Transformation

Gesundheitsformel: Gemeinsam statt einsam

Markus Baumgartner/Hanspeter Schmutz Gott ist bekanntlich eine Gemeinschaft aus Vater, Sohn und Heiliger Geist. Er hat mit dem Volk Israel modellhaft gezeigt, wie ein Volk, das sich an Gott orientiert, funktionieren könnte. An Pfingsten startete er mit der christlichen Gemeinde ein neues Gemeinschaftsprojekt.

«Gemeinschaft» ist aber nicht nur der genetische Code Gottes, sondern auch der zentrale Wert jeder werte-orientierten Ortsentwicklung. Umso alarmierender ist es zu sehen, dass die gemeinschaftlichen Strukturen zumindest in unsern Breitengraden immer mehr gefährdet sind. Markus Baumgartner zeigt in einem bemerkenswerten «Dienstagsmail1», wie wichtig es ist, Gemeinschaften anzugehören und Gemeinschaften zu fördern.

Einsamkeit macht krank

Menschen suchen nach Sinn und Bedeutung im Leben. Verbindung und Zugehörigkeit sind die Basis dafür, das sie Zweck und Bedeutung haben. Doch viele leben aus Scham in Einsamkeit. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wohnten in der Schweiz vor allem Sonderlinge allein: die Jungfer und der Junggeselle oder Studenten. Ihre Wohnstatt waren Mansardenzimmer. Seither hat in der Schweiz der Einpersonenhaushalt enorm zugenommen: 1920 lebte in nur 2% der Haushalte eine Person; 1970 waren es 20%, im Jahr 2000 schon 36% und 2009 über 38%. In diesen Einzelhaushalten leben häufig Einsame. «Singles und Mieter – die Städter wohnen immer einsamer» hiess eine Überschrift zur Wohnungsstatistik in Schweizer Städten. In fast 50% aller Haushalte auf Stadtboden lebt nur noch eine Person.
Der Harvard-Professor Robert Putnam schrieb 1995 einen Aufsatz «Bowling Alone», der fünf Jahre später als Buch erschien. Darin schrieb er: «Als grobe Faustregel gilt: Wenn Sie einer Gruppe beitreten, ohne vorher irgendeiner Gruppe angehört zu haben, halbieren Sie die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Jahres zu sterben.»

Die Angst vor der Gemeinschaft
Was zu Einsamkeit führt, erforscht Brené Brown: Sie studierte Psychologie, hat einen Doktor in Sozialarbeit und forscht als Professorin an der Universität von Houston (Texas/USA) über «Zwischenmenschliche Verbindungen – unsere Fähigkeit für Empathie, Zugehörigkeit und Liebe». In einer einprägsamen, lustigen Rede am TEDx in Houston über Verletzlichkeit (Vulnerability) gab sie tiefe Einblicke in ihre Forschung. Mit dieser Rede traf sie einen Nerv der Zeit: Das Video wurde ein viraler Hit und hat innert Kürze über 25 Millionen Aufrufe erzielt.
Die Forscherin wurde schon als Studentin angestachelt, als ein Professor sagte: «Wenn es nicht messbar ist, dann existiert es nicht.» Brené Brown startete einen langen Prozess. Das Projekt sollte eigentlich ein oder zwei Jahre dauern. Herausgekommen sind 16 Jahre Forschung, tausende Geschichten, hunderte langer Interviews, Fokusgruppen sowie Berge von Statistiken und Daten.
Sie fand Folgendes heraus: Alle Menschen fallen in eine von zwei Kategorien – darin liegt der ganze Unterschied, ob man sich tief mit Freunden oder Familie verbinden kann oder nicht. Einige glauben, sie wären es wert, geliebt zu werden und dazuzugehören und andere nicht. Letztere sind Menschen, die sich immer fragen, ob sie gut genug sind. Brené Brown fand heraus, dass Scham und Verletzlichkeit der Grund dafür waren. Scham lässt sich als Angst vor Abgetrenntheit verstehen. Aber erst die Fähigkeit, sich verbunden zu fühlen – neurobiologisch gesagt: sich zu verdrahten – gibt Menschen Zweck und Bedeutung.

Befreiung zur Gemeinschaft
Das grösste menschliche Bedürfnis ist also, sich tief mit anderen zu verbinden. Im Kern bedeutet es: Wenn Menschen glauben, dass sie es wert sind, geliebt zu werden und dazuzugehören, fällt es ihnen leichter, sich mit anderen zu verbinden. Das ist die Hoffnung des Evangeliums von Jesus Christus. Die Scham, die Menschen empfinden, ist die grösste Barriere. Wenn Menschen verletzt sind und sich schämen, haben sie Probleme, sich mit anderen zu verbinden.
Aber die Hoffnung des Evangeliums ist: Ganz egal, was ich getan habe, es ist mit Jesus Christus am Kreuz gestorben. Ich bin geliebt, so wie ich bin. In der Taufe bin ich unverlierbar adoptiert. Ich gehöre jetzt zu einer Familie, die mich nie im Stich lassen wird.

 

1 Dienstagsmail vom 28. Februar 2017
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