Kirchen

Vorwärts zur Quelle

Peter Schmid Im Sommer erquickt nichts so sehr wie das frische Wasser des Bergsees. Ein Gleichnis für die belebende Kraft und Wirkung von Jesu Worten – wenn wir sie trinken und auf 

alle unsere Lebensbereiche beziehen.

 

Wir sind unterwegs in der prallen Sonne. Am Berghang entspringt eine Quelle. Ich bleibe stehen, halte den Kopf unter den Wasserstrahl und trinke. Aaahh – erfrischend. Dann setzen wir den Weg fort. Wie kostbar sind reine Quellen und Seen mit klarem, sauberem Wasser. Nach der Wanderung gibts nichts Schöneres als den Sprung in den See. Wasser erquickt uns tief innen. Wer wollte sich, verschwitzt, mit Cola übergiessen oder in einen mit Red Bull gefüllten See springen?

 

Die Bibel als Quelle der Inspiration ...

Jesus gibt lebendiges Wasser in einem umfassenden Sinne. «Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird in Ewigkeit nicht mehr Durst haben. Das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben sprudelt1.» Offensichtlich kommt es fürs Ganze des Lebens darauf an, dass wir auf Christus hören und ihm gehorchen. 

Wenn wir das Neue Testament gründlich lesen, einzelnen Sätzen nachsinnen und Abschnitte mitei-nander vergleichen, kommen wir die-
ser Quelle nahe. Wenn wir die Evangelien wieder und wieder lesen und unverwandt hinhorchen, wird der Sinn klarer, Zusammenhänge gehen auf, Vorverständnisse und Scheuklappen treten ins Bewusstsein. Und Jesus beginnt zu reden – wie er damals zu den Hilfebedürftigen, dem Lahmen, den Jüngern, der Samaritanerin und der Phönizierin, den Pharisäern, den Reichen und Mächtigen gesprochen hat. Jesus sprach die Neigung zum Sorgen an und setzte ihr das unbegrenzte Vertrauen in die Güte und Grosszügigkeit des Himmlischen Vaters entgegen. Im Horchen auf seine Worte blieb Jesus auf dem Weg; darin lag die Vollmacht begründet, den Menschen wohlzutun. Jesus meinte es ernst. 

Zurück zur Quelle gehen, hin zu
Jesus, auf seine Worte achten und in ihrem Raum verweilen: Das ist bis heute der Weg zu einer fortwährend erfrischten, geläuterten und zielbewussten Existenz, zur Authentizität. Dies gilt nicht bloss für heute und das nächste Wegstück. Jesu Worte sprudeln «ins ewige Leben». Ohne sie bliebe der tiefere Durst ungestillt. Wenn ich von diesen Worten lebe, werde ich mehr als glücklich; Jesus sagt mir zu, dass ich bei Gott ankommen werde. 

 

... und als Orientierung im Strudel der Zeit

Die Kostbarkeit der Worte Jesu als Mitte der ganzen Bibel2 gilt es festzuhalten, gerade auch in der Flut von Informationen und Reizen. Stehen wir nicht in der Versuchung, statt reinem Wasser vielfach verdünnte, gefilterte, mit Zusatzstoffen angereicherte Flüssigkeit zu trinken oder nach leicht verdaulichen christlichen und anderen spirituellen Lebenskunst-Häppchen zu greifen? Was bekommen wir in den Medien nicht alles mit, das uns bloss ablenkt und ermüdet! 

Jesu Worte sind Geist und sind Leben – das gilt auch für die Kirche3. Nach reformiertem Verständnis ist Kirche da, wo auf das Bibel-Wort gehört und ihm gehorcht wird. Die Kirche – jede Gemeinde, jede Denomination – lebt von den Worten, ja sie besteht im Wort von Jesus. Ich träume von der Kirche, die dies für alle ihre Belange entdeckt. Was soll denn ein Gottesdienst, in dem die Worte Jesu nicht vorkommen? Die Zürcher Landeskirche fordert die Kirchgemeinden heraus, Fusionen zu erwägen. Was tabu war, soll nun offen diskutiert werden. Dabei, mahnt man, seien die Inhalte nicht zu vergessen. Tatsächlich geht es darum, reformierte Kirche neu zu denken. Wenn wir Jesus zu uns sprechen und uns samt den bisherigen Strukturen durchleuchten lassen, kann dies gelingen. 

Im Bezug auf die Worte von Jesus sind einst unsere Schulen entstanden. Ist bei all den Kompetenzen, auf die der Lehrplan 21 zielt, noch Raum da für ihre klärende, aufrichtende und orientierende Kraft? Ich bin überzeugt: Wenn wir uns im Denken von Jesu Worten prägen und im Handeln von ihnen leiten lassen, können wir Wesentliches zum Gemeinwohl beitragen. 

 

1  Joh 4,14

2  2 Tim 3,16

3  Joh 6,63

 

Peter Schmid ist Theologe und Redaktor beim 

Webportal Livenet.ch.

petrus@STOP-SPAM.livenet.ch 

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