Politik

Der neue Wellness-Trend

Philipp Hadorn

 

Sparprogramme haben Hochkonjunktur. Von Bund, Kantonen und Gemeinden werden gegenwärtig entsprechende Vorlagen verlangt oder wurden bereits verabschiedet. Alle paar Jahre fordern Vorstösse, die Leistungen der öffentlichen Hand zu redimensionieren, Hilfen an Bedürftige zu reduzieren, Zugezogenen und Schutzsuchenden die erforderliche Unterstützung zu verweigern, das Engagement in Entwicklungsländern abzubauen, die Not im Strafvollzug nicht zu beheben und gleichzeitig Steuern oder Abgaben zu senken. Während gutverdienende Schweizer sich gerne eine grosszügige Wohnung leisten, sich exklusive Ferienerlebnisse gönnen, ihr Sparguthaben wachsen lassen und sich in der Freizeit zahlreiche «nice to have»-Wünsche erfüllen, scheint das Einzahlen in den kollektiven Topf des Staates nicht im Trend zu liegen. Offensichtlich erzieht der Zeitgeist den Menschen zur Optimierung des eigenen Einkommens, Firmen fördern mit Boni- und Prämienprogrammen den persönlichen Eigennutz und der angestrebte Leistungsanstieg endet in der Neidkultur.
Die Bibel lehrt uns etwas anderes. Christen haben gelernt zu teilen, die Sorgen, Ängste und Bedürfnisse der Mitmenschen ernst zu nehmen und für den materiellen Ausgleich in der Gemeinde zu sorgen. Schon in den ersten Gemeinden mussten hierzu Spezialisten – Diakone – eingesetzt werden, damit wenigstens hier die soziale Gerechtigkeit die geistliche Gemeinschaft ergänzte und so die Kraft des Evangeliums gegen innen und aussen sichtbar machte. Das tat allen Beteiligten gut. Antoine de Saint-Exupéry hält ganz schlicht fest: «Der Geschmack des geteilten Brotes hat nicht seinesgleichen.» Diese Erkenntnis könnte durchwegs auch im heutigen «SPA- und Wellness»-Trend unserer Wohlstandsgesellschaft Einzug finden. Das würde die Lebensqualität aller verbessern und eine ganzheitliche Heilung bewirken, die sogar das irdische Leben überdauert.

 

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch

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Politik

Israel hat das Recht, sich zu verteidigen

Erich von Siebenthal, Präsident der parlamentarischen Gruppe «Schweiz-Israel»

Sorge und Hilflosigkeit beherrschten die öffentliche Meinung in der Schweiz während des kürzlichen Israel-Gaza-Konfliktes. Das hat seine Berechtigung, denn Krieg, Tote und Zerstörung sind zu verurteilen. Auch wenn der Konflikt unterdessen von einem Waffenstillstand abgelöst worden ist, gilt es festzuhalten, dass jedes Land das Recht und die Pflicht hat, sich gegen Angriffe zu verteidigen.
Es ist nicht akzeptabel, dass im Israel-Gaza-Konflikt die Handlungen eines staatlichen Akteurs mit denen einer international anerkannten Terrororganisation gleichgesetzt werden. Nicht fair ist auch, die Anzahl der Opfer auf beiden Seiten gegeneinander aufzurechnen, denn Ziele und operatives Vorgehen von Israel und Hamas könnten unterschiedlicher nicht sein.
Die Hamas greift mit ihren Raketen jeweils Zivilisten in den Bevölkerungszentren Israels an. Dass die Opferzahlen in Israel nur gering ausgefallen sind, liegt nicht an den fehlenden Bemühungen der Islamisten. Israel investiert in die Sicherheit seiner Bevölkerung, in Bunker und das Iron-Dome-Abwehrsystem. Die Hamas stockt lieber ihr Waffenarsenal auf, statt sich um den Aufbau des Gazastreifens und die Zukunft ihrer Bevölkerung zu kümmern. Ihr Daseinszweck ist die Zerstörung des jüdischen Staates Israel, so steht es in der Hamas-Charta. Mit dem Raketenbeschuss stellt sie die Unterstützung ihrer Bevölkerung und ihre Legitimität als «Widerstandsbewegung» sicher.
Im Kampf gegen Israel missbraucht sie jeweils ihre eigene Bevölkerung als menschliches Schutzschild. Es ist die tragische Realität, dass die Hamas auf die Wirksamkeit der Bilder von Frauen und Kindern als Opfer israelischer Luftangriffe baut. Tote Palästinenser sind für sie ein wichtiger Propaganda-Erfolg, der seine Wirkung auch in der Schweiz nicht verfehlt.
Israel wird dafür kritisiert. Seine Kritiker wissen stets, was Israel nicht tun darf. Auf die Frage, wie Israel denn auf Angriffe reagieren sollte, fällt ihnen nichts ein. Es wäre zu einfach, zu glauben, dass die Lösung in der Aufhebung der Blockade Gazas liegt. Die Folgen wären die Einfuhr weiterer Waffen und noch mehr Gewalt.

 

Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

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