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Politik

Halljahr — ein Boden unseres Glaubens

Philipp Hadorn

 

Ein leichtes Rütteln, dann ein Ruck: Die Räder haben auf der Landepiste in Zürich aufgesetzt. Auf sicherem Boden verlasse ich das Flugzeug. Die Konferenz in Kuala Lumpur war spannend. Die Gelegenheit, vor Ministern und Parlamentsmitgliedern in Malaysia zur Abschaffung der Todesstrafe zu sprechen, habe ich gerne genutzt. Die Unabhängigkeit dieses Inselstaates von der britischen Kolonialmacht im Jahre 1957 hat viel ausgelöst. Die befristete Förderung der wirtschaftlich rückständigen «Ur-Einwohner» machte Sinn. Sie brauchten Boden, bescheidene Häuser und den erleichterten Zugang zur Bildung. Die Bevorzugung bei Staatsstellen, beim Kauf von Boden und Häusern haben aber die Akzeptanz der übrigen Bevölkerung strapaziert. Die Verlängerungen der Privilegien für knapp 60 % der Bevölkerung haben zu Unmut geführt. Das Wegnehmen, Zurückgeben und Umverteilen von Besitz und Boden ist oft Grund zu sozialem Unmut, Migration, Konflikten und Krieg. In 3. Mose 25 wird uns dargelegt, dass der Boden allein Gott gehört und nicht für immer in privates Eigentum übergehen darf. Das Jubeljahrgesetz soll nicht nur die Ansammlung von Boden verhindern, sondern auch Sklaven die persönliche Freiheit zurückgeben.In der Schweiz wird der Boden knapp. Raumplanung, angepasste Nutzungsvorschriften und Massnahmen gegen die Spekulation werden dringlich. In einzelnen Regionen höhlen explodierende Wohnkosten die Niederlassungsfreiheit weitgehend aus. In Grenzregionen mit prekären Löhnen entstehen Notsituationen, die auch Grundrechte unserer Verfassung ritzen. Ich glaube, die Besinnung auf die Bibel, den Boden unseres Glaubens, würde mit der Einführung eines Halljahres neue Jubeljahre auslösen – auf Erden wie auch im Himmel; mit Sicherheit mehr als die geplante Steueramnestie!

 

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch  

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Politik

Kundgebung

Erich von Siebenthal

 

Der Schweizerische Bauernverband hat im vergangenen Jahr aufgerufen, am 27. November zu einer Kundgebung nach Bern zu kommen. Als Präsident der Berner Oberländer Bauern war es für mich sofort klar, dass wir uns organisieren und aus unseren Bergtälern mit Bussen anreisen werden. Meine Agenda hätte diesen weiteren Termin nicht gebraucht, und so eine Kundgebung ist auch nicht meine liebste Aktivität. Warum war es trotzdem wichtig, dass sich auch die Bergbauern auf den Weg nach Bern gemacht haben?

Die Strategie des Bundesamtes für Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten war die Ausrichtung auf Menge und Grösse. Landwirtschaftliche Betriebe mussten in dieser Logik wachsen und mehr Fläche bewirtschaften; am besten machte man aus drei Betrieben einen schlagkräftigen. Zugleich wurden die Produzentenpreise über alle Produkte hinweg gesenkt, mit dem Argument, dank mehr Menge zu tieferen Preisen könne das Einkommen sogar noch gesteigert werden. In gewissen Regionen der Schweiz mit grossen, schönen Flächen war das zum Teil möglich. Durch den zunehmenden Druck der Grossverteiler sind aber die Abnahmepreise für uns Produzenten immer mehr gesunken. Dass diese Strategie für die meisten Bauern nicht aufgehen kann, wurde von der Politik erkannt. Vor Jahrzehnten wurde deshalb die finanzielle Abgeltung von ökologischen Leistungen eingeführt und immer mehr ausgebaut. Mir wäre es lieber, wenn ich als Bergbauer auf diese Beträge verzichten könnte. Aber mit den gegenwärtigen Produktepreisen gibt es dazu zur Zeit keine Alternative. Und nun hat der Bundesrat angekündigt, er plane ab 2016 bis 2021 eine massive Kürzung dieser Abgeltungen. Damit aber wäre das lebensnotwendige Einkommen auf vielen Betrieben plötzlich nicht mehr gesichert. Es gibt schon heute immer mehr Bauernfamilien, die finanziell am Abgrund stehen und gesundheitlich oder familiär Probleme haben. Mit diesen Massnahmen wären die Familienbetriebe in der Schweiz gefährdet. Ohne eine gewisse finanzielle Sicherheit wagen es die Kinder nicht mehr, einen Betrieb zu übernehmen.
Es stellt sich die Grundsatzfrage, ob der Schweizer Bauer überhaupt noch Nahrungsmittel produzieren solle. Für mich gibt es nur eine Antwort: Ja! Wir wollen wenigstens noch einen Teil unseres Volkes mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen. Daher gab es am 27. November auch für die Berner Oberländer Bergbauern keine Alternative: Sie mussten und wollten in Bern ein Zeichen setzen.

Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

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