Glosse

Von Gletschern, Bewahrung und Segensströmen

Thomas Hanimann Im kleinen Alpenland, wo sich Menschen mit vier Landessprachen urdemokratisch zusammengefunden haben, kam es vor 10 Jahren zu einer folgenschweren Verwechslung: Als nämlich am 8. Februar 2004 die Verwahrungsinitiative von einer deutlichen Mehrheit angenommen wurde, waren wohl viele Ja-Stimmende der Überzeugung, es gehe nicht um Verwahrung, sondern um Bewahrung. Jawohl, Bewahrung, das braucht man in so unsicheren Zeiten, in denen Gletscher schmelzen, Richter Straftäter wieder laufen lassen, Ausländer unkontrolliert über die Grenze kommen und Arbeitsplätze verloren gehen. Bewahrung ist der Grundsatz, der gleich zu Beginn unserer Bundesverfassung stehen sollte: «Artikel 1 – Wir, Schweizerinnen und Schweizer bewahren – immer.»

 

Bewahrung von uns selbst, unseres Landes, unserer Seen, Berge und Flüsse, unserer Uhren und auch unseres Himmels. Ja, auch das ist ja hinlänglich bekannt. Als Schweizer sind wir dem Himmel am nächsten. Von unseren Viertausendern fliessen Ströme in alle Welt. Stolze Gewässer wie der Rhein, die Rhone und der Inn, knapp neben unserer Grenze auch noch die Donau und der Po. Klare Segensströme, in denen sich die Schöpfung Gottes widerspiegelt. Niemals schmutzige Gewässer wie der Ganges oder der Nil. An unseren Flüssen und Seen baut man schliesslich nicht Minarette oder gar heidnische Tempel, sondern Kirchtürme. Ein Segen für andere sein – das ist die Berufung, die Gott seinen beiden Völkern gegeben hat: Israel und der Schweiz.

Selbst die Patrouille Suisse soll sich erfolgreich gegen Minarette gewehrt haben. Bei halsbrecherischen Flügen ihrer Piloten sind diese schlanken Gebets-Türmchen noch gefährlicher als unsere AKWs. Nun gibt es neuere, der Schweiz unwürdige Stimmen, die fordern, auch die Kirchtürme und mit ihnen zusammen noch die entvölkerten Kirchen abzubrechen. Solche Freidenker haben allerdings nicht mit dem Schweizer Heimatschutz gerechnet. Dieser beharrt darauf, dass auch leere Gemäuer weiterhin schweizerisches Kulturgut und damit ein Stück Heimat sind.

Die Segensströme lassen wir aus der Schweiz immer stärker über Europa, ja über die ganze Welt fliessen: Schliesslich haben wir den Alpsegen, die Schweizergarde, das Schweizerkreuz und die Schokolade. Das ist unsere Heimat. Und wir sind dabei grosszügig. Neben der Wasserkraft kommen auch Wunderpillen von der Stadt am Rhein und verbreiten sich über die ganze Welt, zugegeben – für Familien in Indien und Afrika ein teurer Segen. Und gerne geben wir Schwarzgold aus der Limmatstadt dazu und etwas Quecksilber ins Wasser der Rhone.

Einverstanden, manchmal weisen unsere Flüsse einen bedenklich niederen Wasserstand auf, unsere Bäche drohen zu versiegen und die Fische auszusterben. Da bleibt nur eines: Wir fördern den Verkehr zu Land, Wasser und in der Luft. Damit können wir die Gletscherschmelze beschleunigen. Und unsere Nachbarländer haben wieder genügend Wasser – bis zum Überfliessen. Eine weitere Form unserer Nächstenliebe.

Vergessen wir bei aller Liebe zum Nächsten aber nicht uns selbst und unsere Heimat. Und was Heimat ist, bestimmen wir selbst. Am liebsten mit dem Ur-Recht jeden Schweizers – dem aufrechten Gang an die Urne: Da bestimmen wir, was die Schweiz ist und was sie nicht sein darf. Wir akzeptieren weder fremde Richter über uns – und das gilt seit 1291 – noch die Einschränkung unserer Neutralität, weder sächsische oder norddeutsche Stimmen am Radio und schon gar nicht den Blick in unsere Lohntüte. Zu unserer Heimat gehören Kuhglocken, Jodlerfeste und Roger Federer mit seinem Schweizer Standort-Marketing von Melbourne bis Shanghai.

Und zu unserer Schweiz gehört ein Kreuz auf jedem Berggipfel. Es kündet von unserm Glauben und dem uneingeschränkten Recht auf unsere Heimat. Als freie und unabhängige Bürger wollen wir selber bestimmen, was mit unsern Gletschern geschieht. Bewahre uns Gott: Wir verwahren uns gegen jede Einmischung!

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