Politik

Solidarität ohne Grenzen

Philipp Hadorn

Sind Sie Schweizer oder Schweizerin? Haben Sie einen EU-Pass? Oder zählen Sie sich zu einer anderen Nationalität? Für die ersten Christen war die Nationalität schon bald keine Frage mehr.
Sie zogen ausser Lande, um das Evangelium Christi zu verkünden. Die Apostel sammelten gar Geld im Ausland für die verarmte Gemeinde in Jerusalem. Die grenzüberschreitende Solidarität zeigte etwas auf: Gemeinsame Regeln, gegenseitige Unterstützung und inhaltliche Auseinandersetzungen – hier zum Spannungsfeld «Glauben und Leben» – gehören eng zusammen.
Die Europäische Union (EU) mag an Ausstrahlungskraft verloren haben. Auffallend sind die unterschiedlichen Lebensverhältnisse in den Mitgliederländern. Von einzelnen Parteien wird der Exit proklamiert und der Nationalismus nimmt zu.
Der kulturelle und wirtschaftliche Austausch hätte eigentlich Wohlstand für alle bringen sollen, und nun kommen gesellschaftliche und ökonomische Differenzen deutlich zum Vorschein. Bei der Auseinandersetzung, nach welchen Prinzipien und Regeln Staat und Wirtschaft funktionieren sollen, tauchen Widersprüche auf: Soll der Glaube an den Wettbewerb oder die gegenseitige Unterstützung die Zukunft Europas prägen?
Die abendländische Kultur hat ein christliches Erbe. Die Anerkennung von Gleich- und Andersdenkenden lässt sich gerade auch mit dem christlichen Bekenntnis begründen. Es findet einen Ausdruck in Menschenrechten, persönlichen Freiheiten und sozialem Ausgleich.
Generation für Generation erleben wir das Hinterfragen der internationalen Zusammenarbeit. Bündnisse werden eingegangen, um Frieden zu sichern, Märkte zu erschliessen, Not zu lindern und persönliche Vorteile zu ergattern. Der Motivationen sind viele.
Ich bin überzeugt, dass Christen auch ihre nationale Identität bewahren dürfen. Gleichzeitig sollten sie die Stärke haben, auch andere Identitäten zu achten und zu respektieren. Diese Offenheit kann zu Verunsicherungen führen. Austausch und Solidarität mögen etwas kosten. Aber der Mut zur Nachfolge und Jüngerschaft auch in der Begegnung mit dem Nächsten hat eine Verheissung, welche jeden Aufwand wettmacht: Das ist nichts weniger als erlebte Gnade!

 

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch

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Politik

Energiestrategie 2050 — eine grosse Herausforderung

Erich von Siebenthal

 

Als Bergbauer bin ich tagtäglich auf Energie angewiesen, wie auch an der Bergbahn, wo ich Betriebsleiter sein darf. Ohne Energie geht nichts mehr, oder anders gesagt: Das Leben im Alltag würde ganz anders aussehen.
Wir können und wollen das Rad nicht zurückdrehen. Wir müssen uns mit der Erzeugung und Verteilung von genügend Energie auseinandersetzen. Die Meinungen, wie das angegangen werden soll, gehen auseinander. Ohne AKWs bricht die Versorgung zusammen, und es entsteht eine grosse Abhängigkeit vom Ausland, argumentieren die einen. Die andern sagen, dass wir genügend Potenzial hätten und das alles kein Problem sei.
Für mich ist klar: Es muss unser Ziel sein, dass wir von den AKWs wegkommen. Dies muss aber mit einer klaren Strategie angepackt werden. Zu dieser Strategie gehört, dass wir unsere Möglichkeiten zur Produktion von erneuerbarer Energie mit Vernunft ausschöpfen. Wir haben Potenzial in der Wasserkraft wie auch in der Biomasse. Wir können zum Beispiel Holz zum Erzeugen von Wärme nutzen, aber auch auf die Energie aus der Fotovoltaik und Windenergie setzen. Es ist zu erwarten, dass die Forschung uns neue Möglichkeiten aufzeigen wird.
Die Entsorgung und Endlagerung der AKW-Abfälle ist bis heute nicht gelöst und wird auch in Zukunft nicht gelöst werden können. Daher sollten wir aus Rücksicht auf unsere Nachkommen den Ausstieg aus der Atomenergie angehen. Wo und wie kann der Abfall aus AKWs über Jahrhunderte hinweg unter Kontrolle gehalten werden? Bei einer Vollkosten-Rechnung zeigt sich rasch, dass diese Kosten und Risiken bedeutend höher sind als die Kosten für den Ausstieg.
Daher unterstütze ich die Energiestrategie 2050. So können wir in unserem Land Atom-Energie produzieren, bis vom ENSI das Abstellen der AKWs verordnet wird. Das Abstellen der AKWs bei gleichzeitigem Import von Atomstrom aus dem Ausland ist für mich kein Atomausstieg.
In diesem Sinn sind auch die Massnahmen zur Reduktion des Verbrauchs sehr wichtig. Packen wir es an!

Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

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