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Kultischer Sport

Hanspeter Schmutz Das Bundesamt für Sport will evangelikal geprägte Jugendverbände nicht mehr für ihre Tätigkeiten im Bereich «Jugend und Sport» unterstützen. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Die Szene ist mir unvergesslich geblieben: Ich sitze in einem Büro der kantonalen Steuerverwaltung. Neben mir mein Rechtsberater, gegenüber die Frau vom Steueramt. Das Gesuch um Steuerbefreiung des frisch gegründeten Instituts INSIST ist abgelehnt worden. Wir haben uns dagegen gewehrt und sitzen nun vor der zuständigen «Beamtin». Sie will uns die Regeln der Besteuerung erklären. Diese sind uns natürlich bekannt: Der Staat gewährt christlichen Werken nur dort Steuerbefreiung, wo sie eine gemeinnützige Tätigkeit ausüben. «Kultisches» wie die Bibel lesen, beten oder Gottesdienst feiern wird nicht unterstützt.
Ist das Institut INSIST also eine kultische oder eine gemeinnützige Organisation? So lautet die Gretchenfrage. Die rührige Frau hat sich vorgängig in das Kursangebot des Instituts INSIST vertieft. Vielleicht auch in das Angebot «Unterwegs auf dem Jakobsweg». Zur Erinnerung: Vor über zehn Jahren begannen wir mit dem Unternehmen, die Schweiz alle zwei Jahre etappenweise von Rorschach bis Genf auf dem Jakobsweg zu durchqueren. Die Wandertage wurden morgens und abends eingerahmt von einer schlichten Liturgie, manchmal gab es unterwegs Zeiten der Stille. Beim Wandern nahmen wir unser Land bewusst wahr: als Natur- und Kulturlandschaft, in Geschichte und Gegenwart. Zudem dachten wir vor Ort über gesellschaftliche Zusammenhänge nach. All das brachten wir in einen Zusammenhang mit dem dreieinen Gott, unserm Schöpfer, Erlöser und Begleiter. Gemäss der ganzheitlichen Spiritualität, wie sie im Rahmen des Instituts – und auch auf allen Seiten dieser Zeitschrift – gelehrt und geübt wird.
«Spiritualität»! Das ist das Killerwort im Text unseres Angebotes. Mit diesem Beweisstück zeigt uns die «Beamtin», dass das Institut INSIST nicht gemeinnützige, sondern kultische Zwecke verfolgt. Die Tatsache, dass wir Christinnen und Christen immer wieder dazu motivieren, sich für das Dorf, die Stadt und unser Land werteorientiert einzusetzen, kann sie nicht umstimmen. Als ob das nicht Gemeinnützigkeit pur wäre! Allerdings – das sei hier nicht verschwiegen – hoffen wir, dass diese Aktivitäten möglichst zu 100% spirituell motiviert sind. Integriertes Christsein eben. Nun, die «Beamtin» bleibt hart. Somit lassen sich die Spenden an das Institut INSIST nicht von den Steuern abziehen. Unsere Freunde sorgen in der Folge trotzdem für die nötige finanzielle Grundlage des Instituts – bis heute. Den abschlägigen Entscheid ziehen wir nicht weiter. Das Institut ist dafür eine zu kleine Nummer.

Ganz anders ist es bei den evangelikalen christlichen Jugendorganisationen. Sie sind definitiv eine grosse Nummer. Leisten sie doch jahraus jahrein eine hervorragende christlich motivierte Jugendarbeit – u.a. auch im Bereich von «Jugend und Sport». Trotzdem wurden ihnen kürzlich sämtliche Subventionen gestrichen – mit dem Vorwurf, sie würden nur pro forma Sport treiben und in Wirklichkeit christliche Zwecke verfolgen.
Wie das? Wird der Sprung über den Bach im Bund der evangelischen Jungscharen (BESJ) mit einem Gebet unterlegt? Sorgt der Heilige Geist bei den Royal Rangers für mehr Schub beim Smashen? Oder profitieren die christlichen Orientierungsläufer davon, dass sie eine direkte Verbindung zum himmlischen GPS haben?
Wohl kaum. Gut, vielleicht erhalten die Teilnehmenden im BESJ-Lager eine Lebensgrundlage, die es ihnen erlaubt, während einer späteren sportlichen Karriere allen Doping-Versuchen zu widerstehen! Möglicherweise lernen sie, besser mit Niederlagen umzugehen und Konflikte zu schlichten. Vielleicht finden sie sogar einen sinnvollen Pfad durchs Leben.
Offensichtlich hat das fehlende Verständnis für ein ganzheitliches Christsein unterdessen die höchsten Stufen der Verwaltung erreicht. Das Bundesamt für Sport ist zur Religionspolizei geworden, die glaubt, die Rolle des Glaubens in der christlichen Jugendarbeit beurteilen zu können. Das würde Lord Baden-Powell, den Gründer der Pfadfinderbewegung nicht freuen. Er sagte einmal: «Niemand ist sehr gut, wenn er nicht an Gott glaubt und seine Gesetze hält. Deshalb muss jeder Pfadfinder eine Religion haben.» Das Bundesamt für Sport hat sich mit seinem Beschluss verrannt. Wir sollten ihm – ganz im Sinne von Baden-Powell – helfen, wieder den rechten Pfad zu finden, verbunden mit einem ganzheitlicheren Verständnis des Sportes. Nur so können wir das Gemeinwohl unseres Staates gemeinsam fördern!

Hanspeter Schmutz ist Publizist und Leiter des Instituts INSIST. 

hanspeter.schmutz@STOP-SPAM.insist.ch

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