Transformation

Der Steinbacher Weg und seine Folgen

Hanspeter Schmutz Karl Sieghartsleitner1 und das Modell seines «Steinbacher Weges» haben in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten einiges ausgelöst. Im Folgenden sollen einige Wirkungen zusammengefasst werden. Nicht zuletzt auch als Dank an den ex-Bürgermeister von Steinbach.

Der deutsche Theologe Wolfgang Bittner brachte mit einem Brief an verschiedene gesellschaftlich engagierte Christen in der Schweiz das Thema «Steinbach» erstmals zur Sprache. Darauf konnte ich als Redaktor der VBG-Zeitschrift «Bausteine» in Bern zu einem Informationsabend einladen, dem rund 30–50 Parlamentarier und weitere Interessierte folgten. Einer der Referenten war auch Urs Kaltenrieder, Teilhaber der Firma Aspos, der den Steinbacher Weg in der Schweiz auf der säkularen Schiene weiterverfolgte, u.a. mit der modellhaften Integration von Kindern aus sozial geschwächten Zürcher Familien in «gesunde» Familien im emmentalischen Eggiwil.

Reisen nach Steinbach

In der Folge unternahmen vom 5. bis 7. September 1997 sechs Teilnehmer aus der Schweiz eine erste Studienreise nach Steinbach. Weitere folgten im Jahr 2000 (16 Teilnehmer) – verbunden mit der Verleihung des Goldenen Bausteins an die Gemeinde Steinbach – und im Jahre 2006 (7 Teilnehmer). Bei dieser Reise war auch Kurt Enderli dabei, damals ganz neu Gemeindeammann der thurgauischen Gemeinde Wilen bei Wil. Er setzte den Steinbacher Weg in den folgenden Jahren konsequent in seiner Gemeinde um. Im Jahr 2007 folgte eine weitere Reise nach Steinbach (8 Teilnehmer), die ins Programm der damaligen VBG-Abendschule eingebettet war. In diesem Rahmen wurden verschiedenste Kurse in Bern und Zürich durchgeführt – und zusammen mit weiteren Anbietern (etwa dem TDS Aarau) auch an andern Orten. Damit konnten wohl über 500 Menschen erreicht werden. Eine letzte Reise nach Steinbach erfolgte im Jahr 2014. Die acht Teilnehmenden konnten nochmals von den Vordenkern des Steinbacher Weges profitieren und sich von ihnen anregen lassen.

WDRS-Netzwerk
Gemäss dem Motto «Steinbach kapieren, nicht kopieren» konnte das Institut INSIST in der Schweiz ein Netzwerk für «Werteorientierte Dorf-, Regional- und Stadtentwicklung» (WDRS) aufbauen, zu dem zur Zeit 155 Newsletter-Empfänger gehören. In unregelmässigen Abständen fanden WDRS-Treffen und Seminare statt, u.a. in Bern, Zürich, Bubendorf BL, Oberdiessbach BE, Wilen TG und Winterthur, in denen WDRS-Prinzipien von Fachleuten vorgestellt und (meist) in Workshops umgesetzt wurden. Parallel dazu luden immer wieder Kirchen und Freikirchen dazu ein, den WDRS-Ansatz vorzustellen. Das ging von der Predigt über Predigtwochen bis hin zu Abend- oder Wochenendseminaren. Mit diesen Angeboten wurden vermutlich über 2000 Menschen erreicht.

Politische Beratungen
In grösseren Abständen war es auch immer wieder möglich, politische Gemeinden punktuell zu beraten. An der 1. Wiler Impulstagung trafen sich 2007 über 200 politische Akteure, um u.a. den Ausführungen von Karl Sieghartsleiter, Kurt Enderli und dem INSIST-Geschäftsleiter zuzuhören. Im gleichen Jahr folgte der Umsetzungsprozess in Wilen, an dem das Institut INSIST mitwirken durfte. Im Jahre 2012 wurde der «Werteorientierte Gemeindebarometer»2 entwickelt. Er spiegelt die WDRS-Prinzipien in 97 Indikatoren und erlebte seine Feuertaufe in Wilen. Dort wurde er von ca. 15 Gemeindevertretern aus der Ostschweiz getestet.

Entwicklungen vor Ort

Für mich persönlich am eindrücklichsten sind aber die Anwendungen, die ich in Oberdiessbach miterleben durfte. Das begann mit einem Vortrag vor Schlüsselpersonen aus der Gemeinde, zu dem der Gemeinderat eingeladen hatte, gefolgt von einem Input an einer Klausur des Gemeinderates. Unterdessen kann ich als Gemeinderat noch direkter Einfluss nehmen auf die werteorientierte Dorfentwicklung vor Ort.
Kurz und gut: Der Beitrag des Instituts INSIST war wohl vor allem ein Säen von Ideen. Das führte zu wertvollen Früchten, die bis heute nachhaltig weiterwirken.


1  siehe «Trendsetter» auf S. 38
www.dorfentwicklung.ch 

 

Hanspeter Schmutz ist Publizist und Leiter des Instituts INSIST

hanspeter.schmutz@STOP-SPAM.insist.ch  

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