es geht um einen verbindlichen, radikalen Lebensstil – wie er uns von Christus gelehrt und verheissen worden ist. Das ist «ein Leben in Fülle»!


Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch  

To top

Politik

Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht?

Erich von Siebenthal

 

Der Militärdienst soll freiwillig werden. Die Initiative zur Aufhebung der Wehrpflicht kommt dieses Jahr zur Abstimmung. 

«Niemand kann verpflichtet werden, Militärdienst zu leisten.» Mit diesem Satz soll die Bundesverfassung (BV) im Artikel 59, Absatz 1 geändert werden. Das tönt verlockend. Wenn wir aber genau hinsehen, was das bedeuten würde – und das müssen wir – würden wir mehr verlieren als gewinnen.

Die Militärdienstpflicht ist Teil unseres sicherheitspolitischen Konzeptes. Sie ist eng verknüpft mit dem Auftrag der Armee, wie er in Artikel 58 der BV beschrieben ist. Die Armee steht im Zentrum dieser Sicherheitspolitik, sie ist auf dem Milizprinzip aufgebaut. Bei einer Umsetzung der Initiative ist dieser Auftrag nicht mehr erfüllbar. Mit dem Ersatzdienst sind wir dem Anliegen, auswählen zu können, schon sehr weit entgegen gekommen. Die Initiative geht klar in Richtung Abschaffung der Armee, Freiwilligkeit ist hier absolut fehl am Platz.

Die allgemeine Wehrpflicht garantiert, dass die Armee ein Abbild der Bevölkerung ist. Im Gegensatz zu einer freiwilligen Miliz. Diese würde sich sehr stark nach der allgemeinen Wirtschaftslage richten. Verbunden mit der Gefahr, dass plötzlich Soldaten für die Sicherheit einstehen würden, die in der Akzeptanz bei der Bevölkerung Probleme machen könnten: Leute aus dem linken oder rechten extremen Spektrum – Patrioten oder Rambos.

Da unsere Armee immer eine Verteidigungsarmee ist, wäre bei einem allfälligen Einsatz die Bevölkerung auch betroffen. Bevölkerung und Armee müssen deshalb einander vertrauen können. Mit der allgemeinen Wehrpflicht kehrt der Soldat, der Militärdienst leistet, nach dem Dienst wieder zu seiner Familie und an seinen Arbeitsplatz zurück. Das gegenseitige Verständnis und Vertrauen werden so gestärkt.

Die Allgemeine Wehrpflicht in der Milizarmee ist nicht einfach eine Idee von gestern. Nein, sie ist das einzige Instrument, bei dem Aufwand und Ertrag für unser einzigartiges Land übereinstimmen – auch in Zukunft.

 

Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

To top