Naturwissenschaften

Der Klimawandel und unser Verhalten

Konrad Zehnder Das Klima verändert sich. Das ist unbestritten. Doch was hat dies mit dem Menschen zu tun? Diese Frage wird heute von vielen Wissenschaftlern untersucht und debattiert. Auch wenn die Ergebnisse einige Fragen offen lassen – wir sind herausgefordert, mit den Risiken verantwortungsvoll umzugehen.

Im Swiss Bulletin für angewandte Geologie1, das sich kürzlich dem globalen Klimawandel gewidmet hat, schreiben die Editoren D. Bollinger und U. Seemann: «Die Auseinandersetzung dazu nimmt nicht selten ideologische und gar religiöse Züge an. Wer hat schlagende Evidenzen, wer irrt? Das Thema ist dermassen vielschichtig, dass es wohl von kaum einer Person in seiner immensen Komplexität verstanden werden kann. Dass sich das Klima ändert, dies allein wird kaum bestritten, wohl aber die Frage, in welchem Ausmass der Mensch dazu beiträgt.» Das Heft möchte einen Überblick über den heutigen Wissensstand und eine ausgewogene Einsicht in die Kontroverse zum Klimawandel vermitteln und so zu einem konstruktiv kritischen Fachdialog anregen. Anlass dazu war der IPCC-Bericht «Climate Change 2013»2.

Einige Fakten aus dem IPCC-Bericht

Die seit 1850 gemessene globale Erwärmung ist eindeutig nachgewiesen. Sie beträgt – bezogen auf die Oberflächentemperatur der ganzen Erde (Land und Wasser) – mehrheitlich um 0,8°C mit gebietsweisen Schwankungen von –0,6 bis +2,5°C3. Die Erwärmung korreliert mit der globalen Zunahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Diese korreliert ihrerseits mit der Menge an verbrannten fossilen Treibstoffen plus dem durch Landnutzungsänderungen freigesetzten CO2.
Die Auswirkungen auf das natürliche Ökosystem sind vielfältig: Extreme Wetterereignisse wie Stürme, Regenmengen, Sturmfluten und Dürreperioden nehmen zu, die Gletscher und Polkappen-Vereisungen nehmen ab und die Meere werden saurer, da ca. 30% des anthropogen, d.h. vom Menschen produzierten CO2 – das sind 240 von bisher gesamthaft 555 Gigatonnen Kohlenstoff – vom Meerwasser absorbiert wurden4.
Der menschliche Einfluss ist laut dem Bericht klar. So jedenfalls lautet der wissenschaftlich breit abgestützte Konsens. Er bewegt sich im Spannungsfeld zwischen zwei sich gegenüberstehenden Extremen: jenen, die den Klimawandel verharmlosen oder den menschlichen Einfluss leugnen, und jenen, die vor der unmittelbar bevorstehenden Klimakatastrophe warnen. Obwohl keine abschliessende Beurteilung zu diesem hochkomplexen Themenkreis möglich sei, bekräftigen Bollinger und Seemann die Empfehlung der Geologischen Gesellschaft von London: Im Licht der heutigen Erkenntnis ist es unklug, weiterhin grosse Mengen von CO2 in die Atmosphäre abzugeben.
Dies ist eine lapidare Schlussfolgerung aufgrund der riesigen Mengen von erhobenen Daten. Allein für den fünften, rund 2000 Seiten starken IPCC-Bericht haben ca. 600 Autoren aus 32 Ländern von 2007 bis 2013 etwa 9200 Fachartikel geschrieben.

Was ist zu tun?
Was folgt daraus? Jetzt kommt eigentlich das Handeln, beziehungsweise das Beten und Handeln, das Handeln nach Gottes Willen5. Hier und jetzt sind wir dazu aufgefordert, mit bruchstückhafter Erkenntnis umzugehen. Der Dialog zwischen kontroversen Ansichten, das Ringen um Erkenntnis und Wahrheit geht weiter. Kollektive Welt-Erkenntnis wird auf einem langen Weg durch die Jahrtausende erworben. Das ist manchmal herrlich, manchmal aber auch mühsam. Wir können diesen Weg im Licht der biblischen Verheissung auf jenes zukünftige Sein gehen, in dem dieses Ringen überwunden ist und die volle Wahrheit erkannt werden kann.

1  Vol. 18/2, 2013
www.ipcc.ch/report/ar5
3  In der Schweiz beträgt die von 1864 bis 2010 gemessene Erwärmung 1,7°C (www.bafu.admin.ch/klima/00469/00810/?lang=de) oder kurz: (www.bafu.admin.ch/klima/)
4  Diese primären Änderungen lösen ihrerseits eine Kette von weiteren Änderungen in zahllosen vernetzten, grösseren und kleineren Ökosystemen aus. Ein immer wieder für Aufregung sorgender Effekt ist die weltweite Zunahme von Wald- und Buschbränden. Vom BAFU werden als Folgen des Klimawandels für die Schweiz u.a. schwindende Schneereserven, Zunahme von Niedrigwasser, Zunahme der Erosion, Abnahme der Bodenfeuchte und Humusabbau genannt.
5  siehe Beitrag von Dorothea Gebauer «Tun, was Gott will» im Magazin INSIST 1/14

 

Dr. Konrad Zehnder ist Geologe.
ko.zehnder@STOP-SPAM.bluewin.ch

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