Transformation

«Hope»: Wörter, Sätze, Kontakt, Vertrauen

Interview: Peter Schmid1 In den Räumen des Evangelischen Gemeinschaftswerkes Bern-Brunnmatt bieten Kobi und Maja Stalder Ausländern Deutschkurse und mehr an. «Hope» zielt auf Begegnung. Stalders haben Zulauf und gute Stimmung während den Lektionen.

 
Magazin INSIST: Was macht euch Freude?

Kobi Stalder: Menschen aus den verschiedensten Kulturen kommen zu uns und wollen Deutsch lernen. Wir können uns ihrer kaum erwehren. Dies freut uns. Die Menschen stellen Fragen. Gestern kam eine Türkin zu Maja. Ihr Mann ist ernsthaft krank. Sie fragte, warum es den Bösen in der Welt so gut geht. Maja liess sie den Psalm 73 in ihrer Sprache lesen. Dies berührte sie sichtlich. Sie nahm die Bibel mit nach Hause. Mehrmals sind aus dem Deutschkurs Bibellese-Gruppen von drei, vier, fünf Personen entstanden. Sie bringen den Text in ihrer Muttersprache mit; wir kopieren Blätter, damit wir eine Übersetzung haben.  

Wo seht ihr Fortschritte?
Vor elf Jahren begannen wir an der Looslistrasse mit Unterricht. Zwei Mütter kamen als Anfängerinnen. Wir konnten uns nicht mit ihnen verständigen. Sie sind immer noch dabei, machen noch Fehler, aber wir unterhalten uns mit ihnen. Bei ihnen und den andern in Majas Klasse der Fortgeschrittenen geht es nicht mehr nur ums Deutsche. Beziehungen sind entstanden. Sie schildern, was sie beschäftigt: Kinder in der Schule, Gewalt. Maja bespricht es mit ihnen.

Wie kommt die Vielfalt der Kulturen in den Klassen zum Ausdruck?
Manchmal kommen sie zur Sprache. Die einen schildern, was sie glauben und wie sie leben; die anderen sagen, wie es sich bei ihnen verhält. Die Frauen sind bei uns in der Mehrheit, weil die Männer mit Sprachkenntnissen in der Regel arbeiten. Nach Jahren kennen wir einander. Gestern stand ich in der Küche. Zwei Vietnamesinnen suchten gleich das Gespräch. Manche erzählen von ihren Verwandten in der Heimat. Das Bedürfnis, mit uns Schweizern auszutauschen, ist bemerkenswert. Mit unseren Türkischkenntnissen haben wir einen guten Draht zu Türken und Kurden.

Wie erfahren die Ausländerinnen und Ausländer in eurem Umfeld von diesem Angebot?
Freunde und Freundinnen nehmen sie mit: «Da musst du mitkommen; es kostet nichts.» Unser Angebot ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt; die Heilsarmee, Migrationsämter und Asylstellen wissen von uns.

Du hast die Nachbarschaft im Sinn, wenn du von Gesellschaft sprichst.
Ja. Politiker haben die ganze Bevölkerung im Blick. Als Einzelner habe ich die Nachbarn vor Augen. Wozu soll ich an Bern-Ost denken, wenn ich die Leute von nebenan nicht kenne, nicht weiss, was sie beschäftigt und welche Hilfe sie brauchen? Würde ich ständig wegfahren, fehlte mir die Zeit hier. Wir leben Gemeinde da, wo wir wohnen. Da wo wir immer sind, wollen wir Salz und Licht sein. Wir haben eine offene Tür und sind bereit, mit Nachbarn zu reden und sie einzuladen. So kommt auch eine Frau mit ihrem Kind zum Sandwich-Essen, das wir als Wohngemeinschaft regelmässig veranstalten. Als sie durch unseren Garten ging, sagte Maja zu ihr: «Kommt herein und trinkt einen Tee mit uns.» Ihr Mann ist Peruaner; er hat auch schon teilgenommen. Der Nachbar und seine Not sind uns nicht gleichgültig. Die Befreiung, die wir als Einzelne und als Gemeinschaft durch Jesus erleben, sollen Menschen gleich um die Ecke auch erfahren und erleben dürfen. Die Verlorenheit der Menschen, denen wir täglich im Quartier begegnen, beschäftigt uns zutiefst und motiviert uns, diesen Menschen mit der Liebe Jesu zu begegnen.

1  Das Interview ist erstmals im «wort + wärch» 1/15, der Zeitschrift des Evangelischen Gemeinschaftswerkes (EGW), erschienen.

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