Politik

Fake or Truth? 

Philipp Hadorn

 

Die Information war klar und deutlich. Viele liessen sich davon überzeugen. Einige blieben skeptisch oder probten den Widerstand. Der Schauplatz verschob sich mehrmals. Die Hauptdarsteller aber blieben: Ein Angeklagter, mehrere Ankläger und viele Anhänger. Die Richter wechselten. Trotz Urteilskraft spielten Gunst, Vorteilssuche und der Kampf um öffentliche Anerkennung beim Urteil entscheidend mit.

Mit dem Wechsel der Gerichte änderten sich die Klagepunkte. Doch jemand blieb konstant: der Ex-Pharisäer, der Gelehrte mit den vielen Antworten auf fast alle Fragen. Er sei viele seiner Lebensjahre einem Irrtum erlegen, bekannte er offen. Unter enormem Einsatz habe er versucht, der geglaubten Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen. Andersdenkende habe er verklagt und verfolgt – mit Erfolg. Und dann erzählte Paulus, gefragt oder ungefragt, sein Erlebnis mit diesem Jesus, dessen Anhänger er eigentlich hatte liquidieren wollen. Eine Begegnung mit Jesus hatte ihn zum «Konvertiten» gemacht. Seinen Eifer lebte er nun als «Apostel» aus. Er gründete Gemeinden und lehrte das Evangelium. Er blieb bei seiner neuen Haltung: in religiösen Versammlungen, in Schulen, vor römischen Beamten wie Felix und Festus, dem jüdischen König Agrippa und wohl auch dem Kaiser in Rom. Seine Lehrbriefe haben es in sich: Bis heute wird unter Christen über deren Aussagen gestritten.

Und ich? – Seit meiner unspektakulären Begegnung mit diesem Christus versuche ich, meine Entscheide denkend, im Austausch mit Menschen, im Lichte der Bibel und im Gebet zu treffen. Meine politischen Positionen konnte ich so in den vergangenen Jahren schärfen. Den Respekt vor Andersdenkenden will ich aber bewahren. Es kann ja sein, dass ich mich in «meinem Eifer» auch gelegentlich irre. Ja, verwurzelt in der «Wahrheit des Kreuzes» will ich den Glauben an die Aufrichtigkeit von Mitmenschen, die zu anderen Haltungen kommen, nicht verlieren. Denn ich gebe freimütig zu: In vielen Sachfragen suche ich in den wechselnden Kontexten immer wieder neu nach der Wahrheit. Mögen wir die Weisheit haben, die Wahrheit zu erkennen und Irrtümer einzugestehen. Paulus lehrt es uns: Der Preis kann hoch sein, aber er lohnt sich. Ich möchte in meinem Leben lieber «Truth» (Wahrheit) als «Fake» verbreiten.

 

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch  

To top

Politik

Schafe in Not

Erich von Siebenthal

 

Zuoberst auf unserer Alp – auf etwa 2400 m – hatten Walliser Schafbauern auch dieses Jahr zur Sömmerung 41 Schafe platziert, die sie jede Woche besuchten.

Es war an einem Sonntag im August, als mich einer dieser Bauern anrief. Touristen hätten gemeldet, etwas sei nicht mehr gut da oben. Meine Frau und ich hatten für diesen Sonntag etwas Anderes geplant. Wir hofften deshalb, dass sich das Problem möglichst schnell lösen liesse. 

Nach anderthalb Stunden Fussmarsch sahen wir, was geschehen war. Die elektrische Abzäunung lag am Boden. Drei Schafe hatten sich in diesen Zaun verwickelt. Das erste Schaf war
von einem jungen Touristen befreit worden. Es konnte nicht mehr laufen. Ein zweites lag weiter unten und war leider tot. 

Da Nebel aufkam, war die Rettung dieser Tiere mit dem Helikopter kaum möglich. Ich bat einen Kollegen per Telefon um Hilfe. Er traf gegen
18 Uhr ein. Und hatte gleich noch einen zweiten Kollegen mitgebracht. Zuerst brachten wir das erste Tier an einen sicheren Ort. In der Zwischenzeit konnte die Air-Glaciers etwas unterhalb von uns landen und der Flughelfer stiess zu zu uns. Das tote Tier schleppten wir zum ersten Tier. Das dritte konnten wir nun gemeinsam befreien. Es hatte keinen Schaden genommen und konnte zur Herde zurückkehren.

Jetzt waren wir mit unserer Fracht bereit. Meine Frau und ich hatten darum gebetet, dass sich der Nebel lichten würde. Plötzlich wich der Nebel auf beiden Seiten des Helikopters zur Seite. Wir konnten bis ins Tal hinunter sehen – die Sicht war wieder gut. Der Pilot startete den Motor und stieg ein, zwei Meter in die Höhe. Wir hängten unsere Fracht flugsicher unten an den Helikopter. Einige Minuten später konnten auch wir in einem zweiten Flug den Helikopter besteigen und sicher bei unserem Auto in der Nähe einer andern Alphütte landen.

Für mich war das eine grosse Ermutigung. Jesus Christus hilft uns, Schafe zu bergen. Er kann wenn nötig auch den Nebel verbannen. 

 

Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

To top