Politik

Jesus lehrt «soziale Verbindlichkeit»

Philipp Hadorn

 

Sie kennen die Geschichte aus der Bibel: Morgens engagiert ein Gutsherr für die Arbeit auf seinem Weinberg auf dem Markt Tagelöhner für einen «Denar». Dies reichte zur damaligen Zeit für 10 bis 12 Fladenbrote oder 3 bis 4 Liter Weizen. Das Existenzminium lag bei 200 Denar im Jahr, d.h. für einen Taglöhner reichten die verbleibenden 200 Arbeitstage nach Abzug von Sonn- und Feiertagen gerade zum Lebensunterhalt.Der Arbeitstag im Weinberg dauerte vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, also 12 Arbeitsstunden. Im Dreistundentakt ging der Gutsherr auf den Marktplatz, um weitere Arbeiter zu rekrutieren. «Was Recht ist», stellte er den «Spätbeginnern» als Lohn in Aussicht.Jesus erzählt dieses Gleichnis in Matthäus 20. Der Hausherr hält sein Lohnversprechen verbindlich ein: Für einen Tag gibt es einen Denar. Zum allgemeinen Erstaunen beinhaltete die Auszahlung unter dem Titel «Was Recht ist» aber den gleichen Lohn für alle, selbst bei Arbeitsbeginn eine Stunde vor Feierabend.Was bedeutet dieses Gleichnis? Wir lesen etwas vom Einkommensverhältnis: Offenbar gewährte der Gutsherr ein Lohnverhältnis von 1:12. Wollte der Gutsherr mit einem Denar schlichtweg die Existenz eines jeden Arbeitenden sichern? Lehrt Jesus die Existenzsicherung als biblischen Mindestlohn?In Kürze stimmen wir über die Mindestlohninitiative ab. Mit mindestens 4000 Franken im Monat soll in unserem Land Vollzeitarbeitenden die Existenz gesichert werden. Über 300’000 Menschen in der Schweiz verdienen heute trotz einem 100%-Job weniger. Lehrte Jesus im Gleichnis gar die Einhaltung des gleichen Mindestlohnes bei Teilzeitarbeitenden? Soll auch ihnen der «lebensnotwendige Denar» pro Tag zukommen? Nehmen wir den Auftrag zu mehr Lohngerechtigkeit und Existenzsicherung ernst? Solche Verbindlichkeit lässt sich mit Verfassung und Gesetz nageln. Schön, wenn Gottes Ordnungen sich auch in unseren Gesetzen niederschlagen!

 

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch

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Politik

Das Gebet – die Kraft für unser Land

Erich von Siebenthal

 

Das Weltgeschehen wiederholt sich leider immer wieder. Das jüngste Beispiel ist Syrien. Macht, Hass und Rache schüren den Krieg mit grösster Brutalität, auch im 21. Jahrhundert. Ähnlich erschreckend sind die Nachrichten aus dem Iran und aus Ägypten. Aber auch aus Italien kommen Nachrichten über Zwangsschliessungen von christlichen Versammlungsräumen. Die Liste dieser Länder könnte man leider noch viel länger machen. In all diesen Entwicklungen sind die christlichen Minderheiten jeweils mehr betroffen als die andern Volksgruppen. Welche Verantwortung trägt hier unser Land?Ich stelle fest, dass sich unsere Regierung dem christlichen Glauben gegenüber immer mehr neutral verhält. Ich stelle aber auch fest, dass es in unserem Lande immer noch eine gute Anzahl lebendiger Christen gibt, die für unsere Regierung beten, und das ist ermutigend. Bei Begegnungen mit ihnen freue ich mich immer wieder von Herzen.Denn unabhängig davon, woher wir kommen, bzw. in welcher Aufgabe, Partei oder Position wir uns befinden, im lebendigen Glauben sind wir miteinander verbunden.Ist das nicht ein grosses Vorrecht?Unser Land steht vor grossen Herausforderungen, man könnte eine lange Liste erstellen.Dass unser Land bis heute vor so vielem verschont wurde, ist nicht unser Verdienst, sondern Gnade. Stehen wir deshalb weiter ein für unsere Regierung. Auch ich erlebe es jeden Tag, welche Geborgenheit das Gebet im Dschungel der Entscheidungen gibt, die man zu treffen hat. Das Gebet ist auch in Zukunft die Kraft für unser Land. Halten wir deshalb fest daran.

 

Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

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