Spiritualität

Identität in Gott

Ruth Maria Michel

 

1. Besuch daheim – mitten im Alltag
In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

  • Was hier geschieht, ist ein einmaliges Geschehen. Aber dieses Einmalige ist seither eine Wirklichkeit in dieser Welt: Niemand ist Gott zu gering. Gott hat Maria in der Provinz Galiläa, in der absolut unbedeutenden Stadt Nazaret zu finden gewusst. Er kennt die Familie Davids, Josefs und Marias.
  • «Gott baut sein Reich mit Mittelmässigen; die Herausragenden schreiben Bücher1.»
  • Marias Alltag wird unerwartet unter-brochen ... Bin ich in Hörweite und hör-bereit, wenn Gott mich grüsst, wenn ich gerufen werde ...
  • Im Alltäglichen unter-brochen werden ...


2. Gott ist vertraut mit den Fakten meines Lebens
Was für Maria galt, gilt auch mir: Gott kennt mich und weiss auch mich zu finden:


Herr, du kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du weisst von mir. ...
Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt;
du bist vertraut mit all meinen Wegen2.

Du, Gott, bist vertraut mit «allen Fakten» meines Lebens ...

Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

  • Meine Abstammung ... Aus welchem Hause stamme ich? Mein Verhältnis zu meiner Ursprungsfamilie ...  Versöhnt, gespannt, nah, distanziert ... Gott ist vertraut mit meiner Ab-Stammung ... «Der Herr ist mit mir»  und meinem Verhältnis zur Familie.
  • Ich bin ledig, verheiratet, geschieden, verwitwet, in Partnerschaft lebend ... Wie geht es mir mit meinem Stand? ... Wie geht es mir in meinem Stand? ... Gott ist vertraut mit meinem Stand ... «Der Herr ist mit mir»  in meinem Stand.
  • Ich bin kinderlos – Mutter/Vater – Grossmutter/Grossvater ... Gott ist vertraut mit meiner Kinderlosigkeit / meinem Vater- bzw. Muttersein ... / meinem Grossmutter- bzw. Grossvatersein ...


3. Mit Identität versehen
Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüsst, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruss zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

  • Du Begnadete. Eine Anrede wie ein Name. Gnade macht meine Identität aus3.


Wer bin ich?
Was macht mich zu-innerst aus?
Durch Gottes Gnade
bin ich, was ich bin.
Und seine Gnade an mir
ist nicht vergeblich gewesen.


Meine tiefste Identität:
Ich bin eine Begnadigte. / Ich bin ein Begnadigter.

  • Maria, mitten in ihrem banalen Alltag, wird wahrgenommen, angesprochen, gegrüsst mit ungewöhnlichem Gruss.

Von Gott angesprochen, gegrüsst – durch einen Engel ...

  • Ich – empfangsbereit für den «Angelos = Boten Gottes», der auch mir den Gruss Gottes entbieten will ...
  • Engel in meinem Leben: Menschen, ein Buch, ein Sinnbild aus der Natur, etwas anderes, das mir zum Zeichen wird: Gott ist mit mir.


«Der Herr ist mit mir.»
Ich werde wahrgenommen – auch im banalen Alltag.
Ich werde gegrüsst. Nicht übersehen. Nicht vergessen.
«Der Herr mit mir ist» – mitten in meinem Alltag.

4. Meiner Angst setzt Gott seine Gnade entgegen
Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruss zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Gerufen werden kann Angst auslösen:

  • Neues, Ungewohntes kann Angst auslösen ...
  • Ereignisse / Erfahrungen, die ich nicht einzuordnen weiss, können Angst auslösen ... Was kommt auf mich zu? Werde ich dem Unbekannten gewachsen sein?


Der menschlichen Angst
setzt Gott seine persönliche Anrede entgegen.
Meiner Angst
setzt Gott seine Gnade entgegen.


1 Rolf Lindenmann
2 aus Ps 139,1-3; ZÜ
3 1 Kor 15,10


Ruth Maria Michel leitet als VBG-Mitarbeiterin das Ressort «Spiritualität und geistliche Begleitung».    ruth.michel@STOP-SPAM.insist.ch

ruth.michel@STOP-SPAM.insist.ch

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