Film

Schreiende Filme

Daniel Gerber Wenn die Jünger nicht von Jesus erzählen dürfen, dann werden die Steine schreien. An diese Aussage von Jesus Christus erinnert «Hollywoods Jahr der Bibel»: Etliche Christen sind ruhig geworden, dafür schreit jetzt die Filmindustrie – wenn auch in unterschiedlichen Tonlagen.

Aus «Hollywoods Jahr der Bibel» wird ein «Jahrzehnt der Bibel». Denn kaum sind «Noah» und «Exodus» sowie das Spektakel «Unbroken» um den Pastoren Louis Zamperini aus den Kommentarspalten verschwunden, folgen bereits weitere Ankündigungen biblischer Stoffe – und wieder sind A-Promis aus der Traum-
fabrik im Gespräch.

Eine Flut von «Bibel-Filmen»
Zwar scheint Brad Pitt nun doch nicht mehr Pontius Pilatus mimen zu wollen, dafür plant Hugh Jackman Paulus in einem anderen Streifen namens «Apostle Paul» zu verkörpern. Produziert wird dieser Film zusammen mit Jackman auch durch Matt Damon und Ben Affleck. Ins Kino soll dieser Stoff im März 2017 kommen.
Bereits 2016 erfolgt die vierte «Ben-Hur»-Verfilmung. In dieser soll Jesus Christus noch mehr Raum einnehmen als im dritten «Ben-Hur»-Movie aus dem Jahr 1959. Basierend auf der Novelle von Lew Wallace «Ben Hur: A Tale of the Christ» hatten übrigens bereits 1907 und 1925 zwei erste Adaptionen den Weg in die Kinosäle gefunden.
Nie war eine vergleichbare Flut von Streifen mit biblischen oder christlichen Bezügen mit Top-Schauspielern in derart kurzer Zeit auf der Leinwand zu sehen. Natürlich wurden bereits früher biblische Inhalte mit grossen Namen verfilmt, so etwa «Samson und Delila» mit Liz Hurley (1996). Doch etliche der damaligen Filme wurden mit Newcomern besetzt oder mehrere der Stars – wie Liz Hurley – hatten zum Zeitpunkt der Filme noch nicht das Renommee, wie es heute Christian Bale, Emma Watson, Russell Crowe und andere zum Zeitpunkt ihres Mitwirkens in einem «Bibel-Film» haben.
Und vergessen wir neben den Filmen über Geschichten aus dem Buch der Bücher nicht die Beiträge über Martin Luther King («Selma» mit David Oyelowo) oder das Endzeitspektakel «Finale» mit Nicolas Cage in einer der Hauptrollen (der zweite Teil ist in Arbeit, diesmal wohl ohne Cage), «Soul Surfer» (mit Denns Quaid und Helen Hunt) oder «Heaven is for real» (mit Greg Kinnear) über den Bestseller eines Jungen, der einen Blick in die Ewigkeit werfen konnte.
Zusammen mit hier nicht erwähntem hollywoodschem Kulturgut kommen wir auf über ein Dutzend Leinwand-Epen und ein Ende scheint nicht in Sicht. Bereits jetzt ist klar, dass «Finale 3» erscheinen soll; «Narnia 4» ist in Arbeit und weitere Stoffe, die direkt auf der Heiligen Schrift basieren, sind geplant.

Kommerz und biblische Botschaft
Interessant ist, dass die Christenheit – zumindest im Westen – in den letzten Jahren eher still geworden ist. Das Lebenstempo und die Erwartungen an sich selbst sind so hoch geworden, dass weniger Zeit übrig bleibt, die in das Reich Gottes investiert werden kann. Diesmal sind es nicht die Pharisäer, die versuchen, uns – die Jünger Jesu – zum Schweigen zu bringen, es ist unser Terminkalender.
Jesus selbst erwiderte den Pharisäern, die forderten, dass seine Jünger doch bitte weniger über ihren Glauben sprechen sollten: «Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.»
Natürlich haben sich die Manager von «Warner Bros.», «Universal Studios» und «Paramount Pictures» nicht zusammengesetzt, eine Evangelisations-Statistik erarbeitet und sich danach im biblischen Sinne zu sprechenden Steinen entwickelt. Zudem geht es den Studio-Generälen nicht um biblische Richtigkeit. Ab Filmmitte wird «Noah» zum Science-Fiction-Abenteuer: Noah dreht durch und will die Menschheit umbringen, während der Filmbösewicht heimlich in die Arche gelangt ist und beginnt, Tiere zu essen. Dennoch lenkte «Noah» grosses Interesse auf die Bibel und die Geschichte rund um die Arche. Andere Werke wie «Exodus» und insbesondere «David and Goliath» (erschienen im April 2015, nur in den USA zu sehen) sind dagegen bibeltreuer und erbaulicher.
Und natürlich kann man einwenden, dass Nicolas Cage, Hugh Jackman und Russell Crowe neben den jeweils herausfordernden Rollen nicht zuletzt wegen den Dollars mitspielen. Mag sein. Doch die Bibel sagt nur, dass die Steine schreien werden, von der Tonlage und allfälligen Entschädigungen ist nichts gesagt. Wie auch immer: Vermutlich braucht es neben Hollywood auch noch ein paar Jünger, die Klartext reden...

Daniel Gerber ist freier Journalist. Er berichtet unter anderem für livenet.ch über den christlichen Glauben, bei Open Doors über die verfolgte Kirche und für die Berner Zeitung und Blick über Eishockey.

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