Musik

Die Reformation — von der Musik beflügelt!

Jean-Daniel von Lerber «Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich.» So beschrieb Martin Luther die Bedeutung der Musik für Glaube und Gemüt.

«Er selbst war ein geübter Sänger und Lautenspieler. In seinem Werk als Komponist und Lieddichter hat er die reformatorischen Glaubenssätze zu Musik verdichtet. Seine Lieder sowie die seiner Anhänger entfalteten grosse Wirkung bei der Ausbreitung der Reformation. Das Singen wurde schon früh ein Markenzeichen der Lutherischen – und eine der schärfsten Waffen der Reformation. Erste deutsche Lieder der Reformatoren wurden als Protestlieder geschmettert und in den evangelischen Gottesdiensten sang man fortan mit der ganzen Gemeinde. Sie gründeten damit eine ganz eigene protestantische Tradition der Kirchenmusik. Das gemeinsame Singen und Musizieren ist bis heute ein besonders lebendiger und attraktiver Teil des evangelischen Gemeindelebens1

Stilfragen
Interessant war die Meinung Luthers zum richtigen «Stil» christlichen Musizierens. Beim Lesen seiner Gedanken kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Sie erinnern mich nämlich an die Diskussionen in meiner Jugendzeit rund um den Einsatz eines Schlagzeugs im Gottesdienst und die Anfänge meiner ersten Band «Road to Heaven».
«Luther2 mochte Pauken und Trompeten nicht. Das sei ‹himmlisches FeldGeschrei›, ja sei ein scheussliches ‹Gottes-Ehr-Schreien›. Auch die Orgelpfeifen waren sein Fall nicht, von denen er meinte: ‹Sie plärren und schreien.› Selbst Streichinstrumente schloss er für den Himmel aus. Es sei schrecklich, ein Lied immer nur auf einer Saite zu fiedeln, beklagte er sich einmal bitterlich. Martin Luther zog ein sanftes vielstimmiges Saiteninstrument vor. Er liebte und spielte die Laute und hatte die Offenbarung des Johannes auf seiner Seite; singen doch da die Engel mit Saiteninstrumenten, nämlich Harfen neue Lieder3.

Begeisterung
Bei dieser Ausgangslage hätte der Reformator wohl kaum ein Ticket zum Musical «LUTHER» gekauft. Oder hätte er sich doch von den Zehntausenden von Menschen anstecken lassen, die in den vergangenen 1½ Jahren eine der zahlreichen ausverkauften Arenavorstellungen4 dieses erfolgreichen Musicals besucht haben?
Komponist Dieter Falk (Musik) und Texter Michael Kunze (Text) haben das oben beschriebene «lutherische Markenzeichen» – das gemeinsame Singen – in ihr Stück einbezogen. Hunderte, ja tausende Sänger standen und stehen gemeinsam auf der Bühne. Sie singen und erzählen zusammen mit Schauspielprofis die Geschichte Luthers.
Dazu passen auch noch die folgenden Aussagen zu Luthers Liedern:
«Die von Luther und seinen Freunden komponierten und gedichteten Lieder reformierten den Gottesdienst. Sie entfalteten darüber hinaus eine ganz eigene Macht. Der Macht von Fanliedern in Fussballstadien vergleichbar, feuerten sie die Reformationsbewegung vor allem in den Städten an. Gott und das Leben gemeinsam zu besingen, das schweisst zusammen und macht stark. Das hatten doch schon die ersten Christen zum Morgenanbruch des Sonntags so erfahren. Gesänge schmieden Bündnisse, Bündnisse nicht nur mit Zeitgenossen. Singen verbündet, so glaubt Luther, auch über die Zeiten hinweg mit den biblischen Gestalten, mit König Salomo und seinen hohen Liedern, mit Mose als Sänger des Meerliedes5, mit dem Lied der Deborah, mit Zacharias, mit Simeon und seinem schönen Lebensabgesang6

Das gesungene Wort Gottes
Das ZDF wird am Reformationssonntag, 31. Oktober 2017 die Aufzeichnung des letzten grossen Arenakonzertes in Berlin am 29. Oktober ausstrahlen. In Berlin wird der Chor 4300 Sängerinnen und Sänger zählen! Das hätte sich Luther wohl nie träumen lassen: Seine «Revolution des Wortes Gottes» wird in einem musikalischen Kleid der ganzen Nation frei Haus geliefert. Es bleibt zu hoffen, dass dieser persönliche Zugang zur Bibel, für den sich Luther ganz konkret mit seiner Bibelübersetzung stark gemacht hatte, dank dieses Musicals von vielen Menschen neu entdeckt wird.


1  zitiert von der Reformationsjubiläums-Website «Luther 2017»
2  dito
3  Offb 5,8 f
4  Die Konzerte finden jeweils in Hallen mit 10’000 und mehr Plätzen statt.
5  2 Mose 15
6  Reformationsjubiläums-Website «Luther 2017». Der zugrunde liegende Text «Vater der Lieder» ist erschienen in «Reformation und Musik». Das Magazin (DIN A 4, 84 Seiten) gibt es als PDF-Download oder kann kostenlos beim Kirchenamt der EKD (Herrenhäuser Str. 12, 30419 Hannover, e-Mail: jessica.fischer@STOP-SPAM.ekd.de) bestellt werden.


Jean-Daniel von Lerber ist seit 30 Jahren Kulturagent; er leitet PROFILE Productions in Richterswil ZH.

jean@STOP-SPAM.profile-productions.ch 

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