Musik

Andraé Crouch: To God be the Glory

Jean-Daniel von Lerber Es gibt im Leben Tage, die vergisst man nie mehr. Der 14. März 1980 ist für mich ein solcher Markstein: Wir organisierten unser erstes richtig grosses Konzert in der Mehrzweckhalle Zofingen: mit Andraé Crouch & the Disciples, die auf ihrer grossen Europa-Tour für ein Konzert in der Schweiz Halt machten.

 

Auf der Bühne stand eine hochkarätige Band mit Bill Maxwell an den Drums, Hadley Hockensmith am Bass (nicht an der Gitarre …), Andraé am Flügel, einem Mitmusiker an der Hammond B3 und dann natürlich auch mit sechs Sängern und Sängerinnen, darunter Tata Vega und Sandra, Andraés Zwillingsschwester. Die Songs von Andraé und seinen Musikern nahmen das Publikum völlig gefangen. Seine einfachen Aussagen, die hochprofessionellen Arrangements und das souveräne Auftreten aller Musiker und Sänger beeindruckten mich tief. Immer wieder lief es in den Texten und Moderationen darauf hinaus, dass Gott alles in seinen guten Händen hält, dass er es gut mit uns allen meint und wir – seien die Umstände noch so widrig – unser Vertrauen ganz auf Jesus setzen sollten.

Gelebte Lieder
«Jesus is the answer» hiess einer der bekanntesten Songs von Andraé. Diese Überzeugung hat er gelebt. Viele seiner Lieder wurden zu Songs, die Eingang in unzählige Gottesdienste und in das Repertoire von Gospel-Chören rund um den Globus fanden. Manche wurden übersetzt und vielfach gecovert. Der Oslo Gospel Choir hat das Repertoire von Crouch durch all die Jahre lebendig gehalten. Tore O. Aas, Dirigent des Chores wurde denn auch zu einem engen Freund von Andraé und manch ein Lied entstand aus dieser Zusammenarbeit.

Ein Vorbild für viele
Am 8. Januar 2015 ist Andraé Crouch 72-jährig einem Herzinfarkt erlegen. Er ist im Beisein seiner Schwester und engen Freunden in Los Angeles verstorben. Anlässlich des Abschiedsgottesdienstes, der am 21. Januar in der «West Angeles Church of Christ» stattfand, wurde so richtig klar, wie viele Musiker er beeinflusst hat. Nicht nur musikalisch – sondern auch mit seinem unerschütterlichen Gottvertrauen. Viele bekannte Künstler waren da, so auch Edwin Hawkins – der Komponist von «O happy day» – (die Familien Hawkins und Crouch standen sich sehr nahe), Marvin Winian, Stevie Wonder, Kirk Franklin, die ganze KOINONIA Band, Tata Vega, Dr. Bobby Jones, Bryan Duncan, Israel Haughton, ja sogar Jessy Jackson richtete ein Grusswort an die Trauergemeinde.

Gebet um die Gabe der Musik
Crouch und seine Zwillingsschwester Sandra kamen am 1. Juli 1942 in Kalifornien (San Francisco) zur Welt. Die Eltern waren Pastoren einer Pfingstgemeinde. Der Vater gründete 1951 in seiner Garage eine Gemeinde. Mangels eines Musikers betete er mit seinem 11jährigen Sohn Andraé um die Gabe der Musik. Von diesem Tag an konnte er Piano spielen! Dass er dieses «Geschenk» von Gott erhalten hatte, blieb ihm zeitlebens vor Augen. Mit 14 komponierte er eigene Lieder, obschon er keine Noten lesen konnte. 23-jährig gründete er «Andraé Crouch & the Disciples», mit denen er fortan seine grossen Hits in die Welt hinaustrug. Musikalisch gelang Crouch eine vorher nie dagewesene Synthese von traditionellem Gospel, Soul und funkigen Elementen, eine Mischung, die weit über das reine «Gospel-Publikum» hinaus Anklang fand. Sein grosses Talent blieb nicht verborgen. Mehr und mehr wurde er von grossen Stars zur Mitarbeit eingeladen. Darunter Elvis Presley, Quincy Jones, Michael Jackson, Madonna, Philipp Bailey, Stevie Wonder, Ringo Starr, Elton John, Chaka Khan, Joe Sample und Billy Preston, um nur einige zu nennen. Zu jener Zeit erhielt er auch Aufträge, Filmmusik zu schreiben. So hat er preisgekrönten Filmen wie «The Colour Purple», «Free Willy» und «The Lion King»
mit seinen Songs eine unverwechselbare Note gegeben. Im Laufe seiner vielseitigen Karriere gewann Crouch 7 Grammy- und 5 Dove-Awards.

Pastor Andraé

1995, nach dem Tod seines Vaters, übernahm er zusammen mit seiner Schwester die Leitung der Christ Memorial Church und wurde zum «Pastor Andraé». Seiner Gemeinde und vielen Freunden und Künstlern aus dem Grossraum von Los Angeles war er nun ein Hirte. Seine verbindende Art brachte Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen zusammen.
Anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für Michael Jackson hatte Crouch mit seinem Chor «Soon and very soon, we are going to see the king» intoniert. Nun ist er seinem König selber begegnet.

 

Jean-Daniel von Lerber ist seit 30 Jahren Kulturagent; er leitet PROFILE Productions in Richterswil ZH.

jean@STOP-SPAM.profile-productions.ch 

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