Medien

Journalismus zwischen Krieg und Explo

Thomas Hanimann Im vergangenen Jahr sind weltweit 110 Journalisten getötet worden, davon 67 wegen ihres Berufs. Bei den anderen 43 Getöteten konnte das Motiv nicht eindeutig ermittelt werden. Zu den gefährlichsten Gegenden für Reporter gehörten neben den Kriegsregionen Irak, Syrien und Jemen auch Frankreich, besonders nach dem Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo».

Journalisten leisten oft einen hohen persönlichen Einsatz für eine transparente und präzise Berichterstattung. In manchen Fällen ist dies offensichtlich riskant. Dies gilt besonders für Krisen- und Kriegsgebiete. Manchmal wird es völlig unmöglich, als Journalist zu arbeiten. In Aleppo mussten nach der Eroberung durch den IS 60 Medienschaffende fliehen. Aus der Stadt gibt es seither kaum noch gesicherte Informationen. Das ist für die Informationssituation gegen aussen und besonders für die noch dort lebenden Menschen dramatisch. Sie verlieren eine wichtige Stimme und ihre notvolle Situation wird in der Aussenwelt kaum noch wahrgenommen.

Flüchtlinge in den Medien
Die Debatte um die Migration und die Probleme mit Flüchtlingen ist seit einigen Monaten das grosse Thema in den Medien. Das ist einleuchtend. Je nach Artikel stehen die Solidarität der Bevölkerung mit den tausenden von Menschen auf der Flucht, die grosse Verunsicherung und Ängste in der Bevölkerung, die praktischen Herausforderungen für die Verantwortlichen oder die Ursachen der Migrationsbewegung im Vordergrund. Wie verträgt ein freiheitliches Land die derzeit stattfindende Migrationsbewegung? Dieser Frage müssen sich die Medien heute stellen. Antworten gibt es noch wenige. Gerade hier zeigt sich die grundsätzliche Bedeutung der Medien in einer freiheitlichen Gesellschaft, aber auch die Wichtigkeit einer verantwortungsbewussten Berichterstattung. Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) hat sich früh mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt. Im Januar dieses Jahres konnte dank grosser Solidarität von Spendenden im Internet eine Stelle für Migrationsbegleitung geschaffen sowie eine Webseite1 mit praktischen Tipps aufgeschaltet werden. Diese Aktionen haben auch die Medien interessiert, wodurch das Engagement von vielen Christinnen und Christen aufgezeigt werden konnte.

Erfolgreiche Kommunikation rund um die Explo 2015

Die Explo in Luzern über den Jahreswechsel hinterliess auch in den Medien viele Spuren. Die Luzerner Zeitung und andere regionale Medien berichteten ausführlich über den von Campus für Christus organisierten Grossevent. Im katholischen Stammland fragte man sich, warum ein solches Grossereignis nicht auch in der katholischen Kirche inszeniert werden kann. Gerade im Fall der Explo hat sich auch gezeigt, dass es sich lohnt, die Kommunikation gegenüber den Medien sorgfältig zu planen und anzugehen. Journalisten stellen sich immer die gleichen Fragen: «Was meinen die Landeskirchen dazu? Welche Haltung besteht zu Sex vor der Ehe und Homosexualität? Warum braucht es ein so lautes Spektakel?» Der Journalist der Online-Zeitung «zentral+» steuerte zum Thema der «frommen Sprache» einen bedenkenswerten Gedanken bei: «Vielleicht ist es gerade das, was teilweise befremdend wirkt. Wenn jemand in einer Zeit, in der die Angst vor religiösem Fundamentalismus so gross ist wie kaum zuvor, auf der Bühne steht und wiederholt betont, dass nichts mächtiger sei als das vereinte Christentum und dass das Reich Gottes geschaffen werden soll, kann das irritierend wirken.» Reich Gottes – wir nehmen hier den Begriff noch einmal auf – entsteht auch irgendwie in den Medien. Mir kommt da das Gleichnis von Jesus in den Sinn: Das Reich Gottes gleicht einem Journalisten, der eine schöne Perle suchte. Als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er auf die Redaktion, verzichtete auf den Feierabend und schrieb auf, was er gefunden hatte2.

flüchtlingen-helfen.ch
2  nach Mt 13, 45-46

 

Thomas Hanimann ist Medienbeauftragter der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA).

thomas.hanimann@STOP-SPAM.insist.ch 

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