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Politik

Wer in Gott eintaucht, taucht bei den Armen wieder auf!

Philipp Hadorn     

 

Das Bildungsangebot der Schweiz ist beachtlich. Grundsätzlich gibt es in der Schweiz einen Konsens über die Bedeutung der Chancengleichheit. Erst seit den kürzlichen Sparübungen im Parlament wird am Prinzip der unentgeltlichen Erstausbildung kräftig geritzt. Aber: Für die Entwicklung eines Menschen sind nach aktueller Lehre «lieben, fördern und fordern» lebenswichtig. Gegenwärtig werden die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Jungen von «Staatsabbauern und Steuer-Erosionisten» bereits in der Schweiz arg bedrängt, in Entwicklungsländern ist die Situation dramatisch.Bei einem Besuch in Madagaskar musste ich kürzlich zur Kenntnis nehmen, wie viele Kinder wegen den Materialkosten auf den Schulbesuch verzichten. Mit der Abgabe von UNICEF-«School-Kits» wird durch Partnerorganisationen versucht, hier Abhilfe zu schaffen. In Kriegs-, Flüchtlings- und Katastrophengebieten werden heute Millionen von Kindern ihrer Chancen beraubt. Es fehlt an einer gesetzlichen Grundlage der Durchsetzung und/oder Infrastruktur, damit die Basis zur Entwicklung gelegt werden kann. Laut Parlamentsbeschluss sollte die Schweiz 0,7% des Nationaleinkommens in die Entwicklung von Menschen ausserhalb ihrer Grenzen investieren. Aktuell drückt das Parlament diese Beiträge auf unter 0,5%. Dabei geht es um Millionen – nicht nur Franken, sondern auch um Menschen in Not, Armut und im Krieg – oder auf der Flucht.Was hat dies alles mit «integriertem Christsein» zu tun? Kann ich Loblieder singen und vorbeigehen, wenn andere verwundet sind? Kann ich beten, ohne selbst zu handeln? Kann ich mich entscheiden zwischen evangelikal und sozial? Das zu beantworten haben viele versucht. Diese Antwort trifft den Kern: «Wer in Gott eintaucht, taucht bei Menschen – bei den Armen – wieder auf!» Vielleicht ist dies das wahre Geheimnis der Jahreslosung 2017*, sicher aber der Schlüssel zu einer gelebten Solidarität!

 

*Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch (Hes 36,26).

 

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat und Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Er lebt mit seiner Frau und drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche engagiert. mail@STOP-SPAM.philipp-hadorn.ch, www.philipp-hadorn.ch  

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Politik

Das Beste geben

Erich von Siebenthal

 

Ich wurde angefragt, als Podiumsteilnehmer an der Nationalen Flüchtlingskonferenz von Stopp-Armut im November in Bern teilzunehmen. Sie möchten noch eine kritische Stimme zu den Entwicklungen in unserem Lande dabei haben, wurde mir gesagt. Da mir die vielen Menschen, die kein Zuhause mehr haben, aber auch unser Land am Herzen liegen, sagte ich zu.

Im Vorfeld machte ich mir dann aber schon Gedanken, ob ich nicht irgendwie zum Spielverderber werden könnte, wenn ich gewisse Entwicklungen in Frage stelle.
Fragen wie diese: Sind diese Menschen wirklich alle an Leib und Leben bedroht? Zwischen 60% und 70% davon sind vorwiegend junge Männer, die zu uns kommen. Was ist da los?
Im Bundesvoranschlag 2018 wurden 2,4 Milliarden für das Flüchtlingswesen eingestellt. Können wir als Schweiz dieses weltweite Problem lösen? Wäre es nicht an der Schweiz als christliches Land, vor allem Christen aufzunehmen, die verfolgt und an Leib und Leben bedroht sind?  Im Gegensatz zu den Muslimen haben die Christen immer weniger Möglichkeiten, in ein Land zu gehen, in dem sie ihren Glauben frei leben können.
Zwei Tage vor der Konferenz wurde mir mitgeteilt, dass sich über 700 Teilnehmer angemeldet hätten. Da merkte ich, dass diese Konferenz eine gewisse Dimension und Aktualität haben wird.
Die Referate von Anja Klug von UNHCR Schweiz/Liechtenstein und von Mario Gattiker, Direktor des Schweizerischen Migrationsamtes waren sehr spannend. Beim Podium waren dann Anja Klug, Mario Gattiker, Marc Jost (Generalsekretär der SEA) und ich als Bergbauer vertreten. Der Moderator machte es sehr gut. Jeder Teilnehmer konnte seine Aussagen machen, auch ich mit meinen kritischen Punkten. Das regte die Diskussion an, und man wurde auch ernst genommen. Auf die Frage, was wir vor allem tun können, antwortete Mario Gattiker: «Spenden Sie.»
Wie viel diese Konferenz beim Bewältigen dieser grossen Herausforderungen geholfen hat, weiss ich nicht. Aber eines habe ich einmal mehr wahrgenommen: Es gibt sehr viele Menschen in unserem Lande, die ihr Bestes geben.


Erich von Siebenthal ist SVP-Nationalrat und Biobauer im Berner Oberland. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Gstaad und engagiert sich dort in der Evangelisch-methodistischen Gemeinde.

erich_v7thal@STOP-SPAM.sunrise.ch 

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