Politik

Die Sehnsucht nach Heimat

Philipp Hadorn

 

Ich bin am Jahrgangstreffen im Dorf meiner Kindheit. Ein Dutzend der gut 40 Eingeladenen ist erschienen. Mit Sarah tausche ich länger aus. Ihr Leben sei lange vom Zügelfieber geprägt worden, im Zweijahrestakt. Nach wenigen Wochen habe sie sich aber am neuen Ort jeweils wieder zu Hause gefühlt. Die Alleinerziehende wirkt engagiert. Zwei der drei Kinder hätten die mütterliche Wohnung bereits verlassen. Die Arbeit im Verkauf des Lebensmitteldiscounters sei streng.Seit 19 Jahren lebe ich nun in Gerlafingen. Das Industriedorf ist mir ans Herz gewachsen. Einige Geschicke durfte ich während 14 Jahren als Gemeinderat (Exekutive) mitprägen. Die Namensliste unserer knapp 5000 Bewohnerinnen und Bewohner zeigt die Vielfalt der Menschen, die hier ein Zuhause gefunden haben. Auch die Träger von fremdländischen Namen leben oft schon länger hier als ich. Das Stahlwerk hatte während seinen Blütezeiten über 3000 Beschäftigte, heute noch einen Fünftel davon. Anfangs der Schulzeit erlebten in ihrer Klasse auch meine Jungs die Sprachenvielfalt. Einzelne Nationalitäten haben eigene Clubs, viele Vereine sind durchmischt. In den Schulen wird der Respekt gegenüber den verschiedenen Denk- und Lebensweisen gelehrt. Mit Erfolg.Gerlafingen ist mir zur liebgewordenen Heimat geworden. Wie viele andere Gerlafingerinnen und Gerlafinger schaue ich gerne zu den fernen Berner Alpen. Ich fühle dabei eine tiefe Sehnsucht nach meiner wirklichen Herkunft, nach der Heimat, wo Annahme in der Vollendung zu finden ist – bei Gott.

 

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch  

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Politik

Die Pauschalbesteuerung abschaffen?

Erich von Siebenthal


Die so genannte Aufwandbesteuerung für reiche Ausländer hat sich bewährt. Es gibt sie auf kantonaler Ebene seit 1862 und auf Bundesebene seit 1934. Dabei werden Personen, die in der Schweiz nicht erwerbstätig sind, auf der Grundlage ihres (Lebens-)Aufwands besteuert statt aufgrund ihres Einkommens und Vermögens.
Das Zusammenleben in den Tourismus-Regionen hat sich über Jahrzehnte sehr gut eingespielt. Dabei sind die Einkünfte über diese Steuer für die Gemeinden von grosser Bedeutung. Dazu kommt, dass sich viele dieser Personen zusätzlich freiwillig an Bauvorhaben und sonstigen Investitionen in ihren Gemeinden beteiligen und so mithelfen, die nötige Infrastruktur zu erhalten.
Weil diese Personen sehr mobil sind und weitere Wohnsitze haben, ist die Gefahr sehr gross, dass sie unser Land bei einer Abschaffung der Pauschalbesteuerung verlassen würden. Als im Kanton Zürich 2009 die Pauschalbesteuerung abgeschafft wurde, verliessen innerhalb eines Jahres von 201 Pauschalbesteuerten 97 den Kanton. Ein Drittel zog ins Ausland um und zwei Drittel in andere Kantone. Mittlerweile bezahlen die im Kanton gebliebenen Personen über die normale Steuer weniger als die 201 Pauschalbesteuerten vorher.
In den Berggebieten wird schon die Zweitwohnungsinitiative einschneidende Auswirkungen haben. Wollen die Initianten uns nun noch die Einnahmen aus der Pauschalbesteuerung wegnehmen und folglich auch die Investitionen, die von diesen Personen getätigt werden?
Fakt ist, dass durch den Wegfall der Pauschal-
besteuerung 20’000 bis 30’000 Arbeitsplätze verloren gehen würden. Die Pauschalbesteuerung generierte im Jahr 2012 für die Kantone 313 Millionen, für die Gemeinden 170 Mio. und den Bund 212 Mio. Franken an Einnahmen. Dazu kamen rund 1 Mia. Franken für die Immobilien- und Baubranche, 25 bis 35 Mio. für die AHV, rund 1,7 Mia. Umsatz in der Hotellerie, der Freizeitindustrie und im Handel, rund 300 Mio. Mehrwertsteuer und rund 470 Mio. Sponsorengelder für kulturelle, soziale oder wissenschaftliche Zwecke.
Die Aufwandbesteuerung ist das bestmögliche gerechte Steuersystem, um diese Personen zu erfassen. Zudem ist sie volkswirtschaftlich von grösster Bedeutung. Darum plädiere ich für ein Klares Nein zu dieser Initiative.

 

Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

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