Musik

Versteckte Gesichter Gottes

Jean-Daniel von Lerber Am Dienstag kam das Mail meiner Frau: «Habe zwei Tickets für ZAZ Konzert heute Abend in der Maaghalle gewonnen! Kommst Du mit?» Natürlich nahm ich gerne an. Der Abend war die erste Überraschung einer überaus farbenfrohen Kulturwoche.

 

ZAZ – eines der erfolgreichsten jungen Talente Frankreichs – hat die mit 3000 Besuchern ausverkaufte Maaghalle begeistert. Ihre Lebensfreude, die tolle Stimme, ihre hochkarätigen Begleitmusiker verzauberten das Publikum mit den zum Teil jazzigen Chansons. Nach zwei, drei Liedern dann eine unerwartete Zwischenansage: «Erlaubt mir hier ein persönliches Statement, das mir sehr wichtig ist. Ich habe gelernt, dass man erst dann, wenn man anderen vergeben hat, auch sich selber vergeben und so Freiheit erleben kann.» Später dann, nur begleitet von einer Gitarre der Titel «Si». Dabei geht es um den Traum von einer besseren Welt, den wir mit unseren beiden Händen, unserer Stimme, den Tränen und dem Herzen ein klein wenig in die jetzige Welt hineintragen können.
Am Mittwoch begleitete ich Dimitri als sein Agent ins Schauspielhaus Zürich zu seinem Benefizauftritt, und am Donnerstag schloss mein Verwandter Joel von Lerber sein Musikstudium als Harfenist an der Hochschule der Künste mit einem Masters-Rezital ab, das von der Jury die Bestnote erhielt!

Ausserordentliche Begegnung

Am Freitag dann die zweite Überraschung. Am Abend warteten zwei Freikarten an der Kasse des Volkshauses Zürich auf meine Frau und mich: «Hermann van Veen – Wunschkonzert!» Zwar kannte ich den Namen, doch erst heute kam es zur ersten «LIVE-Begegnung» mit diesem ausserordentlichen Künstler aus Holland.
Wir waren begeistert. Die Poesie, die Nuancen der Arrangements. Van Veen spielte selber Violine, manchmal Klavier und wurde begleitet von klassischer Gitarre, einer 2. Violine, einem Bläser, der diverse Saxophone und Klarinetten abdeckte, einem Perkussionisten und seinem langjährigen Pianisten, Erik van der Wulff. Sein souveränes Auftreten war, vereint mit seinen menschlichen und nachdenklichen Texten, eine Entdeckung für uns! In seinem Buch und der gleichnamigen CD «Lieber Himmel» setzt sich van Veen mit Themen aus der Bibel auseinander. Sein Gott sei, sagt er, nicht erklärbar. Er glaube mehr den Dingen, die er nicht verstehe, als jenen, die sich erklären liessen. Der bald 70-Jährige ist ein Künstler, der die Menschen liebt, der über den Tod, die Alltäglichkeiten und kindlichen Themen gleichermassen singt und der unmissverständlich festhält, dass die Liebe das Grösste sei. An einer Stelle sagt er gar: «Der ist doof, der das nicht glauben kann.»

Erlebte Barmherzigkeit
Sonntagmorgen – Gottesdienst. Thema «Barmherzigkeitsdienste». Gott sucht Hände, Beine, Menschen, die ihrem Glauben ein Gesicht geben. Wir hören immer wieder Berichte, wie Menschen durch erlebte Barmherzigkeit berührt wurden und so zu Christus fanden. Konkret heisst das im Fall dieser Gemeinde, dass sie eine Veranstaltungsreihe durchführt mit dem Ziel, sich zurüsten zu lassen und praktische Projekte ins Leben zu rufen, um der Stadt zu dienen. Zum Beispiel eine Essensausgabe, Betreuung, Nachbarschaftshilfe etc.
Damit setzt sie um, was schon die Lausanner Erklärung vor 40 Jahren festhielt: «Das Heil, das wir für uns beanspruchen, soll uns in unserer gesamten persönlichen und sozialen Verantwortung verändern. Glaube ohne Werke ist tot.»
Mir scheint, als habe Gott im Laufe dieser Woche viele seiner Gesichter und Farben aufleuchten lassen. Manchmal mit einem Augenzwinkern, manchmal ganz fein, dann wieder eindringlich. Menschen wurden dadurch erfreut, berührt und inspiriert. Das geschieht gerade durch Künstler immer wieder – ich denke, mehr als wir vermuten. Auch durch solche, die man keiner christlichen Kirche zuordnen kann.
Da «draussen» machen sich viele Menschen Gedanken – mehr als wir glauben. Wenn wir Glauben im Lichte des «richtigen» Lebens zur Sprache bringen, stossen wir meist auf Gehör. Besonders wenn wir so sprechen, singen und schreiben, dass es für die Menschen eine Bedeutung hat.

 

Jean-Daniel von Lerber ist seit 30 Jahren Kulturagent; er leitet PROFILE Productions in Richterswil ZH.

jean@STOP-SPAM.profile-productions.ch 

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