Medien

Christliche Gemeinschaften im Kreuzfeuer der Medien

Thomas Hanimann Am 4. August 2014 strahlte das Deutsche Fernsehen (NDR) den Film «Mission unter falscher Flagge» aus. Die Dokumentation über ausgewählte Freikirchen und christliche Organisationen löste in ganz Deutschland eine Diskussion aus. Viele Christen fühlten sich verletzt und reagierten mit Empörung. Kaum jemals habe eine Sendung so viele und so heftige Reaktionen ausgelöst, schrieben die Sendeverantwortlichen, die sich nach 7000 Mails, Telefonaten und Briefen zu einer ausführlichen Stellungnahme gedrängt sahen.

Trotz den beschwichtigenden Tönen der Fernsehverantwortlichen ist klar, dass die Sendung ein einseitiges und teilweise auch pauschalisierendes Bild von christlichen Gemeinschaften vermittelt, die im Übrigen alle Mitglieder der Deutschen Evangelischen Allianz sind. Stark wachsenden Gemeinschaften wie dem «Gospel Forum» in Stuttgart wurde ziemlich ungeprüft Manipulation vorge-
worfen, und bei einigen anderen evangelischen Werken wurde mit Hilfe einiger «Aussteiger» der Vorwurf von konsequentem Machtmissbrauch und Sektierertum erhoben.

Was ist da schief gelaufen?

Mir geht es nicht darum, die von vielen Zuschauerinnen und Zuschauern angebrachte Kritik an der von den Journalisten produzierten Einseitigkeit zu wiederholen. Vielmehr möchte ich aufzeigen, wie sowohl bei den betroffenen, unfreiwilligen «Darstellern» der Sendung als auch bei den Produzenten aus medialer Sicht einiges schief gelaufen ist. Dabei ist es auch nicht meine Absicht, beteiligte Personen und deren Verhalten anzugreifen. Die Beurteilung erfolgt aus einem medienkritischen Blickwinkel und beschränkt sich auf das, was ich von aussen wahrgenommen habe.

Den Fragen nicht ausweichen
Den Filmemachern mag man vorwerfen, dass sie mit ihren ausgewählten Sequenzen nur einen sehr oberflächlichen Eindruck der dargestellten Organisationen vermitteln, einseitig auf das Problematische fokussieren und den Kritisierten kaum Raum für Stellungnahmen geben. Allerdings wird im Laufe der Sendung mehrmals betont, die Betroffenen hätten das Gespräch verweigert und seien mit wenigen Ausnahmen kaum zu Interviews bereit gewesen.
Wenn das so war, wäre das tatsächlich problematisch. Selbst wenn es unangenehm und schwierig ist, die kritischen Fragen von bohrenden Journalisten zu beantworten: Christen sollte dieser Auseinandersetzung nicht ausweichen. Ganz abgesehen davon, dass dies eine Chance ist, einiges zu erklären und zu korrigieren, sind auch schlecht beantwortete Fragen weniger gravierend als die Verweigerung des Gesprächs.

Unglaubwürdiges Verhalten
Das NDR-Fernsehen hielt auch fest, dass mehrere Verantwortliche der Deutschen Evangelischen Allianz zur Stellungnahme aufgefordert worden seien. Letztlich war aber nur Jürgen Werth zu sehen, bis in diesem Jahr Direktor des ERF und Vorstandsmitglied der Deutschen Evangelischen Allianz, was von vielen bemängelt wurde. Auch er hat sich meines Erachtens etwas unglücklich verhalten, als er sagte, dass er die beiden ihm konkret präsentierten Fälle nicht kenne. Seine Antwort wurde im Film nicht kommentiert, wirkte aber wenig glaubwürdig.
Dass man in der Dokumentation mehrmals Personen sieht, die vor laufender Kamera den Reportern den Zugang zu ihren Räumen verwehren, erschreckt schon ein bisschen. Besser wäre sicher gewesen, wenn diese wenigstens versucht hätten, mit den Journalisten ins Gespräch zu kommen und nach Lösungen zu suchen, welche für beide Seiten akzeptabel gewesen wären.
Auf der anderen Seite haben auch die Filmemacher streckenweise wenig für Transparenz gesorgt. Gleich reihenweise wurden Briefe von angeblichen Aussteigern vorgelesen, ohne dass man einen einzigen von ihnen vor der Kamera sehen konnte. Das ist unredlich.
Offenbar waren verschiedene Werke auf den Umgang mit den Medien schlecht vorbereitet. Gerade für grössere und erfolgreiche Organisationen ist dies jedoch ein Muss. Ein Journalist ist irritiert, wenn er hört, dass der Heilige Geist in den Kreis der Gläubigen gerufen wird, er selber jedoch vor einer verschlossenen Türe stehen bleiben muss. 

 

Thomas Hanimann ist Medienbeauftragter der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA).

thomas.hanimann@STOP-SPAM.insist.ch 

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