Spiritualität

Geld gut ausgeben

Paul Kleiner / Ruth Maria Michel Gibt es ethische Überlegungen in der Bibel, wie man Geld gut ausgibt? Jesus von Nazareth fasste das ganze Alte Testament in eine Weisung zusammen: «Liebe Gott … und liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Grösser als dieses ist kein anderes Gebot1.» Daran anschliessend fasste der Kirchenvater Augustin seine Ethik in einen Satz: «Liebe, und tue, was Du willst.»

In dieser Tradition stehen zehn Fragen zum Geld-Ausgeben. Ich lese sie betend, langsam, wenn möglich laut. Nach jeder Frage halte ich einen Moment inne. Was regt sich in mir bei diesen Gedanken. Zu-Stimmung? Wider-Spruch? Ich versuche, mit Gott darüber zu sprechen – vor allem über meine inneren Widerstände, über meine «aber...».

5 Fragen im Zusammenhang von Geld-Ausgeben und Gottesliebe


1. Steht Gott an erster Stelle bei dieser Ausgabe?
«Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes»2. Gott zu lieben heisst, ihm die erste Priorität zu geben, auch beim Zücken des Portemonnaies oder der Kreditkarte. Gebe ich in erster Linie für das Reich Gottes Geld aus? Unterstütze ich Projekte, die das Evangelium bezeugen? Leiste ich mir, um selber in der Gnade zu wachsen, ein gutes Buch oder mache einen hilfreichen Seelsorgetermin ab ...? – Oder gebe ich eben gerade kein Geld aus und verzichte, weil ich Gott liebe und er an erster Stelle kommt? Wenn Gott Priorität hat, befreit er von anderen «Herren» und Zwängen, die mich zum «Das-muss-ich-Haben» versklaven.

2. Ehrt diese Ausgabe Gott?
Wer Gott liebt, ehrt ihn. Nicht nur im Lobpreis, sondern auch mit Geld: «Wer sich des Armen erbarmt, ehrt Gott3.» Wer Geld ausgibt, um mit Bedürftigen zu teilen, liebt nicht nur den Nächsten, sondern ehrt auch Gott, den Schöpfer dieses bedürftigen Menschen! Ebenso ehre ich Gott, wenn ich mein Menschsein akzeptiere und nicht selber wie Gott sein will – und darum genügsam Geld ausgebe für Nahrung und Kleidung4 und eben nicht für Selbstdarstellung oder Selbstbestätigung.

3. Fördert diese Ausgabe das Vertrauen in Gott?
Paulus gab Geld aus – oder auch nicht – «durch den, der mich stark macht»5. Die Liebe zu Gott lässt vertrauen, dass er für mich sorgt. Darum kann ich genügsam leben und muss nicht mit Geldausgaben Güter zur eigenen Sicherheit horten6. Wer Gott vertraut, lebt dankbarer in allem7 – auch beim Geld-Ausgeben.

4. Führt diese Ausgabe dazu, Gott und seine Schöpfung zu geniessen?

Meine Gottesliebe findet Ausdruck, wenn ich mich an ihm und seiner Schöpfung freue. Gott als mein grosser Liebhaber freut sich an meiner Lust. Ein Ausflug in die Berge oder Ferien am Meer kosten Geld. Geniesse ich damit Gott und seine Schöpfung? Der Mensch ist dazu geschaffen, Gott zu verherrlichen und sich ewig seiner zu erfreuen. Deshalb darf ich jetzt schon damit beginnen – auch wenn ich Geld ausgebe!

5. Trägt diese Ausgabe Gottes Schöpfung Sorge?

Wer Gott liebt, trägt dem von ihm Geschaffenen Sorge. Dazu gehört auch das Pflegen des eigenen Leibes8. Der Leib wird als Tempel des Heiligen Geistes bezeichnet9 und soll entsprechend sorgsam behandelt werden. Das kostet auch Geld. Natürlich kann man das übertreiben und in der heutigen Wellness-Welle den Körper vergotten. Meine Ausgaben für Hygiene, gesundes Essen, Sport und einen gesunden Lebensstil könnten jedoch auch etwas mit dem Gebot Jesu zu tun haben: «Liebe Gott!» Denn darum liebe ich auch den Leib, den er geschaffen und mir für eine Weile anvertraut hat.

5 Fragen im Zusammenhang von Geld-Ausgeben und Nächstenliebe


6. Lindert diese Ausgabe die Not des Nächsten?

7. Nimmt diese Ausgabe Rücksicht auf die Bedürfnisse und Rechte des Nächsten?

8. Fördert diese Ausgabe die Gemeinschaft mit den Nächsten?

9. Macht diese Ausgabe dem Nächsten Freude?

10. Fördert diese Ausgabe den Nächsten?


Wichtig: Das sind nicht Gebote sondern Fragen und Antworten zum Geld-Ausgeben. Darüber steht das Motto: «Liebe, und tue, was Du willst!»

Quelle: Bausteine 2/2006, gekürzt von Ruth Maria Michel
Hinweis: Eine ausführliche Version mit allen
10 Punkten findet sich auf www.insist.ch


1  Mk 12,29-31
2  Mt 6,33
3  Spr 14,31
4  1 Tim 6,6-8; vgl. Hiob 1,21
5  Phil 4,13
6  Hebr 13,5-6
7  1 Thess 5,18
8  Eph 5,29
9  1 Kor 6,19

 

Paul Kleiner ist Theologe und Rektor des Theologisch-Diakonischen Seminars (TDS) in Aarau. Er lebt mit seiner Frau in Winterthur.
p.kleiner@STOP-SPAM.tdsaarau.ch


Ruth Michel leitet als VBG-Mitarbeiterin das Ressort «Spiritualität und geistliche Begleitung».
ruth.michel@STOP-SPAM.insist.ch

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